Piraten-Jinx

September 30, 2009

Was wirklich wichtig ist

Filed under: Piraten — Tags: , , — admin @ 5:07 pm

Tja, in Hamburg steht ein Landesparteitag der Piratenpartei an, und somit auch die Neuwahl des Vorstands. Ich wurde sowohl als Beisitzer als auch für den Vorstandsvorsitz nominiert, habe dann mit einem Nominierten für den Vizevorsitz die Plätze getauscht und vor allem sehr viel nachgedacht. Über die Piraten, die hoffen, ich würde kandidieren, über die Aufgaben, die mich erwarteten, über die inhaltliche Arbeit, die mir so sehr am Herzen liegt, über Für und Wider und vor allem, über das, was andere wollen und das, was ich selbst will.

Wenn ich kandidiere und gewählt würde, könnte ich größeren Einfluss nehmen, administrativ mitgestalten, stünde im Vordergrund, hätte wahrscheinlich viele Termine wahrzunehmen und wäre wohl für die Partei irgendwie wichtiger, als ich es heute bin.

Lehne ich die Kandidatur ab, könnte ich mich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren, mich auch anderen Projekten widmen, hätte mehr Zeit für Herrn Jinx und dinge, die mich sonst noch interessieren.

Ich habe also lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich dieses Brett nicht bohren werde, sozusagen, da es zwar dröge, aber nicht dick genug ist. Ich werde also inhaltlich arbeiten, dem Presseteam vollständig erhalten bleiben und meine Freizeit auch für andere Dinge reservieren, als da sind: mein Privatleben, die Volkshochschulkurse, die ich abhalten soll, meine Hobbies.

Und ich werde dem intriganten Schmierlappen, den sich die Hamburger Piraten leider nicht nur zur Belustigung halten, in aller Deutlichkeit sagen können, dass er mich kreuzweise kann, wenn er mich wieder zuseibelt, ohne mich fragen zu müssen, ob das so angemessen ist, wenn man ja kandidieren möchte.

Es ist eine Entscheidung, die mich wieder in Einklang mit mir selbst gebracht hat, und das ist, was wirklich zählt.

Und ja, es ist eine egoistische (vielleicht sogar ein bisschen hedonistische) Entscheidung, keine altruistische. Aber, boah, fühlt sich das gut an. The best things in life are free.

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September 28, 2009

Das Volk hat gewählt …

Filed under: Piraten, Wahlen — Tags: , — admin @ 12:29 pm

… und die Piraten können mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein. 2% bundesweit ist eine stolze Leistung, und das Wahlergebnis, auch wenn der Gedanke an eine dauergrinsende Westerwelle und eine enorme pastellfarbene Polohemdendichte für die nächsten vier Jahre einfach gruselig ist, zeigt doch deutlich, dass es gelungen ist, Themen wie Bürgerrechte und Privatsphäre wieder ins Blickfeld der Wähler zu rücken. Man wünscht sich eine liberalere Politik anstelle einer unsichtbaren SPD.

Auf einen anstrengenden, großartigen, engagierten Wahlkampf der Piraten folgt nun die Arbeit an den Inhalten, die umso wichtiger ist, als viele Bürger an den Infoständen zwar ihre starke Sympathie für die PIRATEN bekundeten, aber auch das eingeschränkte Themenspektrum bemängelten.

Daneben muss der Mitgliederansturm strukturell bewältigt werden, neue Mitglieder müssen eingebunden werden in die politische Arbeit, Themen wollen erörtert und erarbeitet werden, kurz gesagt: Es gibt viel zu tun, und ich freue mich auf die substanzielle Arbeit, die in der nächsten Zeit auf uns zukommen wird.

