Piraten-Jinx

March 13, 2010

Das Abenteuer “Piratinnen” ist vorbei

Filed under: Piraten, Vollpfosten — admin @ 9:34 pm

Ich habe mich ja in der neu gegründeten Piratinnen-Mailingliste eingetragen, weil ich aus erster Hand und abseits von Kommentaren Außenstehender erfahren wollte, was nun eigentlich los ist. Ich gebe freimütig zu, dass das Problem, sich als Frau in der Piratenpartei unterdrückt, nicht oder falsch wahrgenommen oder nicht ernst genug genommen zu werden, nie meins war oder ist, aber dass ich ein Problem nicht kenne, bedeutet ja nicht, dass es nicht da ist.

Es waren turbulente Zeiten mit Lena, den Piratinnen, den angeblichen Schutzräumen und der Liste, und für mich sind sie – Goth sei dank – vorbei. Es war schon anstrengend, diese unzähligen Wall of Texts zu lesen, diese endlosen Statements, Berichte, was weiß ich nicht alles – zu verfolgen. Ich bin nach all dem zu dem Schluss gekommen, dass die Piratenpartei vielleicht eine Genderdebatte braucht, aber nicht so, nicht auf diesem Wege und auch nicht mit diesen Argumenten. Ich habe mich wirklich bemüht, abseits der Bezeichnungsdebatte (ob man die Satzung in Piratinnen und Piraten, PiratInnen, Pirat_innen, Piratenwieundwasauchimmer ändern soll) eine allgemeine Problematik zu entdecken, die vertretungswürdig ist, und ich bin gescheitert.

Das soll nicht heißen, dass ich diese spezielle Debatte für sinnlos halte, denn wenn da ein Bedarf besteht (was offensichtlich der Fall ist), dann sind Männer nicht die geeignete Instanz, um die Bedürfnisse von Frauen zu definieren. Persönlich würde ich mir wünschen, dass Frauen, die dieses Anliegen vertreten, dies auf logische, sachliche Weise tun, und das, ohne sich lächerlich zu machen, wenn möglich. Hier wäre es interessant, herauszufinden, wie viele der weiblichen Parteimitglieder tatsächlich eine weibliche Bezeichnung wünschen – auch hier kann Liquid Feedback vielleicht gute Dienste leisten.

Natürlich gab es persönliche Berichte, die, wenn das Beschriebene so stattgefunden hat, wovon ich hier mal ausgehe, etwas beschreiben, was gar nicht geht, aber dies sind persönliche Probleme, die auch nur auf der persönlichen Ebene zu lösen sind, aber nicht durch Satzungsänderungen und ähnliches. Denn vor einzelnen Deppen und Ärschen schützt leider keine Satzungsänderung, denn die gibt es überall. Bei den Diskussionen fühlte ich mich in eine Gesellschaft versetzt, der ich nicht angehören möchte, da sie mir zu gestrig ist und nicht meiner Lebenswelt entspricht.

Nie war man – was das Geschlecht angeht – so flexibel wie heute. War in früheren Zeiten – bis weit ins 20. Jahrhundert hinein  – das Geschlecht neben den biologischen Gegebenheiten vor allem durch von der Gesellschaft erwarteten Verhaltensweisen geprägt, die unmittelbar auf die weiblichen Lebensentwürfe einwirkten, so sind die Grenzen heute fließend geworden, und Frauen haben es leichter als Männer, diese veränderten Lebensentwürfe für sich zu entdecken und auszufüllen. Heute ist alles, was über die biologischen Merkmale herausragt, verhandelbar und individuell, auch abseits der sexuellen Orientierung. Bei den Piraten haben sich meiner Beobachtung nach viele Frauen eingefunden, die sich nicht durch die Gesellschaft, das Umfeld oder die Modebranche diktieren lassen wollen, wie “Weiblichkeit” auszusehen hat, sondern sie definieren sie für sich und weisen alle, die ihnen eine bestimmte Auffassung von Weiblichkeit aufzwängen wollen, zurück (übrigens wurde ich nie so sehr mit den Vorstellungen anderer, wie Weiblichkeit sich zu gestalten hätte, konfrontiert wie in sogenannten “feministischen” Kreisen). Bei den Piraten finden sie anscheinend genügend Offenheit für ihre Konzepte, zumindest entspricht das meiner Erfahrung.

