Piraten-Jinx

February 14, 2010

Zielführende Diskussionskultur, wo bist Du?

Filed under: Inhaltliches,Piraten — Tags: , — admin @ 8:26 pm

In der Piratenpartei – wie auch anderswo, wo es basisdemokratisch zugeht – steht man bei der Beiteiligung an allgemeinen Diskussionsmedien immer wieder vor dem Problem, dass eine zielführende Diskussion nicht zustande kommt oder im Keim erstickt wird.

Zielführend zu diskutieren heißt nun nicht, dass alle einer Meinung sein müssen, ganz im Gegenteil. Es bedeutet, dass man bei der Beleuchtung eines Themas fakten- und themenorientiert diskutiert, auf Argumente mit Gegenargumenten reagiert (und nicht mit erleuchteten Weisheiten à la “Du bist doof”) und dass man sich um einen Konsens bemüht.

Leider werden Diskussionswillige immer wieder vertrieben von Leuten, die permanent schwafeln, faseln, einen mit einer Wall of Text zubomben, vom Thema abschweifen, ihre Argumente so oft wiederholen, bis niemand mehr etwas schreiben mag etc. Zielführend geht anders, und für thematisch arbeitende Gruppen ist dies der GAU.

Dies ist ein Dilemma der Piratenpartei: Sie will und muss basisdemokratisch sein, denn deswegen sind die meisten von uns eingetreten. Das bedeutet auch, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zu äußern und seinen Standpunkt zu erläutern. Dazu stehen wir, aber wir müssen eben einen Weg finden, wie wir trotzdem irgendwie zum Ziel kommen.

Das kann und darf nicht heißen, Leute von der Diskussion abzuhalten, indem man sie ausschließt, oder gar nichts mehr zu schreiben.

Stattdessen sollten sich die, die an einer echten, zielführenden Diskussion interessiert und imstande sind, eine solche auch zu führen, innerhalb der Mailingliste zusammenschließen und die, die das nicht wollen oder können, einfach mal ignorieren. Und zwar, wenn nötig, dauerhaft – nachdem man abgecheckt hat, was die wollen und ob die nicht doch etwas beitragen können. Hilfreich ist immer, Leute aufzufordern, etwas auszuarbeiten, die eigenen Thesen genau zu erläutern oder zu belegen. Das hat den Vorteil, dass es Schwafler sinnvoll beschäftigt und zudem sinnvolle Inhalte erkennbar macht. Im Idealfall kommt irgendwann tatsächlich so etwas wie ein Konsens heraus.

Das klappt jedoch nicht immer. Oft stehen sich Vertreter konträrer Meinung gegenüber. Die meisten Menschen haben das Ziel, so lange weiterzudiskutieren, bis alle glücklich sind., die Gegenseite eingesehen hat, dass man doch recht hatte und man sie freudig an die eigene, natürlich viel breitere, stärkere und bessere Meinunsbrust drücken kann. Doch manche lassen sich hartnäckig nirgendwohin drücken, und oft genug haben sie ihre Gründe dafür.

Über Inhalte entscheidet ein Landesparteitag (auf Landesebene) oder eben der Bundesparteitag (auf Bundesebene). Es spricht nichts dagegen, gegensätzliche, gut ausgearbeitete Thesen vorzutragen und die Versammlung darüber abstimmen zu lassen, welchen Pfad man als piratig erkennt und weiterverfolgen möchte.

Es gilt eben, dass nie alle glücklich sein werden und dass es eine Illusion ist, eine Partei zu finden, mit der man zu 100% überreinstimmt – es sei denn, man gründet selbst eine und läd maximal Leute ein, die ohnehin zu allem Ja sagen. Realistisch sind 70 – 75% Übereinstimmung (das ist eine ganze Menge und würde ich für mich als Untergrenze definieren), Normal sollten 80+% sein, und 90% sind toll. Die sind in einer kleinen Partei mit begrenztem Themenspektrum natürlich leichter zu erzielen als in einer großen, die alle Themenbereiche irgendwie abdeckt. Aber das darf keine Entschuldigung sein, um sich davor zu drücken, konkrete Positionen zu entwickeln, Themenbereiche zu erschließen und auszuarbeiten und dafür bitte auch die Verantwortung zu übernehmen.

