Piraten-Jinx

February 11, 2010

Politiblöd

Filed under: Skandale, Vollpfosten — Tags: — admin @ 3:51 pm

Er hat es wieder getan: Stefan, Aaron, wie auch immer, hat ein Blogpost abgesetzt. Diesmal sind es wieder die Moslems (haben wir da ein kleines persönliches Problem, Herr Koenig?), genauer gesagt: Die Wucht der Koenig’schen Missbilligung trifft diesmal den Iran.

Die Beurteilung des Iran in politischer, soziologischer und historischer Hinsicht ist ein sehr komplexes Thema, das ganze Bibliotheken füllen kann, und es ist müßig, dies in einem begrenzten Kontext wie einem Blogpost auch nur zu versuchen. Fahrlässig ist es, eine derart beschränkte Sichtweise anzuwenden, wie Stefan/Aaron Koenig dies tut. Kaum jemand wird den Iran als Hort der Menschenrechte und der parlamentarischen Demokratie westlichen Zuschnitts bezeichnen, aber wie immer man das Regime einschätzen mag: Das Geschriebene ist mit den Grundsätzen der Piratenpartei, die sich ausdrücklich für die Favorisierung friedlicher, politischer Lösungen ausgesprochen hat, nicht vereinbar, und da wird es dann auch richtig problematisch, denn Herr König bezeichnet seine Posts ja als genau das.

Es möge dieses Zitat, das ein vollständiger Absatz ist, als Beleg dienen:

Ich fürchte, dass die Zeit für Verhandlungen und Kompromisse vorbei ist. Durch gezielte Schläge gegen die iranischen Atomanlagen muss der Westen jetzt den Machthabern in Teheran zeigen, dass wir uns von ihnen nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen. Dies könnte im besten Fall das Regime so schwächen, dass die iranische Freiheitsbewegung es stürzt, so wie im Februar 1979 der Schah gestürzt würde. Dies wäre dem iranischen Volk und dem ganzen Nahen Osten zu wünschen. Hoffentlich besitzt Präsident Obama – der im Gegensatz zu seinem Vorgänger weder Kriegstreiber noch “Kreuzritter” ist – die Stärke, diesen unangenehmen aber notwendigen Schritt durchzusetzen.

(Stefan/Aaron Koenig, Politicool, Zum Jahrestag der Iranischen Diktatur)

Menschlich ist dieses Blogpost verständlich, wenn auch nicht verzeihlich: Es ist ein bisschen wenig los auf Bundesebene wie auch in den meisten Ländern. Wir beschäftigen uns mit dem drögen Bohren dicker Bretter, will sagen: mit inhaltlicher Arbeit. Damit scheint Herr Koenig es nicht so zu haben, und so wirkt es, als wolle er das Defizit der medialen Aufmerksamkeit dadurch ausgleichen, dass er befremdliche Blogposts unters Piraten- und sonstige Volk bringt.

Das ist nichts ungewöhnliches – viele Piraten tun dies. Nur eben auf eine weniger verhaltensauffällige Weise. Für die überwältigende Masse der politisch bloggenden Piraten scheint es kein Problem darzustellen, eine eigene, in der Satzung (noch) nicht verankerte Meinung zu äußern, ohne dass das zu großen Kontroversen führt oder parteischädigend wirkt. Bedenklich ist, dass der oberste Medienkompetenzpirat dazu augenscheinlich nicht willens und/oder imstande ist.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass er ja ob seiner Unfähigkeit, inhaltlich saubere Postings zu verfassen, hoch und heilig zugesichert hat, jedes Blogpost gegenlesen zu lassen (zu finden hier) Ich zitiere:

Als Zeichen meines guten Willens biete ich an, meine Blog-Artikel in Zukunft von der Pressestelle der Piratenpartei gegenlesen zu lassen

Über Twitter laufen gerade Meldungen auf, in denen Mitglieder der Pressestelle verkünden, das neueste Machwerk aus dem Hause König nie gesehen zu haben. Ist der gute Wille etwa schon aufgebraucht?

Was sollte die Partei daraus lernen? Persönlich wäre es mir am liebsten, Herr Politicool würde sich eine andere Spielwiese für seine politische Coolness suchen oder mindestens seinen Posten räumen. Da dies jedoch eine Utopie ist, wünsche ich mir, er würde geräumt werden, und zwar schnell. Und sich, da er als politischer Autor im Sinne der Piratenpartei nicht taugt, ein schönes Hobby suchen, über das er schreiben kann.

Zudem sollte die inhaltliche Arbeit im Vordergrund stehen: Auch wenn es zu früh ist, ausformulierte Positionen zum gesamten Themenspektrum zu erarbeiten, wären ein paar grundsätzliche Aussagen zur Außenpolitik sicherlich hilfreich, um die Löcher zu stopfen, durch die dieser Ideologie-Aal sich leider zu winden versteht.

Aber wahrscheinlich wird es der nächste Bundesparteitag richten müssen, nur dass der innerparteiliche Schaden mit jedem zweifelhaften Post immer größer wird. Aber er wird es richten, da bin ich sicher.

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2 Comments »

  1. [...] Und da besagtes Vorstandsmitglied, trotz nachgewiesener politischer Instinktlosigkeit und dem Bruch seiner Versprechen immer noch nicht die Cojones zeigt, den reichlichen, innerparteilichen Rücktrittsforderungen [...]

    Pingback by In Sachen Aaron Koenig - Feder & Herd — February 11, 2010 @ 5:08 pm

  2. [...] andere Blogger haben sich heut ebenfalls zu diesem Thema geäußert… eine Auswahl: Piraten-Jinx "Politiblöd" Statement "Nur um mal klarzustellen…" Orkpiraten "Beantragt: Beurlaubung des Medienpiraten" [...]

    Pingback by Kann man Menschen (ein)teilen? - Nics BlogHaus — February 11, 2010 @ 10:34 pm

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