Und, ach ja, das Wahlergebnis: Viele hatten sich etwas anderes gewünscht oder erhofft, aber ich setze da ganz auf die FDP, die immer dann, wenn es ans Regieren und die entsprechenden Posten geht, so ziemlich alles unterschreibt, was man ihr vorlegt. Die PIRATEN werden also nicht überflüssig werden, ganz im Gegenteil. Wir freuen uns auch auf viele gelungene Steilvorlagen. Denn die FDP hat gerade auf Bundes- und Landesebene schon lange nicht mehr gehalten, was sie vor den Wahlen versprach.

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September 25, 2009

Virales gegen den Sicherheitsstaat

Filed under: Piraten, Virales, Wahlkampf — Tags: , , — admin @ 1:22 pm

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Wahlkampf-Endspurt, oder: Die letzten Mohikaner

Filed under: Hamburg, Piraten, Wahlkampf — Tags: , — admin @ 1:24 am

stand1

Morgen ist der letzte Wahlkampftag, und, offen gesagt, ich bin froh darüber. Obwohl ich nicht so oft am Stand bin wie andere, treibt mich das Pflichtgefühl, und langsam denke ich, dass meine Füße dabei sind, eine runde, zehenlose Form anzunehmen, sobald ich meine Schuhe ausziehe. Aber das macht nichts, denn “Leuchtturmaktionen” sind zwar gut und schön, aber es ist die Straße und die Gespräche mit den Wählern dort, die die Leute überzeugen, nicht das Schwenken von Fahnen oder symbolische Aktionen, auch wenn diese attraktiver sind, sowohl für die Presse als auch für die, die sie ausführen.

Gestern waren wir in Hamburg Altona, und wir haben Verstärkung bekommen: Jens Seipenbusch war am Stand, und das war immerhin so interessant, dass ein Team der Mopo (Hamburger Morgenpost) seinen Weg zu uns an den Stand fand. Es waren viele Piraten da, und die Resonanz war sehr gut, was auch dem außerordentlich günstigen Standort geschuldet ist, denn in Ottensen sitzen unsere Wähler.

Jens Seipenbusch wurde natürlich interviewt, führte jedoch auch Gespräche mit Wählern (und das äußerst professionell) sowie mit den Piraten vor Ort. Man würde ihn gerne öfter ausleihen … auch wenn wir einen Themen- und keinen Personenwahlkampf führen. Herzlichen Dank jedenfalls für’s Kommen!

Straßenwahlkampf ist anstrengend, manchmal nervig, aber lohnend: Man erkennt am ehesten, wie die Wähler ticken, die nicht im Internet unterwegs ist und ihre Fragen dort stellen. So kommt immer wieder die Frage nach Jörg Tauss auf (Unschuldsvermutung, Unschuldsvermutung, Unschuldsvermutung), aber auch nach Bildung (freier Bildungszugang und gleiche Chancen für alle) oder Überwachung (ehrlich, der Halbsatz “ich habe nichts zu verbergen” löst bei mir langsam Aggressionen aus …) sind immer wiederkehrende Themen. So kräftezehrend der Straßenwahlkampf ist, so lohnend und wichtig ist er auch.

Trotzdem freue ich mich auf die Zeit nach der Wahl, wenn das Medieninteresse abebbt, das Telefon nicht mehr dauernd klingelt und man sich die Beine nicht mehr in den Bauch steht. Fast sehne ich die manchmal dröge, organisatorische Arbeit herbei, die zwangsläufig auf den Wahlkampf folgen wird.

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Na denn: Guten Appetit!