Das ist nämlich, was im Wahlkampf immer wieder an uns herangetragen wurde: Die Frage nach konkreten Positionen und konkreten Antworten, nicht nur neue Bereiche betreffend, sondern auch unsere Kernthemen.

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September 30, 2009

Was wirklich wichtig ist

Filed under: Piraten — Tags: , , — admin @ 5:07 pm

Tja, in Hamburg steht ein Landesparteitag der Piratenpartei an, und somit auch die Neuwahl des Vorstands. Ich wurde sowohl als Beisitzer als auch für den Vorstandsvorsitz nominiert, habe dann mit einem Nominierten für den Vizevorsitz die Plätze getauscht und vor allem sehr viel nachgedacht. Über die Piraten, die hoffen, ich würde kandidieren, über die Aufgaben, die mich erwarteten, über die inhaltliche Arbeit, die mir so sehr am Herzen liegt, über Für und Wider und vor allem, über das, was andere wollen und das, was ich selbst will.

Wenn ich kandidiere und gewählt würde, könnte ich größeren Einfluss nehmen, administrativ mitgestalten, stünde im Vordergrund, hätte wahrscheinlich viele Termine wahrzunehmen und wäre wohl für die Partei irgendwie wichtiger, als ich es heute bin.

Lehne ich die Kandidatur ab, könnte ich mich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren, mich auch anderen Projekten widmen, hätte mehr Zeit für Herrn Jinx und dinge, die mich sonst noch interessieren.

Ich habe also lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich dieses Brett nicht bohren werde, sozusagen, da es zwar dröge, aber nicht dick genug ist. Ich werde also inhaltlich arbeiten, dem Presseteam vollständig erhalten bleiben und meine Freizeit auch für andere Dinge reservieren, als da sind: mein Privatleben, die Volkshochschulkurse, die ich abhalten soll, meine Hobbies.

Und ich werde dem intriganten Schmierlappen, den sich die Hamburger Piraten leider nicht nur zur Belustigung halten, in aller Deutlichkeit sagen können, dass er mich kreuzweise kann, wenn er mich wieder zuseibelt, ohne mich fragen zu müssen, ob das so angemessen ist, wenn man ja kandidieren möchte.

Es ist eine Entscheidung, die mich wieder in Einklang mit mir selbst gebracht hat, und das ist, was wirklich zählt.

Und ja, es ist eine egoistische (vielleicht sogar ein bisschen hedonistische) Entscheidung, keine altruistische. Aber, boah, fühlt sich das gut an. The best things in life are free.

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September 28, 2009

Das Volk hat gewählt …

Filed under: Piraten,Wahlen — Tags: , — admin @ 12:29 pm

… und die Piraten können mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein. 2% bundesweit ist eine stolze Leistung, und das Wahlergebnis, auch wenn der Gedanke an eine dauergrinsende Westerwelle und eine enorme pastellfarbene Polohemdendichte für die nächsten vier Jahre einfach gruselig ist, zeigt doch deutlich, dass es gelungen ist, Themen wie Bürgerrechte und Privatsphäre wieder ins Blickfeld der Wähler zu rücken. Man wünscht sich eine liberalere Politik anstelle einer unsichtbaren SPD.

Auf einen anstrengenden, großartigen, engagierten Wahlkampf der Piraten folgt nun die Arbeit an den Inhalten, die umso wichtiger ist, als viele Bürger an den Infoständen zwar ihre starke Sympathie für die PIRATEN bekundeten, aber auch das eingeschränkte Themenspektrum bemängelten.

