Eigentlich wollte ich darüber nicht auch noch schreiben, und nun tu ich’s doch: Das Interview von Andi Popp mit der Jungen Freiheit, der Fragebogen, den Jens Seipenbusch ausgefüllt hat und die Reaktionen darauf. Wobei in den Medien regelmäßig verabsäumt wird, zu erwähnen, dass sowohl Seipenbusch als auch Popp inhaltlich nichts geäußert haben, was mit den Grundsätzen der Piratenpartei nicht in Einklang zu bringen wäre, und Popp hat sich sogar deutlich von rechten Bewegungen distanziert (dass Jens Seipenbusch dies nicht tat, lag daran, dass der Fragebogen keine entsprechenden Fragen enthielt). Wer selbst nachliest, anstatt nur nachzututen, was die Medien und die sogenannten A-Blogger ihm vorkauen, wird feststellen: An beiden Äußerungen ist inhaltlich nichts, aber auch gar nichts zu beanstanden. Wenn die Piraten durch diese Interviews unwählbar werden, dann sollte das auch für die anderen demokratischen Parteien gelten, deren Vertreter sich in dieser Zeitung ebenfalls äußerten.
Zunächst muss man feststellen, dass die Junge Freiheit nicht der Völkische Beobachter ist, auch wenn man, so man sich durch die zahllosen Reaktionen kämpft, was als Mitglied der Hamburger Presseabteilung bedauerlicherweise zu meinen Aufgaben gehört, zu einem anderen Schluss kommen könnte. Kurz gesagt: Das Blatt ist nicht verboten. Das allein ist kein Maßstab, denn das ist die National-Zeitung auch nicht, aber im Gegensatz zu der letztgenannten Postille, mit der hoffentlich niemals ein Pirat wird reden wollen, kann die Junge Freiheit auf eine stattliche Anzahl von renommierten Interviewpartnern auch aus dem nicht-neu-rechts-konservativen Spektrum verweisen und tut das auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit – man ist also bereit, anderen Meinungen dort eine Stimme zu geben, aus welchen Gründen auch immer.
Ob man mit der Jungen Freiheit nun unbedingt reden muss, ist jedoch eine andere Frage. Das Hamburger Presseteam erhielt die Mail mit der ach so wahnsinnig dringenden Interviewanfrage schon vor ein paar Wochen (wir kommunizieren nämlich mit unserem Vorstand und bekommen jede Presseanfrage zunächst übersandt, bevor ein Interviewpartner gefunden wird, wie es üblich ist, von wegen Professionalität und so …). Wir besprachen uns und entschieden, diese Anfrage nicht zu beantworten, da wir als Hamburger Piraten (bzw. korrekterweise: die infrage kommenden Interviewpartner) in diesem Blatt nicht erscheinen und damit nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Die Entscheidung, wie mit man einer solchen Anfrage umgeht, obliegt jedoch jedem Landesverband und auch den Bundespiraten selbst – bis die Basis eventuell zu einem Konsens nebst eindeutiger Weisung gefunden hat.
Doch wenn es denn unbedingt sein muss mit dem Interview, dann wäre ein weniger uninformiert wirkender Umgang und weniger Konfusion wünschenswert. Statements wie “tut mir leid, hab ich nicht gewusst” oder die Tatsache, dass das Interview mit Andi Popp an der Presseabteilung vorbei geführt wurde, lassen jedem, der mal irgendwann was mit Pressearbeit im weitesten Sinne zu tun hatte, die Haare zu Berge stehen.
Wer sich für ein Interview mit der Jungen Freiheit entscheidet, sollte wenigstens wissen, was er tut – und mit wem. Das ist mein ganz persönlicher Aufreger an dieser Sache. Bei Jens Seipenbusch war dies wohl der Fall, zudem sind die Fragen derart harmlos, dass sie auch von einem bei der Regenbogenpresse tätigen Reporter hätten stammen können.
Sollte der letzte Satz des heute bei Spiegel Online erschienenen Artikels ein Originalzitat sein, ist meine Toleranz in Bezug auf Merkbefreiung überschritten. Na, wir lernen noch. Und die Pressestelle der Bundespiraten hoffentlich auch. Irgendwann.
Wer das Interview bzw. den Fragebogen selbst nachlesen möchte (was immer zu empfehlen ist), bemühe bitte eine Suchmaschine. Ich behalte mir vor, in meinem Blog die Junge Freiheit nicht verlinken zu wollen. Aber gelesen habe ich beides natürlich, denn es geht nichts über eine eigene, selbständige Meinungsbildung. Falls jemand das jetzt inkonsequent findet: mag sein. Ist aber mein Blog.