Filed under: Piraten, Virales, Wahlkampf — Tags: , , — admin @ 12:37 am

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September 21, 2009

Das Ministerium für die Wissens- und Informationsgesellschaft und die blöde Basis

Filed under: Piraten, Programmatisches, Skandale — Tags: , — admin @ 10:16 am

Vor ein paar Tagen verstörte eine Meldung auf der Homepage der Piratenpartei Deutschland die Basis, die bis dahin vor allem mit dem Wahlkampf beschäftigt war (der vollständige Text findet sich hier). Neben dem sperrigen Titel, der langatmigen und inhaltsarmen PM (ein leidiges Problem) verstörte das Parteivolk vor allem, dass man von einer Forderung nach einem neuen Ministerium für die neue Zeit des Informations- und Wissenszeitalter noch gar nichts gewusst hatte. Der Beschluss, ein solches zu fordern, war mit der Basis nicht abgestimmt worden. Und die Basis reagierte mit einer gewissen Grätigkeit, was sie immer tut, wenn sie sich übergangen fühlt in dieser Partei, in der Basisdemokratie alles und wirrer Autokratismus gar nichts ist.

Die Diskussionen kochten hoch – in den Landesverbänden, von denen der Hamburger sogar eine kleine Anfrage stellte, im Forum, auf den Mailinglisten … überall herrschte Empörung über diese Eigenmächtigkeit, die inhaltlich zudem von vielen als unsinning angesehen wurde. Die Beschwichtigungsversuche blieben halbherzig und wurden teilweise als arrogant empfunden. Schließlich beschlossen diese nervigen Typen von der Basis gar, die Pressekonferenz zu entern, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.

Nun braucht die Piratenpartei diese Aktion so kurz vor der Wahl so nötig wie ein Durchschnittsmensch ein Loch im Kopf, und dass der Vorstand zurückruderte und sich die Kritik der mangelnden Transparenz (haha!) zu Eigen machte, ist wohl leider weniger einer späten Einsicht geschuldet als dem Druck der lästigen Basis (die Typen nehmen das ernst mit der Basisdemokratie!).

Nun stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte. Jeder wird anerkennen, dass der Vorstand die Kunst des Spagats zwischen Basisdemokratie und Handlungsfähigkeit beherrschen muss, was nicht immer einfach ist und auch nicht immer gelingen mag. Doch warum gelingt es dem BV so wenig, während es in den meisten Landesverbänden dieses Problem anscheinend nicht gibt, zumindest nicht in diesem Maße? Der Ruf nach mehr Transparenz wurde nämlich schon fast zum weißen Rauschen in den Diskussionsmedien der Piraten – so sehr, dass man ihn vielleicht gar nicht mehr wahrnimmt.

Als der momentane Vorstand beim diesjährigend Bundesparteitag (im Juni in Hamburg) gewählt worden war, war aus einer Parteienminiatur auf einmal eine veritable Kleinpartei gewonnen, deren Mitgliederzahl sich in kürzester Zeit verdreifacht hatte (damaliger Sachstand natürlich). Wir Neumitglieder standen also vor der Situation, Leute wählen zu müssen, die uns vertreten sollten, und die wir überhaupt nicht so richtig kannten. Es waren zumeist Altmitglieder, die in der kurzen Geschichte der Partei verschiedene Posten auf Bundes- und Landesebene innehatten. Man merkte dem Stimmvieh dem Wahlvolk deutlich eine gewisse Ratlosigkeit an, denn viele wirkten nicht sehr überzeugt von dem, was sie da sahen und hörten. Doch verständlicherweise wollte sich kaum jemand mit einer Kurzzeitmitgliedschaft selbst zur Wahl stellen. Also musste man mit den Typen vorlieb nehmen, die eben da waren. Man sortierte die ärgsten Schwafelköppe (oder die, die man sehr unsympathisch fand) aus und wählte, was übrig war, hätte aber auch eine Münze werfen können. Und nun steht der BV nicht mehr einer kuschligen Kleinstgemeinde vor, sondern einer vitalen Basis, die eben auch wegen der Basisidemokratie bei den Piraten eingetreten war – und die viel Kompetenz mitbringt.

Wie auch immer, der nächste Parteitag kommt bestimmt, die Basis hat auch dann einen Änderhaken – und ich denke, sie wird ihn auch benutzen, um sich von größenwahnsinnigen Plänen, enigmatischen Entscheidungen und Intransparenz zu befreien.

Where is our vote, Bundesvorstand?