Daneben muss der Mitgliederansturm strukturell bewältigt werden, neue Mitglieder müssen eingebunden werden in die politische Arbeit, Themen wollen erörtert und erarbeitet werden, kurz gesagt: Es gibt viel zu tun, und ich freue mich auf die substanzielle Arbeit, die in der nächsten Zeit auf uns zukommen wird.

Und, ach ja, das Wahlergebnis: Viele hatten sich etwas anderes gewünscht oder erhofft, aber ich setze da ganz auf die FDP, die immer dann, wenn es ans Regieren und die entsprechenden Posten geht, so ziemlich alles unterschreibt, was man ihr vorlegt. Die PIRATEN werden also nicht überflüssig werden, ganz im Gegenteil. Wir freuen uns auch auf viele gelungene Steilvorlagen. Denn die FDP hat gerade auf Bundes- und Landesebene schon lange nicht mehr gehalten, was sie vor den Wahlen versprach.

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September 25, 2009

Virales gegen den Sicherheitsstaat

Filed under: Piraten,Virales,Wahlkampf — Tags: , , — admin @ 1:22 pm

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Wahlkampf-Endspurt, oder: Die letzten Mohikaner

Filed under: Hamburg,Piraten,Wahlkampf — Tags: , — admin @ 1:24 am

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Morgen ist der letzte Wahlkampftag, und, offen gesagt, ich bin froh darüber. Obwohl ich nicht so oft am Stand bin wie andere, treibt mich das Pflichtgefühl, und langsam denke ich, dass meine Füße dabei sind, eine runde, zehenlose Form anzunehmen, sobald ich meine Schuhe ausziehe. Aber das macht nichts, denn “Leuchtturmaktionen” sind zwar gut und schön, aber es ist die Straße und die Gespräche mit den Wählern dort, die die Leute überzeugen, nicht das Schwenken von Fahnen oder symbolische Aktionen, auch wenn diese attraktiver sind, sowohl für die Presse als auch für die, die sie ausführen.

Gestern waren wir in Hamburg Altona, und wir haben Verstärkung bekommen: Jens Seipenbusch war am Stand, und das war immerhin so interessant, dass ein Team der Mopo (Hamburger Morgenpost) seinen Weg zu uns an den Stand fand. Es waren viele Piraten da, und die Resonanz war sehr gut, was auch dem außerordentlich günstigen Standort geschuldet ist, denn in Ottensen sitzen unsere Wähler.

Jens Seipenbusch wurde natürlich interviewt, führte jedoch auch Gespräche mit Wählern (und das äußerst professionell) sowie mit den Piraten vor Ort. Man würde ihn gerne öfter ausleihen … auch wenn wir einen Themen- und keinen Personenwahlkampf führen. Herzlichen Dank jedenfalls für’s Kommen!

Straßenwahlkampf ist anstrengend, manchmal nervig, aber lohnend: Man erkennt am ehesten, wie die Wähler ticken, die nicht im Internet unterwegs ist und ihre Fragen dort stellen. So kommt immer wieder die Frage nach Jörg Tauss auf (Unschuldsvermutung, Unschuldsvermutung, Unschuldsvermutung), aber auch nach Bildung (freier Bildungszugang und gleiche Chancen für alle) oder Überwachung (ehrlich, der Halbsatz “ich habe nichts zu verbergen” löst bei mir langsam Aggressionen aus …) sind immer wiederkehrende Themen. So kräftezehrend der Straßenwahlkampf ist, so lohnend und wichtig ist er auch.

Trotzdem freue ich mich auf die Zeit nach der Wahl, wenn das Medieninteresse abebbt, das Telefon nicht mehr dauernd klingelt und man sich die Beine nicht mehr in den Bauch steht. Fast sehne ich die manchmal dröge, organisatorische Arbeit herbei, die zwangsläufig auf den Wahlkampf folgen wird.

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Na denn: Guten Appetit!

