Als ich auf Spiegel Online diesen Artikel las, fragte ich mich, ob Staatshilfen nun zur Standardoption für krisengeschüttelte Branchen werden sollen, sogar für die, die unabhängig von dem Ungemach der weltweiten Wirtschaftskrise in die Bredouille gerieten.
Die Krise der Zeitungen ist hausgemacht; ich bin sicher, dass in der Bevölkerung in dieser Zeit der gezielten massenmedialen Desinformation, in der jeder über Ehekrisen und Seitensprünge von Supersportlern (ehrlich, wen interessiert’s?) informiert ist, aber nur wenige das Swift-Abkommen überhaupt kennen, mehr denn je ein Bedarf an seriös und sorgfältig aufbereiteten Nachrichten besteht. Ich glaube also nicht, dass eine gesunkene Nachfrage nach echter Information Problem ist, sondern der Wunsch der Zeitungsverlage, alles haben zu wollen.
Man wünscht sich nach wie vor den Zeitungsleser, der morgens am Frühstückstisch die Ausgabe seines Leib- und Magenblattes durcharbeitet, will aber auch bei Google an erster Stelle stehen, wenn bestimmte Suchworte eingegeben werden. Daher gibt es auch die mehr oder weniger schlampig aufbereiteten Online-Auftritte der überregionalen (und vieler kleinerer) Zeitungen, wo man zumindest ausschnittweise das Tagesgeschehen frei Bildschirm geliefert bekommt. Bei vielen ist dieses Online-Angebot nicht unbedingt ein Aushängeschild, was seriösen Journalismus sowie handwerkliche Qualität angeht (schon mal was von Korrekturlesen gehört?). Bei der Online-Lektüre ergeben sich also zwei Probleme: Warum kaufen, was man eh umsonst haben kann (ah, das Google-Ranking!) und warum für etwas zahlen, das so schlecht gemacht ist.
Hinzu kommt, dass kaum jemand wirklich eine Zeitung von der ersten bis zur letzten Seite liest; fast jeder hat seine Schwerpunkte und Interessensgebiete. Da man sich – wenn man sich etwas Mühe gibt – im Internet auch in der Tagespresse kundig machen kann, wird man darauf verzichten, einzelne Zeitungen zu kaufen.
Auch auf diesem Gebiet wird wieder mal die aktuelle Entwicklung verschlafen, die sich nicht zurückdrehen lässt, auch wenn die Zeitungsverleger das doof finden mögen. Anstelle sich über Alternativen Gedanken zu machen, schreit man nach dem Papi-Staat, damit der ein Taschengeld auszahle, mal wieder mit den Arbeitnehmern als Geiseln. Hatten wir schon mal, funktioniert nicht auf nachhaltige Weise. Natürlich wird die Politik sich breitschlagen lassen und Geld in ein sterbendes Vertriebs- und Geschäftsmodell pumpen, denn sonst werden die Geiseln, äh, die Arbeitnehmer ja erschossen entlassen, doch dies wird den Niedergang nicht aufhalten können, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Ich darf mich rühmen, durchaus über etwas Branchenkenntnise zu verfügen; und mir fallen auf Anhieb mehrer Möglichkeiten ein, wie man dem Leser zu seinem Qualitätsjournalismus und den Zeitungen zu ihren Lesern verhelfen kann. Ehrlich. Es ist ganz einfach, und es gibt mehr als eine Möglichkeit, und alles ist durch selbständiges Denken herauszufinden.
Die Lösung ist nämlich nicht die Boulevardisierung der seriöseren Blätter (den Scheiß hat man im Fernsehen schon bis zum Abwinken) oder das Nachtuten von dem, was Lobbyisten gerne lesen. Und Staatshilfen können es auch nicht sein, da möchte ich anregen ,das Geld doch eher zu verbrennen. Das bringt zwar auch nichts, ist aber irgendwie lustiger.
Liebe Zeitungsverleger, Ihr könnt nicht alles haben: Leute, die für Inhalte zahlen UND bei den Suchmaschinen weit oben landen, Qualität und Popul- bzw. Lobbyismus. Hört auf, uns die Ohren vollzuweinen und findet die Lösungen, die Eure Kernkompetenz (nein, nicht die Brustvergrößerung von X und auch nicht das Fremdgehen von Y), nämlich die seriöse Information der Bürger in ein neues Zeitalter überführt. Es ist noch nicht zu spät, Ihr müsst das Pferd nicht zu Tode reiten. Ihr habt die Wahl, wählt also mit Verstand.