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September 18, 2009

Alles Yeah, nix Merkel

Filed under: Guerilla-Aktionen, Piraten — admin @ 8:36 pm

Flashmob in Hamburg anlässlich des Besuchs von Angela Merkel.

Hier ist der Auslöser zu besichtigen.

Und nun die Anweisung:

Und dies war das Ergebnis:

YEEEAH!

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Die Unfreiheit mit der Jungen Freiheit

Filed under: Piraten, Pressearbeit, Skandale — Tags: , , — admin @ 2:06 pm

Eigentlich wollte ich darüber nicht auch noch schreiben, und nun tu ich’s doch: Das Interview von Andi Popp mit der Jungen Freiheit, der Fragebogen, den Jens Seipenbusch ausgefüllt hat und die Reaktionen darauf. Wobei in den Medien regelmäßig verabsäumt wird, zu erwähnen, dass sowohl Seipenbusch als auch Popp inhaltlich nichts geäußert haben, was mit den Grundsätzen der Piratenpartei nicht in Einklang zu bringen wäre, und Popp hat sich sogar deutlich von rechten Bewegungen distanziert (dass Jens Seipenbusch dies nicht tat, lag daran, dass der Fragebogen keine entsprechenden Fragen enthielt). Wer selbst nachliest, anstatt nur nachzututen, was die Medien und die sogenannten A-Blogger ihm vorkauen, wird feststellen: An beiden Äußerungen ist inhaltlich nichts, aber auch gar nichts zu beanstanden. Wenn die Piraten durch diese Interviews unwählbar werden, dann sollte das auch für die anderen demokratischen Parteien gelten, deren Vertreter sich in dieser Zeitung ebenfalls äußerten.

Zunächst muss man feststellen, dass die Junge Freiheit nicht der Völkische Beobachter ist, auch wenn man, so man sich durch die zahllosen Reaktionen kämpft, was als Mitglied der Hamburger Presseabteilung bedauerlicherweise zu meinen Aufgaben gehört, zu einem anderen Schluss kommen könnte. Kurz gesagt: Das Blatt ist nicht verboten. Das allein ist kein Maßstab, denn das ist die National-Zeitung auch nicht, aber im Gegensatz zu der letztgenannten Postille, mit der hoffentlich niemals ein Pirat wird reden wollen, kann die Junge Freiheit auf eine stattliche Anzahl von renommierten Interviewpartnern  auch aus dem nicht-neu-rechts-konservativen Spektrum verweisen und tut das auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit – man ist also bereit, anderen Meinungen dort eine Stimme zu geben, aus welchen Gründen auch immer.

Ob man mit der Jungen Freiheit nun unbedingt reden muss, ist jedoch eine andere Frage. Das Hamburger Presseteam erhielt die Mail mit der ach so wahnsinnig dringenden Interviewanfrage schon vor ein paar Wochen (wir kommunizieren nämlich mit unserem Vorstand und bekommen jede Presseanfrage zunächst übersandt, bevor ein Interviewpartner gefunden wird, wie es üblich ist, von wegen Professionalität und so …). Wir besprachen uns und entschieden, diese Anfrage nicht zu beantworten, da wir als Hamburger Piraten (bzw. korrekterweise: die infrage kommenden Interviewpartner) in diesem Blatt nicht erscheinen und damit nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Die Entscheidung, wie mit man einer solchen Anfrage umgeht, obliegt jedoch jedem Landesverband und auch den Bundespiraten selbst – bis die Basis eventuell zu einem Konsens nebst eindeutiger Weisung gefunden hat.

Doch wenn es denn unbedingt sein muss mit dem Interview, dann wäre ein weniger uninformiert wirkender Umgang und weniger Konfusion wünschenswert. Statements wie “tut mir leid, hab ich nicht gewusst” oder die Tatsache, dass das Interview mit Andi Popp an der Presseabteilung vorbei geführt wurde, lassen jedem, der mal irgendwann was mit Pressearbeit im weitesten Sinne zu tun hatte, die Haare zu Berge stehen.

