Piraten-Jinx

September 14, 2009

Schöner demonstrieren in Berlin

Filed under: Demos, Freiheit statt Angst — Tags: , , , — admin @ 5:37 pm

Samstag war ich mal wieder in Berlin, aber nicht zum Besichtigen, Einkaufen und was man sonst da so tut, sondern zur Demo Freiheit statt Angst.

Initiiert wurde die Demo von der AK Vorrat und anderen überparteilichen Organisationen, die sich für die immer schwieriger werdende Erhaltung von Bürgerrechten einsetzen. Parteien waren als Teilnehmer ebenfalls zugelassen.

Die Auftaktkundgebung fand auf dem Potsdamer Platz statt, der gleichzeitig Start- und Endpunkt des Demonstrationszuges war.

Wie auch immer. vor dem Demonstrationszug kommt immer die Kundgebung und das Sich-die-Beine-in-den Bauch-stehen. Zu Wort kamen parteilose Redner der Gewerkschaften und Bürgerrechtsorganisationen.

Leider kann man bei manchen der Pressefotos leicht den Eindruck bekommen, dass nur ein paar Leute da waren, aber dem war nicht so: Der Potsamer Platz bei der Auftaktkundgebung:

Und das ist nur ein Teil der Leute, es waren zu viele, als dass ich sie von meinem Standpunkt aus aufnehmen konnte.

Der Potsdamer Platz war nämlich zu klein für alle.

Man sah sehr viel Orange an diesem Tag, es gab unglaublich viele Piraten-Schwenk-und-Winkelelemente (man sollte sich der Beamtensprache auch mal annehmen, fällt mir ein), und nicht nur mir erschien es, als wäre Orange die dominierende Farbe des Tages gewesen.

Die Piraten, genauer gesagt der Landesverband Niedersachsen, hatten sich ein Flaggschiff an Land gezogen: einen echten Love-Parade-Truck , der nebst Techno-DJ im Demonstrationszug mitfuhr. Der Truck war von der Marke “Größer geht nich”, doppelstöckig und 25 Meter lang.  Mir war es tatsächlich gelungen, einen Platz auf diesem Truck zu ergattern, über den Hamburger Landesverband.

Ich muss schon sagen, die Aktion mit dem Truck hatte etwas Maßloses an sich, vor allem war sie eine Demonstration für sich: Nämlich dass man beim Demonstrieren auch Spaß haben kann, sowohl auf, als auch neben dem Truck, oder als Zuschauer. Ich weiß, dass nicht alle Menschen, die für ernste Anliegen auf die Straße gehen, das auch so sehen, und es wird Wasser auf die Mühlen derer sein, die die Piraten als Spaßpartei abqualifizieren. Da wird es doch Zeit, zu beweisen, dass Ernsthaftigkeit nicht automatisch mit Freudlosigkeit einhergehen muss.

Dieses und das nächste Bild wurden mir freundlicherweise von einem Leser zur Verfügung gestellt, der anonym bleiben möchte. Die Rechte an diesen Bildern liegen also nicht bei mir, die Genehmigung zur Veröffentlichung allerdings schon, ebenso natürlich wie die Kontaktdaten des edlen Spenders.

Den Truck kann man durchaus als eine Art Charmeoffensive betrachten, denn er war sehr laut, sehr lustig und auch sehr maßlos – und bei den Zuschauern kam er gut an – ebenso wie bei den Mitfahrern.

Zumindest bei dieser Demo war der Bundestag im Reichstag nicht das Ziel (Bannmeile!), aber man konnte ihn zumindest sehen. ;)

Jens Seipenbusch, der Käpt’n (natürlich auf dem Flaggschiff – äh – Truck).

Hamburger waren auch da.

Am Holocaust-Mahnmal vorbei

Es hat schon was, unter den Linden entlangzuraven. ;)

Menschen, Menschen, Menschen – so weit das Auge reicht.

Abschlusskundgebung (wieder am Potsdamer Platz) mit Rednern, Musik und Datenkrake (vorne in der Menge).

Meine Bilder sind leider etwas einseitig, was daran liegt, dass man nicht überall zugleich sein kann – es waren von den Parteien noch Bündnis90/die Grünen, die Linke, die JuSos und die FDP vertreten. Doch die bekam ich einfach nicht ins Bild, so viele Menschen waren dort. Vor allem waren viele parteilose Leute da, die für die unterschiedlichen Bürgerrechtsbewegungen (Ak Vorrat, AK Zensur, Humanistische Union etc.) demonstrierten, natürlich auch der Chaso Computer Club und auch solche, die einfach der Sache wegen mitkamen.

Es war alles in allem eine sehr beeindruckende, friedliche Demo – die leider allerdings nicht ohne Zwischenfälle ablief.

Tja, in diesen Zeiten funktioniert die Überwachung nicht nur in eine Richtung, aber wir sind besser, was die virale Verbreitung angeht. Man könnte auch sagen: Wir überwachen zurück.

Befremdlich fand ich die Berichterstattung, wie sie die klassischen Medien der Republik ihrem Publikum darboten. Viele Sender berichteten sehr kurz, mit sehr wenigen, zumeist piratenfreien Bildern, und auch manche Online-Dienste schienen z. B. die Demonstrationen gegen die Gesundheitsreform in den USA für wichtiger zu erachten. Na, wir haben ja Blogs und die virale Verbreitung. ;)

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