Nicht nur mir stieß der PR-Coup der Initiatorin mittels einer irreführenden Pressemitteilung sauer auf, die dazu führte, dass nun alle Welt von den angeblich so frauenfeindlichen Piraten berichtet, während die wirklich wichtigen Dinge, die an den Piraten neu und aufregend sind, ihr Verständnis von Basisdemokratie und Politik von allen für alle, zu Unrecht in der Versenkung verschwinden. Zu diesem Thema gibt es einen sehr lesenswerten Artikel.

Leider übersieht die Presse, dass die Diskussionen nach dem ersten großen Aufriss eher flach dahindümpeln und eher als wort-, denn als inhaltsreich zu bezeichnen sind. Größtenteils finde ich die ganze Angelegenheit jedenfalls so flach, dass ich da nicht mal mehr lesende Teilnehmerin sein möchte. Für mich war es das jedenfalls mit diesen Piratinnen.

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March 4, 2010

Ich bin selten so beleidigt worden …

Filed under: Piraten, Vollpfosten — admin @ 2:25 pm

… denn man hat mir unterstellt, mich in der neuen Piratinnen-Mailingliste eingetragen zu haben, obwohl ich ein Mann sei, was nicht gewünscht ist.  Es ficht die betreffende Dame auch nicht an, dass ich meine beiden Blogs angegeben habe, beide mit Impressum, beide bei Denic registriert. Und auch nicht, dass ich im Wiki der Piratenpartei meinen vollen Realname verwende. Aber wir wollen uns da anscheinend mit so etwas Lästigem wie Fakten nicht belasten.

Abgesehen von der Marginalie, dass ich kein Mann bin und auch keiner sein möchte, was mich an sich nicht beleidigt, finde ich es unsäglich, dass mir unterstellt wird, mich mit einer falschen Identität nebst gefakter E-Mail-Adresse irgendwo einzuschreiben, um eine Mitleserschaft zu erschleichen. Das war nie meine Art, und das wird auch nie meine Art sein. Es verrät allerdings einiges über die, die eine solche Verdächtigung in einer Mailingliste, für alle lesbar, äußert. Da dort ja ein Schutzraum sein sollte, wie wäre es mit einem, der in ihrem LV namens- und gesichtsbekannte Piraten vor der Paranoia weiblicher Piraten mit Problemen schützt? Meine Meinung mag nicht populär sein, aber sie war ehrlich geäußert, und letztendlich kann ich nur mit dem argumentieren, was dort mitgeteilt wird.

Die Dame warf mir mehrere Ungeheuerlichkeiten vor, die aus dem, was ich schrieb, nicht zu entnehmen waren, für alle Mitglieder lesbar, und wies mich an, ihr privat zu antworten oder im Forum, da sie die Liste nicht weiter vergiften lassen will. Abgesehen davon, dass ihr eigenes Gift in Form einer veritablen Verleumdnung anscheinend nicht so das Problem zu sein scheint. Nun ist meine Antwort auf die Mail nicht erschienen, da ich (oder alle, so genau konnte man das nicht erkennen) auf moderiert gesetzt bin, das heißt, man nimmt mir sogar die Möglichkeit, mich zu verteidigen. So nicht, meine Damen. Wenn das die Vorstellung von Schutzraum sein soll …

Ich hatte mich in der Liste eingetragen, weil mich interessiert, was genau das Problem ist und auch, weil ich an sich dafür offen war, selbiges in meinem Landesverband zu vertreten, auch wenn es nicht meines ist. Doch bisher wurde dort nichts Vertretungswürdiges geäußert, weil alles viel zu vage war, reine Einzelmeinungen geäußert wurden und ein “wir” bemüht wurde, das nicht belegbar ist. Dafür ist es mit der Akzeptanz konträrer Meinungen nicht so weit her, stattdessen wären eher hellseherische Fähigkeiten gefragt, um die vernebelten Erfahrungsberichte der ganz vagen Art zu etwas zu machen, was auch nur ansatzweise verwendbar wäre.