Wer sich für ein Interview mit der Jungen Freiheit entscheidet, sollte wenigstens wissen, was er tut – und mit wem. Das ist mein ganz persönlicher Aufreger an dieser Sache. Bei Jens Seipenbusch war dies wohl der Fall, zudem sind die Fragen derart harmlos, dass sie auch von einem bei der Regenbogenpresse tätigen Reporter hätten stammen können.

Sollte der letzte Satz des heute bei Spiegel Online erschienenen Artikels ein Originalzitat sein, ist meine Toleranz in Bezug auf Merkbefreiung überschritten. Na, wir lernen noch. Und die Pressestelle der Bundespiraten hoffentlich auch. Irgendwann.

Wer das Interview bzw. den Fragebogen selbst nachlesen möchte (was immer zu empfehlen ist), bemühe bitte eine Suchmaschine. Ich behalte mir vor, in meinem Blog die Junge Freiheit nicht verlinken zu wollen. Aber gelesen habe ich beides natürlich, denn es geht nichts über eine eigene, selbständige Meinungsbildung. Falls jemand das jetzt inkonsequent findet: mag sein. Ist aber mein Blog.

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17. September 2009 – Ich opte out

Filed under: Grund- und Bürgerrechte, Guerilla-Aktionen — Tags: , — admin @ 12:07 am

buergeramt

Am 17. September war ja der sogenannte OptOutDay, an dem möglichst viele Piraten und natürlich auch Bürger allgemein die Einwohnermeldeämter entern sollten, um einen kleinen Teil der Hoheit über ihre Daten zurückzuerlangen. Dazu muss man erklären, dass man nicht wünscht, dass Adresse, Geburtsdatum und was da noch so alles steht an irgendwen herausgegeben wird, der kein gesetzlich begründetes Interesse daran hat. Erstaunlicherweise dürfen die Einwohnermeldeämter nämlich, ohne zu fragen, persönliche Daten weiterzugeben, und das auch an Stellen, die das gar nichts angeht und die auch ausgesprochen kommerzielle Interessen verfolgen.

Für das Bürgeramt Eimsbüttel war keine gemeinsame Aktion mit anderen Piraten geplant, und so ging ich nachmittags allein los, um meinem Verlangen Ausdruck zu verleihen, wobei ich erwähnen muss, dass ich die Beamten, die dort arbeiten, stets höflich und hilfsbereit erlebt habe. Ein weiterer Anreiz war, dass ich dort Paternoster fahren kann (und ich liebe Paternoster!).

Ich betrat also die Amtsräume, wo bereits viele Menschen warteten. Niemand war als Pirat erkennbar, und so ging ich zunächst zum Informationsschalter (in Zivil, als freundliche Dame mittleren Alters) und fragte den dort Dienst tuenden Herrn, ob ich hier richtig wäre, um eine Auskunftssperre für meine Daten für alle Nicht-Berechtigten zu veranlassen.

Es war ein nicht unfreundlicher, aber etwas bräsiger Herr, der mich prüfend ansah und dann meinte, dass das so einfach nicht wäre. Daraufhin entspann sich folgender Dialog (durchweg in höflichem Ton, von beiden Seiten und aus dem Gedächtnis wiedergegeben):
Er: Sie können nicht pauschal beantragen, dass niemand Ihre Daten abfordern darf.
Ich: Warum denn nicht? Ich habe doch ein Recht darauf, dass nicht jeder meine Daten abfordern kann, wenn ich das verlange.
Er: Es gibt da Stellen, die das dürfen.
Ich: Das weiß ich, es geht auch nicht um solche, die juristisch dazu befugt sind.
Er: Da wären zum Beispiel die Kirchen, die können Ihre Daten abfordern.
Ich: Ich bin religionslos.
Er: Sind sie verheiratet?
Ich: Äh … nein?
Er: Wenn sie verheiratet wären, und ihr Mann wäre Kirchenmitglied, dann könnte seine Kirche auch Ihre Daten einholen.