Filed under: Piraten,Virales,Wahlkampf — Tags: , , — admin @ 12:37 am

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September 18, 2009

Die Unfreiheit mit der Jungen Freiheit

Filed under: Piraten,Pressearbeit,Skandale — Tags: , , — admin @ 2:06 pm

Eigentlich wollte ich darüber nicht auch noch schreiben, und nun tu ich’s doch: Das Interview von Andi Popp mit der Jungen Freiheit, der Fragebogen, den Jens Seipenbusch ausgefüllt hat und die Reaktionen darauf. Wobei in den Medien regelmäßig verabsäumt wird, zu erwähnen, dass sowohl Seipenbusch als auch Popp inhaltlich nichts geäußert haben, was mit den Grundsätzen der Piratenpartei nicht in Einklang zu bringen wäre, und Popp hat sich sogar deutlich von rechten Bewegungen distanziert (dass Jens Seipenbusch dies nicht tat, lag daran, dass der Fragebogen keine entsprechenden Fragen enthielt). Wer selbst nachliest, anstatt nur nachzututen, was die Medien und die sogenannten A-Blogger ihm vorkauen, wird feststellen: An beiden Äußerungen ist inhaltlich nichts, aber auch gar nichts zu beanstanden. Wenn die Piraten durch diese Interviews unwählbar werden, dann sollte das auch für die anderen demokratischen Parteien gelten, deren Vertreter sich in dieser Zeitung ebenfalls äußerten.

Zunächst muss man feststellen, dass die Junge Freiheit nicht der Völkische Beobachter ist, auch wenn man, so man sich durch die zahllosen Reaktionen kämpft, was als Mitglied der Hamburger Presseabteilung bedauerlicherweise zu meinen Aufgaben gehört, zu einem anderen Schluss kommen könnte. Kurz gesagt: Das Blatt ist nicht verboten. Das allein ist kein Maßstab, denn das ist die National-Zeitung auch nicht, aber im Gegensatz zu der letztgenannten Postille, mit der hoffentlich niemals ein Pirat wird reden wollen, kann die Junge Freiheit auf eine stattliche Anzahl von renommierten Interviewpartnern  auch aus dem nicht-neu-rechts-konservativen Spektrum verweisen und tut das auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit – man ist also bereit, anderen Meinungen dort eine Stimme zu geben, aus welchen Gründen auch immer.

Ob man mit der Jungen Freiheit nun unbedingt reden muss, ist jedoch eine andere Frage. Das Hamburger Presseteam erhielt die Mail mit der ach so wahnsinnig dringenden Interviewanfrage schon vor ein paar Wochen (wir kommunizieren nämlich mit unserem Vorstand und bekommen jede Presseanfrage zunächst übersandt, bevor ein Interviewpartner gefunden wird, wie es üblich ist, von wegen Professionalität und so …). Wir besprachen uns und entschieden, diese Anfrage nicht zu beantworten, da wir als Hamburger Piraten (bzw. korrekterweise: die infrage kommenden Interviewpartner) in diesem Blatt nicht erscheinen und damit nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Die Entscheidung, wie mit man einer solchen Anfrage umgeht, obliegt jedoch jedem Landesverband und auch den Bundespiraten selbst – bis die Basis eventuell zu einem Konsens nebst eindeutiger Weisung gefunden hat.

Doch wenn es denn unbedingt sein muss mit dem Interview, dann wäre ein weniger uninformiert wirkender Umgang und weniger Konfusion wünschenswert. Statements wie “tut mir leid, hab ich nicht gewusst” oder die Tatsache, dass das Interview mit Andi Popp an der Presseabteilung vorbei geführt wurde, lassen jedem, der mal irgendwann was mit Pressearbeit im weitesten Sinne zu tun hatte, die Haare zu Berge stehen.

Wer sich für ein Interview mit der Jungen Freiheit entscheidet, sollte wenigstens wissen, was er tut – und mit wem. Das ist mein ganz persönlicher Aufreger an dieser Sache. Bei Jens Seipenbusch war dies wohl der Fall, zudem sind die Fragen derart harmlos, dass sie auch von einem bei der Regenbogenpresse tätigen Reporter hätten stammen können.

