Piraten-Jinx

February 27, 2010

Wo laufen sie denn?

Filed under: Inhaltliches, Internes, Piraten, Programmatisches — admin @ 12:37 am

Immer wieder gern gehört: Die Piratenpartei ist weder links noch rechts, sondern vorne. Dies ist momentan leider nicht ganz richtig, zumindest was die Mitglieder angeht: die sind weder noch noch, sondern da, wo es bunt ist.

Das nachlassende Interesse von Medien und Öffentlichkeit nach der Bundestagswahl wurde völlig richtig als Chance begriffen, sich der inhaltlichen Arbeit mit voller Kraft zu widmen, was dringend geboten ist. Leider stagniert die inhaltliche Arbeit jedoch, vor allem auf Bundes, aber zumindest teilweise auch auf Landesebene (ich fühle mich nicht kompetent, hier für alle Landesverbände zu sprechen, daher beziehe ich meine Aussagen auf den Hamburger Landesverband). Dabei mangelt es nicht an Ideen oder Anregungen, aber sehr wohl an dem Durchhaltevermögen, dies auch umzusetzen. Auf Bundesebene, wo alles noch schwieriger ist, da man nur aus der Ferne korrespondieren, sich aber nur selten mal ganz wirklich zusammensetzen kann, ist alles noch schwieriger: In den Listen, auf denen ich mitlese, verheddert man sich sinnlos in endlosen Diskussionen, die nirgendwohin führen, schweigt sich aus, weil Einzelpersonen alles totreden, was eine konträre Meinung vertritt etc. Und man eröffnet Piratenpads im Dutzend.

Das Piratenpad ist das neueste Lieblingskind all derer, die endlich mal was tun wollen, aber nicht genau wissen, was sie eigentlich tun sollen, um des inhaltlichen Vakuums Herr zu werden. In einer durchschnittlichen Piratenmailbox sammeln sich leicht gefühlte fünfzig verschiedene URLs für Piratenpads mit so intuitiv begreifbaren Bezeichnungen wie http://piratenpad.xx/aölksdfjadhgasödk.htm. Das Tool ist nicht schlecht, wenn mehrere Leute gleichzeitig an einem Text arbeiten wollen, vorausgesetzt der Text ist streng monothematisch, nicht zu sehr untergliedert und vor allem nicht zu lang, sowohl was die Dokumentlänge angeht als auch die Bearbeitungszeit. Denn Anker kann man nicht setzen (was selbst in dem Schwarzen Loch, das wir Wiki nennen, möglich ist) und eine Gewähr, dass das Pad mit dem mühsam erzielten Ergebnis nach ein paar Tagen noch online ist, gibt es nicht. Also sind individuelle Sicherungskopien angesagt, um die Textsubstanz zu sichern, was meist zu einer Buchstabenwüste ohne Umlaute und Sonderzeichen führt (je nach Format). Im Fall eines Datenverlusts ist viel Disziplin von allen Beteiligten notwendig, um die aktuellste Version wieder online zu bringen (und nicht einfach irgendeine).

Überhaupt sind Tools das neue Allheilmittel gegen die Übel der inhaltlichen Leere. Die Tools sollen richten, was die Hirne nicht bringen, und das nächste Tool, das oft niemand bisher gesehen hat, der davon berichtet, ist echt ganz toll und wird es reißen.

Dazu wird auf Bundes- wie auf Landesebene reorganisiert, modifiziert und effizienter gestaltet, sollen Synergieeffekte bei der Optimierung helfen und anscheinend beliebig viele Kräfte eingebunden werden, für den Fall, dass sich auch noch die in den Wohnungen der Piraten befindlichen Hausstaubmilben an der inhaltlichen Parteiarbeit beteiligen möchten. Einstweilen sind es meist im Optimalfall eine Handvoll Leute, die in einem Bereich arbeiten (im ungünstigen Fall ist es gar keiner), für den Organigramme gezeichnet, neue Organisationsformen ins Leben gerufen werden, wo ein Mail oder ein Anruf es dicke auch tut und außerdem den Bullshitfaktor gering hält. Völlig offen ist, ob sich in absehbarer Zeit überhaupt die Menge an Leuten beteiligt, um diese theoretischen Strukturen sinnvoll mit echtem Leben zu erfüllen.

Dabei wird verkannt, dass weder eine neue Struktur noch ein neues Tool uns das Denken und die Arbeit abnehmen kann, denn solange die nicht geleistet wird, binden derartige Phantasien nur Zeit, Kraft und Energie, die dann da fehlen, wo sie eigentlich benötigt werden, nämlich bei der ganz konkreten und manchmal sehr mühsamen und langweiligen Sacharbeit. Ganz abgesehen davon, dass es sehr ermüdend ist, immer der aktuellen Sau nachzujagen, die gerade als “super-wichtig” durchs Dorf getrieben wird, aber ein paar Tage später wieder vergessen ist – zugunsten von etwas Neuem, das halt auch bunt oder  sogar noch bunter ist. Bei sinnvoller Themen- oder infrastruktureller Arbeit stört so ein blinder Aktionismus nur.