Ich beschloss, diese Diskussion nicht weiterzuführen und stattdessen den Mann zu Hause darauf hinzuweisen, dass es recht praktisch wäre, wenn er vorher aus der Kirche austritt, denn der Zusammenhang zwischen einer zivilrechtlichen Eheschließung und der Kirchenmitgliedschaft eines der Ehepartner erschließt sich mir auch nach einigem Nachdenken nicht.

Er: Oder wenn Sie jemandem Geld schulden.
Ich: Es geht nicht um die, die juristisch befugt sind, oder genügt es, einfach zu behaupten, dass man jemandem Geld schuldet?
Er: Sie klären das am besten mit dem zuständigen Sachbearbeiter. Ziehen Sie erst mal eine Nummer.

Das tat ich dann, und während der (nicht zu langen) Wartezeit vertrieb ich mir die Zeit damit, aus dieser Nummer ein Schiffchen zu falten, bis ich aufgerufen wurde.

Die Sachbearbeiterin, eine jüngere, sehr freundliche Dame, ließ sich meinen Perso zeigen, fragte dann kurz die relevanten Stellen ab: Kirche? Nee. Parteien und Organisationen? Nein. Adressverzeichnisse? Nein. Internetabfragen? Bitte auch nicht. Sie klickte die entsprechenden Stellen mit der Maus an, zeigte mir den Bildschirm. Ich fragte, ob ich noch etwas unterschreiben müsse, was sie verneinte, da man das in Hamburg per Computer erledigt. Dann wünschte sie mir freundlich einen schönen Tag.

Es ist eben doch ganz einfach. Vielleicht sollten manche der Leute da mal zur Nachschulung.

Falls jemand heute keine Zeit hatte oder aus anderen Gründen nicht an der Aktion teilnehmen konnte, macht das nichts. Every day can be your OptOutDay.

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September 17, 2009

Ach, dieses Genderding

Filed under: Piraten, Sonstiges — Tags: , — admin @ 1:51 pm

Vor ein paar Tagen ging es mal wieder rund im Internet. Der Grund war dieser Blogpost der Feministin Antje Schrupp. Und ich bekenne mich schuldig: Ich bin in den Ring gestiegen, denn es war mal wieder stärker als ich.

Ich muss gestehen, ich fand den Inhalt des Beitrags befremdlich, denn es ist zwar hochinteressant, dass Frau Schrupp selbständig eine eigene Definition des “modernen Piraten” erstellt hat, doch es wäre noch schöner gewesen, wenn der Piratenpartei mit ein wenig mehr Sachkenntnis begegnet worden wäre, also wenn die Autorin über Informationen aus erster Hand verfügt hätte. Dem war – wie man dem Text und den Kommentaren, so weit sie noch erhalten sind – entnehmen kann, anscheinend nicht so. Dennoch war Frau Schrupp eine faire und engagierte Diskussionspartnerin. Auch wenn die etwas nebelhafte Art der Argumentation, die selten konkret wurde, nicht unbedingt meinem Verständnis von Diskussionskultur entspricht.

Zum Thema generell: Ich finde den Titel schon nicht sehr glücklich, denn ob andere Feministinnen die Piraten wählen können oder wollen, mögen die bitte mittels einer eigenständigen geistigen Leistung selbst herausfinden. Ich kann schon, und ich bin sogar Parteimitglied. Und nein, ich bin keine Piratin, sondern ein Pirat wie alle.