Sollte der letzte Satz des heute bei Spiegel Online erschienenen Artikels ein Originalzitat sein, ist meine Toleranz in Bezug auf Merkbefreiung überschritten. Na, wir lernen noch. Und die Pressestelle der Bundespiraten hoffentlich auch. Irgendwann.

Wer das Interview bzw. den Fragebogen selbst nachlesen möchte (was immer zu empfehlen ist), bemühe bitte eine Suchmaschine. Ich behalte mir vor, in meinem Blog die Junge Freiheit nicht verlinken zu wollen. Aber gelesen habe ich beides natürlich, denn es geht nichts über eine eigene, selbständige Meinungsbildung. Falls jemand das jetzt inkonsequent findet: mag sein. Ist aber mein Blog.

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September 17, 2009

Ach, dieses Genderding

Filed under: Piraten,Sonstiges — Tags: , — admin @ 1:51 pm

Vor ein paar Tagen ging es mal wieder rund im Internet. Der Grund war dieser Blogpost der Feministin Antje Schrupp. Und ich bekenne mich schuldig: Ich bin in den Ring gestiegen, denn es war mal wieder stärker als ich.

Ich muss gestehen, ich fand den Inhalt des Beitrags befremdlich, denn es ist zwar hochinteressant, dass Frau Schrupp selbständig eine eigene Definition des “modernen Piraten” erstellt hat, doch es wäre noch schöner gewesen, wenn der Piratenpartei mit ein wenig mehr Sachkenntnis begegnet worden wäre, also wenn die Autorin über Informationen aus erster Hand verfügt hätte. Dem war – wie man dem Text und den Kommentaren, so weit sie noch erhalten sind – entnehmen kann, anscheinend nicht so. Dennoch war Frau Schrupp eine faire und engagierte Diskussionspartnerin. Auch wenn die etwas nebelhafte Art der Argumentation, die selten konkret wurde, nicht unbedingt meinem Verständnis von Diskussionskultur entspricht.

Zum Thema generell: Ich finde den Titel schon nicht sehr glücklich, denn ob andere Feministinnen die Piraten wählen können oder wollen, mögen die bitte mittels einer eigenständigen geistigen Leistung selbst herausfinden. Ich kann schon, und ich bin sogar Parteimitglied. Und nein, ich bin keine Piratin, sondern ein Pirat wie alle.

Ich habe jedoch kein Problem, wenn jemand die Frage nach der -in/-In/-innen/-Innen-Endung anders beantwortet als die Piraten oder auch als ich (ich find’s nicht wichtig, wenn der Rest stimmt). Problematisch wird es nur, wenn einem dann eigenartige Dinge unterstellt werden, wie in den Kommentaren geschehen. Hier eine kleine Auswahl:

  • man würde sich von Männern instrumentalisieren oder unterdrücken lassen
  • man wäre in der Lesbenszene eine Femme
  • man wäre – da angenommen hetero – ein Weibchen, das erst mit 50+ merkt, was ambach ist, soszusagen
  • da man beteuert, dass man mitnichten nur die Dreckarbeit erledigen würde bzw. nicht unterdrückt wäre, wäre man es doch, hätte das nur nicht mitbekommen (das ist mein persönlicher Favorit, denn als Mensch mit annehmbarem Bildungsniveau und normaler Intelligenz hört man das besonders gern)
  • man wäre ein Fake oder ein Transsexueller – so passiert einem armen weiblichen Piraten, die unter ihrem eigenen Namen gepostet hat.

Ich habe überhaupt nichts gegen Lesben, egal welcher Ausrichtung oder gegen Transsexuelle, aber auch hier fehlte mir ein wenig die Faktenorientierung der Kommentatorin.

