Nach der Wahl fielen die Piraten quasi in ein großes Loch: Infostände nur noch sporadisch, die Zeit der bunten Aktionen ist erst mal vorbei, die Aufmerksamkeit der Medien wendet sich dringenderen Themen zu (zum Beispiel der angeblichen Ehekrise von Tiger Woods) und man steht irgendwie im Wald und fragt sich: Was nun?
Ich persönlich begrüße dies durchaus, kann man sich doch endlich mal dem zuwenden, was Parteipolitik ausmachen sollte: der inhaltlichen Arbeit, in die ich mich sehr gerne einbringe, da ich die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit Inhalten als eine meiner Stärken empfinde.
Nun winkt in Hamburg keine Wahl in näherer Zukunft, dafür aber eine Volksabstimmung, nämlich die zur Schulreform. Und das berührt unmittelbar eines der piratischen Kernthemen, nämlich die Bildung, und die ist in Deutschland Ländersache (auch wenn man sich das vielleicht anders wünschen würde).
Schon im Wahlkampf wurde ich öfter gefragt, wie die Piraten zur anstehenden Schulreform in Hamburg stehen, und ich war regelmäßig gezwungen, mit allgemeinem Blabla zu antworten, in dem irgendwo auch die Aussage enthalten war, dass wir keine Aussage zum Thema machen können, da wir keine Position entwickelt hätten. Das geht natürlich gar nicht, siehe Kernthemen, Kompetenzpartei und so.
Daher gibt es jetzt eine AG Schulreform Hamburg (noch nicht abgesegnet, sondern in der Entstehung begriffen), die sich rein dienstleistend versteht: Sie soll die unterschiedlichen Positionen zusammentragen, Gespräche mit Befürwortern und Gegnern führen und die Fakten so aufbereiten, dass die Hamburger Piraten VOR der Volksabstimmung zu einer Position gelangen und eine Wahlempfehlung abgeben können. Ist dies erreicht, ist die Aufgabe der AG beendet, an der Meinungsfindung nehmen die Mitglieder als einfache Piraten teil.
Auch, aber nicht nur aus diesem Grund sind pluralistische Meinungen bei den AG-Mitgliedern ausdrücklich erwünscht; wir wollen neutral und möglichst unvoreingenommen an die Sache herangehen. Daher sind Befürworter, Gegner, Leute, die noch keinen Plan von nichts haben und die, die etwas anderes wollen, ausdrücklich eingeladen, sich an der Arbeit der AG zu beteiligen.
Natürlich gibt es auch eine Wiki-Seite zum Thema, und da bin ich ganz stolz auf mich, denn es ist mir tatsächlich gelungen, eine Seite zu erstellen, die wie eine echte Wiki-Seite aussieht und nicht wie die, die ich bisher verhunzt habe (und die barmherzige Piraten-Samariter still und diskret dem gängigen Layout anpassten, herzlichen Dank hierfür!).


Mit der Schulreform in Hamburg wird es wohl kein schnelles Ende nehmen. Die Diskussion über die Reform ist aber auf jeden Fall interessant und sollte auch in anderen Bundesländern geführt werden.
Comment by Conny Manger — June 16, 2010 @ 9:16 am