Das Problem, dass Zurückhaltende nicht gehört werden, ist übrigens kein weibliches. So gibt es Piraten, die mir gesichtsbekannt sind, von denen ich aber keine Ahnung habe, welche Meinungen sie vertreten, da sie diese nicht äußern. Nur dass die keine irreführenden Pressemitteilungen herausgeben und dies auch noch für völlig o. k. halten. Aber hauptsache, wir durften mal mit der Presse sprechen, nicht wahr?

Wie auch immer, mein weiblicher Verstand sagt mir, dass ich lieber mal wieder was ordentliches Inhaltliches mache, als mit diesem Getue (Wortwahl nach eigener Anschauung) weiterhin meine Zeit zu verschwenden. Eine derart unpiratige Verhaltensweise verdient einfach keine Aufmerksamkeit.

Ergänzung: Der Gerechtigkeit halber muss ich mitteilen, dass mein Post inzwischen freigeschaltet wurde, ob als Reaktion auf diesen Beitrag vermag ich nicht zu sagen.

Ergänzung2: Besagte Dame hat sich mittlerweile via Mailingliste entschuldigt, was ich annehme.

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March 2, 2010

Tschüss, Vorratsdatenspeicherung

Filed under: Grund- und Bürgerrechte, Piraten — Tags: — admin @ 8:49 pm

Das Bundesverfassungsgericht hat die Vorratsdatenspeicherung in der bisherigen Form gekippt (siehe heise online). Auch wenn dies nur ein Etappensieg für AK Vorrat, den CCC, die Piratenpartei und die vielen Organisationen und Privatleuten, die sich gegen dieses Gesetz engagiert haben, ist, stellt es doch ein richtungsweisendes Urteil dar.

Praktisch bedeutet dies, dass ab sofort keine Daten auf Verdacht mehr erhoben werden dürfen und dass bisher auf diesem Wege gesammelte Daten vernichtet werden müssen und z. B. vor Gericht als Beweis nicht mehr zulässig sind. Das Urteil hat jedoch eine tiefere Dimension.

Es bedeutet nämlich, dass der Staat seine Bürger nicht mehr unter Generalverdacht stellen darf, während er ungeniert Vertrauen einfordert. Es stellt die Unantastbarkeit der Privatsphäre endlich wieder über blinden Aktionismus von Politik und Gesetzgebung, die glauben, sich im Namen der Terrorbekämpfung alles erlauben zu können, über die Köpfe besorgter Bürger hinweg.

Das Gericht formulierte zudem auf ziemlich gnadenlose Weise, dass das Gesetz in der bisherigen Form dem Missbrauch Tor und Tür öffnete, was die Politik selbstverständlich verneinte. Es erspart den Bürgern, sich die Hysterie und den planlosen Aktionismus der Politik gezwungenermaßen zu eigen machen zu müssen. Da muss das Bundesverfassungsgericht als letztes Bollwerk der Bürgerrechte und der Vernunft gelten. Und das macht Hoffnung.

Wie die Nachbesserung, die kaum lange auf sich warten lassen wird, aussieht, bleibt abzuwarten. Dennoch kann man sagen, dass wir gewonnen haben, nicht nur die, die sich gegen dieses unsägliche “Jeder-ist-verdächtig-und-wir-kriegen-sie-alle”-Gesetz stark gemacht haben, sondern auch die Bürger selbst.

Dem Urteil dürfte eine öffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden, von dem die Gegner des Gesetzes nur träumen konnten. Daher bleibt zu hoffen, dass die Problematik eines Staates mit Allwissenheitsphantasien nun stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung eindringt und die “Ich-habe-doch-nichts-zu-verbergen”-Mentalität ablöst.

Wir alle haben gewonnen, zumindest vorerst.

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