Ich finde es persönlich schade, wenn einem eine so beschränkte Sicht der Weiblichkeit, wie sie dort generell anzutreffen war, aufgedrängt wird. Ich persönlich habe nämlich entschieden, dass meine Weiblichkeit für sich spricht und keine dauernde Bestätigung durch Endungen braucht. Würde ich mich in einer konservativeren Gemeinschaft bewegen, als ich das im allgemeinen tue, wäre meine Sichtweise eine andere.

Leider wird einem jedoch die abweichende, aber natürlich legitime Meinung immer wieder aufgedrängt, gerade als Pirat. Der Mann war neulich in eine Diskussion mit einer linken/feministischen Bekannten verwickelt, die sich den Wahlwerbeflyer der Hamburger Piraten nicht durchlesen wollte, da sie die fehlende Endung als sexistisch identifizierte, und damit die gesamte Partei. Als der Mann, ärgerlich geworden, anmerkte, dass sie, falls sie eine Partei sucht, die ihr beim Menstruieren hilft, bei den Piraten an der falschen Adresse sei, wurde sie natürlich böse. Vielleicht hätte ich, als ich von diesem Dialog hörte, nicht lachen sollen (aus pädagogischen Gründen, sozusagen), hab’s aber trotzdem getan, da ich es lustig fand. Allerdings stimmt es mich auch nachdenklich, denn sich ein Wahlprogramm nicht durchzulesen und sich seine Meinung ganz unbelastet von jeglichen Fakten zu bilden, zeugt schon von einer gewissen Grundignoranz, und der gehe ich privat lieber aus dem Weg.

Als Pirat im Landesverband Hamburg war meine Mitarbeit willkommen, auch und gerade bei verantwortungsvollen Aufgaben (dafür musste ich noch nie Kaffee kochen). Wenn ich meine Meinung äußern will, kann ich das jederzeit tun, ohne “als Frau” abqualifiziert zu werden. Denn Bürger-, Freiheits- und Menschenrechte  gehen beide Geschlechter gleichermaßen an. Jedenfalls wusste ich nach dieser kurzen Visite im anscheinend geistig eher überschaubaren Universum einiger Feministinnen wieder, warum ich schon an der Universität um die Damen einen ziemlichen Bogen machte: Die, die dort aktiv waren (also nichts gegen Feministinnen allgemein!) erschienen mir verbissen, kleingeistig und beratungsresistent.

Wer sich als Frau – ob Feministin oder nicht – auf das Abenteuer Piraten und die Arbeit in einer Kleinpartei einlässt, dürfte sehr schnell feststellen, dass es den männlichen Piraten erst mal sehr egal ist, ob man weiblich oder männlich ist. Wie ein Kommentator (Pirat, männlich) so treffend bemerkte: nur zu viel Unsinn reden sollte man nicht.

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September 16, 2009

Piratenpartei-Propaganda

Filed under: Piraten,Virales,Wahlkampf — Tags: , , — admin @ 11:16 pm

Ein inoffizieller, sehr geiler Werbespot für die Piratenpartei!

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Piratisch antworten

Filed under: Piraten,Pressearbeit,Wahlkampf — Tags: , , — admin @ 1:50 pm

Es ist nicht immer so leicht, im Rahmen von Diskussionen mit den Vertretern anderer Parteien piratisch zu antworten, wie ich gestern bemerken durfte, als ich für die Piratenpartei an der Sendung Sprachrohr des lokalen Senders tide.96 teilnahm. Geladen waren Vertreter von CDU, SPD, Bündnis90/Grüne, den Linken und eben auch den Piraten. Da die Sendezeit nur eine Stunde betrug, kam eine echte, kontroverse Diskussion nicht zustande, und da der Vertreter der CDU ersatzlos absagte, fehlten in weiten Teilen auch die Reibungspunkte. Wenn ich die Stimmung im Studio beschreiben sollte, würde ich sagen, dass sie zum großen Teil “schmusig” war.