Denken und Ideen sinnvoll entwickeln kann man auch mit Stift und Papier.

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February 20, 2010

Where is our PAV, Bundesvorstand?

Filed under: Internes, Piraten, Skandale, Vollpfosten — admin @ 5:45 am

Der Landesvorstand der Hamburger Piraten hat den Bundesvorstand der Piratenpartei mittels eines Antrags ersucht, Stefan/Aaron Koenig wegen wiederholt bewiesener Nichteignung für seinen Posten im Sektor Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von selbigem zu beurlauben, ihn quasi in die Untätigkeit zu entsorgen und damit Schaden von der Partei abzuwenden. Wer unseren Vorstand kennt, der ahnte vielleicht, dass er in solchen Fällen das tut, was er immer zu tun pflegt: nämlich nichts. Der Mann soll – so sprach der Vorstand  mit Ausnahme eines wackeren Aufrechten, nämlich Andi Popp – bitte zukünftig vermeiden, für die Partei zu sprechen und seine Privatmeinung in seinem privaten Blog bitte noch deutlicher kennzeichnen als bisher. Derartige kosmetische Reparaturen sind nicht zielführend, denn nur der Status als einfaches Mitglied würde das bewirken, was sich viele von uns wünschen, nämlich dass der Name Koenig aus den aktuellen Veröffentlichungen von und über die Piratenpartei und ihren Vorstand getilgt werde und zu dem wird, was er verdient: zu einer peinlichen Fußnote in den Annalen der noch jungen Partei. Als einfaches Parteimitglied könnte er dann erzählen, was er will, denn vor peinlichen Typen und Spinnern ist keine Partei gefeit, auch die PIRATEN nicht. Es hätte so schön sein können, aber nein: Aaron/Stefan bleibt uns erhalten, wenn auch ohne erkennbare Funktion. Somit ist unklar, was er – außer der Teilnahme an den Telefonkonferenzen des Vorstands – eigentlich tun soll. Nett wäre gewesen ihn mit “sonstigen Aufgaben” zu beschäftigen. Das kennen wir alle aus der Teamarbeit, das “Mädchen für alles”, das für nichts richtig geeignet ist und daher mit einfachen Tätigkeiten beschäftigt wird, in der stillen Hoffnung, dass es in dieser Funktion am wenigsten stört. Aber nein, das “Stefan, das Klopapier ist alle!” wird ein Traum bleiben und nie durch die Räume der Geschäftsstelle schallen.

Dies bringt mich zu der Frage, was denn nun mit der beschlossenen Einleitung des Parteiausschlussverfahrens gegen Bodo Thiesen ist? Da war doch noch was? Richtig! Dafür haben einige von uns gekämpft, viele Piraten unterstützten dies, der Vorstand schloss sich den Forderungen an, und seitdem herrscht das Schweigen im Walde. Das heißt, es gab eine Wiedervorlage und einen Antrag, das Verfahren endlich einzuleiten. In der jüngsten Telefonkonferenz des Bundesvorstands wurde schließlich verkündet, dass man dabei ist, das aber Zeit braucht. Beschlossen wurde es im Juli, jetzt ist Februar, fast März, und der nächste Bundesparteitag ist nicht mehr weit. Jeder versteht, dass Sorgfalt wichtig ist in einer solchen Angelegenheit, dass ein solcher Antrag sauber formuliert werden muss, aber solange man ihn nicht in Altgriechisch schreiben muss, dürfte das schon ein kleines bisschen schneller gehen, trotz Bundestagwahl, den Weihnachtsfeiertagen und was sonst noch so anstand. Es wird sicherlich versierte Kräfte in der Partei geben, die da behilflich sein können, z. B. ehemalige Schiedsgerichtsmitglieder.

Es drängt sich nicht nur mir der Eindruck auf, dass man im Bundesvorstand gesinnt ist, die Sache schlicht auszusitzen und die “Causa Thiesen” irgendwann mal verhandelt wird, oder auch nicht, aber bitte auf keinen Fall während der eigenen Amtszeit. Mögen sich andere damit beschäftigen.

Werden wir auch. Nicht nur mit Thiesen, sondern auch mit Aaron/Stefan Koenig und dem Bundesvorstand insgesamt (vielleicht mit Ausnahme von Andi Popp und natürlich unseres allseits geschätzten und außerordentlich fähigen Schatzmeisters, Bernd Schlömer). Der nächste Bundesparteitag kommt bestimmt. Und wir kommen auch.

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February 12, 2010

Kompetenz

Filed under: Internes, Nervköppe, Piraten, Vollpfosten — admin @ 7:41 pm

Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir die Kompetenzpartei seien, wir sagen gern, dass wir weder rechts noch links, sondern vorne sind, und das ist schön. Noch schöner wäre, wenn es auch wahr wäre.