Ich habe jedoch kein Problem, wenn jemand die Frage nach der -in/-In/-innen/-Innen-Endung anders beantwortet als die Piraten oder auch als ich (ich find’s nicht wichtig, wenn der Rest stimmt). Problematisch wird es nur, wenn einem dann eigenartige Dinge unterstellt werden, wie in den Kommentaren geschehen. Hier eine kleine Auswahl:

  • man würde sich von Männern instrumentalisieren oder unterdrücken lassen
  • man wäre in der Lesbenszene eine Femme
  • man wäre – da angenommen hetero – ein Weibchen, das erst mit 50+ merkt, was ambach ist, soszusagen
  • da man beteuert, dass man mitnichten nur die Dreckarbeit erledigen würde bzw. nicht unterdrückt wäre, wäre man es doch, hätte das nur nicht mitbekommen (das ist mein persönlicher Favorit, denn als Mensch mit annehmbarem Bildungsniveau und normaler Intelligenz hört man das besonders gern)
  • man wäre ein Fake oder ein Transsexueller – so passiert einem armen weiblichen Piraten, die unter ihrem eigenen Namen gepostet hat.

Ich habe überhaupt nichts gegen Lesben, egal welcher Ausrichtung oder gegen Transsexuelle, aber auch hier fehlte mir ein wenig die Faktenorientierung der Kommentatorin.

Ich finde es persönlich schade, wenn einem eine so beschränkte Sicht der Weiblichkeit, wie sie dort generell anzutreffen war, aufgedrängt wird. Ich persönlich habe nämlich entschieden, dass meine Weiblichkeit für sich spricht und keine dauernde Bestätigung durch Endungen braucht. Würde ich mich in einer konservativeren Gemeinschaft bewegen, als ich das im allgemeinen tue, wäre meine Sichtweise eine andere.

Leider wird einem jedoch die abweichende, aber natürlich legitime Meinung immer wieder aufgedrängt, gerade als Pirat. Der Mann war neulich in eine Diskussion mit einer linken/feministischen Bekannten verwickelt, die sich den Wahlwerbeflyer der Hamburger Piraten nicht durchlesen wollte, da sie die fehlende Endung als sexistisch identifizierte, und damit die gesamte Partei. Als der Mann, ärgerlich geworden, anmerkte, dass sie, falls sie eine Partei sucht, die ihr beim Menstruieren hilft, bei den Piraten an der falschen Adresse sei, wurde sie natürlich böse. Vielleicht hätte ich, als ich von diesem Dialog hörte, nicht lachen sollen (aus pädagogischen Gründen, sozusagen), hab’s aber trotzdem getan, da ich es lustig fand. Allerdings stimmt es mich auch nachdenklich, denn sich ein Wahlprogramm nicht durchzulesen und sich seine Meinung ganz unbelastet von jeglichen Fakten zu bilden, zeugt schon von einer gewissen Grundignoranz, und der gehe ich privat lieber aus dem Weg.

Als Pirat im Landesverband Hamburg war meine Mitarbeit willkommen, auch und gerade bei verantwortungsvollen Aufgaben (dafür musste ich noch nie Kaffee kochen). Wenn ich meine Meinung äußern will, kann ich das jederzeit tun, ohne “als Frau” abqualifiziert zu werden. Denn Bürger-, Freiheits- und Menschenrechte  gehen beide Geschlechter gleichermaßen an. Jedenfalls wusste ich nach dieser kurzen Visite im anscheinend geistig eher überschaubaren Universum einiger Feministinnen wieder, warum ich schon an der Universität um die Damen einen ziemlichen Bogen machte: Die, die dort aktiv waren (also nichts gegen Feministinnen allgemein!) erschienen mir verbissen, kleingeistig und beratungsresistent.

Wer sich als Frau – ob Feministin oder nicht – auf das Abenteuer Piraten und die Arbeit in einer Kleinpartei einlässt, dürfte sehr schnell feststellen, dass es den männlichen Piraten erst mal sehr egal ist, ob man weiblich oder männlich ist. Wie ein Kommentator (Pirat, männlich) so treffend bemerkte: nur zu viel Unsinn reden sollte man nicht.

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