Der Moderator stellte Fragen, und die Vertreter der Parteien antworteten im Sinne der Parteien, und ich war bei Weitem die Unerfahrenste vor Ort. Die Fragen kreisten um unterschiedliche Bereiche wie Wirtschaft, Sicherheit, Datenschutz. Nun haben die Piraten ihre Kernthemen – da fällt die Beantwortung leicht, man muss lediglich das sagen, was im Wahlprogramm steht, ohne sich eigenen Phantasien hinzugeben. Auch auf die Forderung, die NPD zu verbieten, kann man unbesorgt antworten, denn wenn sie verfassungsfeindlich ist, muss sie verboten werden. Sollte ein Gericht zu einem anderen Schluss kommen, was ich nicht glaube, darf man sie und ihre Positonen einfach unsäglich und mit piratischen Grundsätzen unvereinbar finden. Leicht war auch der Komplex “soziale Marktwirtschaft”. Die Piratenpartei erarbeitet in verschiedenen AGs Positionen zur Wirtschaftspolitik – und so lange die nicht spruchreif und basisdemokratisch abgestimmt sind, vertritt sie keine Position, und ich, wenn ich für die Partei unterwegs bin, tue das auch nicht.

Nun rief ein Hörer im Studio an und fragte nach der Gleichstellung von Lesben und Schwulen in Bezug auf Eheschließung, Adoption etc. Dazu hat die Piratenpartei nun keinen Standpunkt ausformuliert, aber die Frage lässt sich trotzdem aus den Grundsätzen der Partei beantworten, denn für Piraten sind alle Menschen gleich, wie es schon in unserem heißgeliebten Grundgesetz steht. Insofern wäre es unlogisch, einen Hetero als “gleicher” zu behandeln, wie es die Gesetzgebung momentan noch vorsieht. Es gibt also keinen vernünftigen Grund, Schwule und Lesben von Eheschließung und Adoption auszuschließen – nicht in einer modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts und nicht von einer Partei, die Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der religiösen Überzeugung oder der Herkunft strikt ablehnt. So strikt, dass man innerparteilich über diese Punkte nicht sprecht, da sie – wie gesagt – keine Rolle spielen unter modern denkenden Menschen in einer modernen Gesellschaft.

Die Vertreter aller anwesenden Parteien waren sich in diesem Punkt einig, doch der Herr von der FDP fügte hinzu, dass man gesellschaftliche Aufklärungsarbeit leisten müsse, um eine solche Gesetzgebung erfolgreich auch in der Bevölkerung durchzusetzen. Hier hätte ich gern nachgehakt, was wegen der Kürze der Zeit leider nicht möglich war. Mich interessiert, wie man sich dieses aufklärerische Wirken vorstellt – und vor allem, wie viel Zeit man dafür veranschlagen möchte.

Denn in der Gesellschaft ist das alles längst angekommen. Sicherlich ist es einfacher, als gleichgeschlechtlich liebendes Paar in einer norddeutschen Großstadt zu leben als in einem süddeutschen Dorf, doch ob diese Tatsache in den nächsten fünfzig Jahren eine tiefgreifende Änderung erfahren wird, wage ich mal zu bezweifeln. Die Realität sieht doch längst anders aus: Menschen gleichen Geschlechts leben ihre Partnerschaften offen, und das nicht nur in Hamburg, Berlin oder Köln. Sie adoptieren auch bereits Kinder, wenn auch im Ausland, und manche lassen sich kirchlich trauen. Einige bringen leibliche Kinder aus einer früheren Beziehung mit oder sorgen für Nachwuchs mittels künstlicher Befruchtung. Einzig die diesen Umständen adäquate Gesetzgebung fehlt noch, eine, die eines modernen, säkularen Staates würdig ist, und die gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus der juristischen Besenkammer der “eingetragenen Partnerschaft”, der nicht rechtsgültigen Eheschließungszeremonie oder der Kindesadoption auf dunklen Pfaden herausholt und dort hinbringt, wo sie praktisch schon längst angekommen ist: in die Mitte der Gesellschaft.

Was mir in diesem Zusammenhang noch auffiel: Ich brauche dringend diesen Rhetorikkurs!

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