Bei den Piraten lässt sich ein überdurchschnittliches Bildungsniveau feststellen, der Wille, sich politisch einzubringen, eine Menge Kompetenz auf vielen Gebieten bei den Mitgliedern sowie der Wunsch, auf eine andere Art Politik zu machen, als die etablierten Parteien das tun. Dies macht die Piraten für viele attraktiv, die vorher nicht politisch aktiv waren, und das gilt auch für mich.

Leider lässt sich diese Kompetenz in den Führungsetagen der Partei nicht immer erkennen, teilweise darf man sie gar mit dem Staubkamm suchen. Unser oberster Medienpirat, der ob angeblicher Medienkompetenz in sein Amt gewählt wurde und nun deutlich zeigt, dass er entweder nicht weiß, was Medienkompetenz ist, oder dass es ihm scheißegal ist (was beides ungefähr auf dasselbe hinausläuft), ist hierfür ein gutes Beispiel. Wir, die Kompetenten und Intelligenten, haben ihn auf dem letzten Bundesparteitag in Hamburg auch gewählt, weil er sich geschickt dargestellt hat, und das ist, was wir für diesen Posten brauchen. Das war nicht schlau, vielleicht sollte man niemanden wählen, der erst seit 14 Tagen in der Partei ist, wie Aaron/Stefan Koenig damals, aber wir haben gelernt (auch ich habe gesündigt, ich war politisch jung und wusste es nicht besser). Wir werden uns hoffentlich auf dem nächsten Bundesparteitag weniger inkompetent und unintelligent gebärden.

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass es nicht immer die Besten und/oder Geeignetsten sind, die sich zur Wahl stellen, und man muss eben auch das wählen, was da ist, und das ist eben nicht immer das, was man gern wählen würde. Oft ist es auch ein Zeitproblem, das Piraten von einer Kandidatur abhält – und es ist natürlich zu begrüßen, wenn ein Kandidat sich bewusst ist, dass er wegen Zeitmangels ein Amt nicht so wird ausfüllen können, wie er gern möchte. Dies führte jedoch zu einem beklagenswerten Zustand, der nicht alle Vorstandsmitglieder der Piraten betrifft, aber doch zu viele.

So haben wir neben unserem Obersten Unfähigen/Unwilligen/Unbelehrbaren auch Leute, die gern vorn stehen wollen, auch wenn sich nicht erschließt, warum (an den entsprechenden Fähigkeiten kann’s nämlich nicht liegen, denn die sind nicht vorhanden), Leute, die einfacheren gesellschaftlichen Situationen nicht gewachsen sind, Intriganten, Leute, die Chaos verbreiten und strukturierte Arbeit nicht mal erkennen würden, wenn sie sie in den Hintern beißt. Und es gibt viele Namen, die man kennt.

Die Namen, die man kennt, sind auch problematisch. Sie zeichnen sich oft durch eine langjährige Parteimitgliedschaft aus (also ab 2006 oder 2007) und haben während ihren Amtszeiten nicht allzuviel Mist gebaut. Letzteres ist natürlich erfreulich, ersteres erinnert fatal ans Politbüro oder an den Bundespräsidenten. Sie sind die Wahl im Zweifelsfall, die Wahl, mit der man am wenigsten falsch machen kann. Sie sind die, die eben immer da waren. Und – zum Teil – leider auch immer noch da sind, wo sie von Anfang an waren, und das ist im  Vorstand. Es ist beileibe nicht jeder Altgediente ungeeignet, aber sie sind nicht per se geeignet, nur weil sie da sind. Und eben altgedient.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns von diesem “der ist nett und der ist blöd” befreien, ebenso von “den kenn ich schon lange”, dass wir uns mit unseren Kandidaten im Vorfeld eingehend beschäftigen, und nicht erst am Wahltag. Dass wir keine Frauen wählen, nur weil sie niedlich oder einfach nur vorhanden sind. Dass wir lernen, dass Kompentenzbefreitheit ein Ausschlussgrund für ein Parteiamt sein muss.

Die Piraten sind keine Politprofis, und das gilt eigentlich für die Mitglieder aller kleinen Parteien, und sogar für die Großen, abseits der Führungsriegen. Aber das ist keine Entschuldigung, denn ein gewisses Maß an Professionalität sollte man von Berufs wegen schon haben (egal, welcher Beruf das ist). Wer das im Beruf nicht braucht und nie gelernt hat, wird es auch in einem Parteiamt nicht tun. Professionalität hat viele Gesichter und Aspekte, nicht jeder eignet sich für jede Aufgabe gleich gut, aber etwas mehr Eignung wäre bei manchen schon ganz schön.

Ich fordere daher keine Frauenquote für unsere Kandidaten, wie es so oft an uns herangetragen wird, sondern eine Kompetenzquote.

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