Piraten-Jinx

July 19, 2010

Das Hamburger Nein zur Primarschule

Filed under: Bildung, Hamburg — admin @ 9:58 am

Hamburg hat entschieden, es wird keine sechsstufige Primarschule geben. Dies ist der Tenor der Nachrichten und das, was in den Köpfen der Bewohner dieses Landes hängenbleiben wird. Richtiger ist jedoch, dass ein Teil der Hamburger über die zukünfigte Gestaltung der ersten Schuljahre bestimmt hat. Wer sich die Grafik  zur Stimmverteilung ansieht, wird feststellen, dass die Wahlbeteiligung in Gegenden mit  – nennen wir es gutsituierten – Bewohnern hoch ausfiel, während sie in den sogenannten Problemvierteln gering blieb. Dies ist bedauerlich, ändert jedoch nichts an der Gültigkeit des Ergebnisses. Eine Volksabstimmung ist gültig und bindend, auch wenn einem selbst oder der eigenen Partei das Ergebnis nicht gefällt. Natürlich ist die Mehrheit der Hamburger Piraten enttäuscht, haben sie doch eine Abstimmungsempfehlung zugunsten der Primarschule gegeben. Für mich, die ich sehr in diesen Prozess involviert war, war es eine lehrreiche Zeit. Und das vor allem zum Thema “Chancen und wie man sie vertut”. Wäre ich an Schmutzcampagnen auch nur im mindesten interessiert, hätte ich auch viel lernen können.

Während meiner Recherche hatte ich die Gelegenheit, mit offiziellen Vertretern beider Seiten zu sprechen und mir mein ganz eigenes Bild zu machen. Die Gespräche verliefen konstruktiv und durchaus positiv, ja, auch und gerade mit den Vertretern des Vereins Wir wollen lernen und namentlich mit Dr. Scheuerl. Dies stand im Gegensatz zu den öffentlichen Campagnen besonders der in Vereinen organisierten Befürworter. Monatelang stand gezielte Desinformation im Vordergrund; wüste Szenarien wurden präsentiert, sollte die Entscheidung gegen die Primarschule ausfallen, und die Medien – allen voran die Presse – stieg dankbar darauf ein. Dass auch in dem Fall, der nun eingetreten ist, gravierende Änderungen am Schulsystem vorgenommen werden, allen voran die Abschaffung von Haupt- und Realschulen zugunsten einer Stadtteilschule mit der Möglichkeit, das Abitur zu erwerben, wurde wenig vornehm verschwiegen, schadete es doch dem Anliegen. Dies änderte sich erst in den letzten Wochen, als die Berichterstattung ausgewogener und realitätsnäher wurde.

Die Hamburger Regierenden, ausgestattet mit einem bombastischen Budget, verpulverten dies für bunte Plakate mit wenig Text und noch weniger Aussage oder für Hochglanzbroschüren und versäumten, ihre potentiellen Unterstützer, also die, deren Kinder von einem längeren gemeinsamen Lernen besonders profitieren würden,  gezielt zu informieren und zu aktivieren. Hier hat sich gezeigt, dass “bunt und laut” nicht reicht, oder höchstens, um die, die wirklich informieren wollen, unsichtbar werden zu lassen. Wer tagtäglich mit ganz realen, existenzbedrohenden Schreckensmeldungen aus dem Hause Bundesregierung konfrontiert oder von Regierenden persönlich beleidigt wird (”spätrömische Dekadenz”), hört eben nicht mehr hin, wenn die Lokalfürsten das Ragnarök der Hamburger Schüler beschwören.

Nicht vergessen darf man auch, dass Einwohner Hamburgs, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, gemäß § 6 des Bürgerschaftswahlgesetzes überhaupt nicht abstimmen durften, obwohl Thema und Ergebnis sie unmittelbar betrifft. Dies ist in der heutigen Zeit, in der selbst konservative Kreise sich langsam an die Tatsache gewöhnen, dass wir sehr wohl ein Einwanderungsland sind, auch wenn wir das natürlich nicht zugeben, ein Anachronismus, der zu überdenken wäre. EU-Bürger genießen mittlerweile seit Jahrzehnten das Wahlrecht auf kommunaler Ebene, und eine Gesetzesänderung, nach der Einwohner Hamburgs ohne deutsche Staatsbürgerschaft an Volksabstimmungen teilnehmen dürfen, wäre überfällig. Schließlich finanzieren auch sie die Wasserwerke und Krankenhäuser, die verkauft werden, und auch sie müssen ihre Kinder Hamburger Schulen besuchen lassen, meist ohne die Option, auf eine Privatschule ausweichen zu können, wenn ihnen das Schulsystem nicht gefällt.

Für die Hamburger Piraten bedeutet dies, verstärkt an einem eigenen Entwurf für ein gerechtes, der heutigen Zeit angepassten Schulsystem zu arbeiten, ohne sich von teilweise bizarren Ausfällen von Gegnern und Befürwortern irritieren zu lassen (seine Unterstützer kann man sich leider nicht aussuchen, das dürften alle Beteiligten gelernt haben). Wir gehen jedenfalls in Hamburg spannenden Zeiten entgegen, nun landesvaterlos und ohne Schulfrieden, dafür mit einem CDU-Hardliner und einer beleidigten GAL. Sollte Innensenator Ahlhaus, der den Einsatz der Bundeswehr im Inneren für eine realistische Option hält, es tatsächlich zum regierenden Bürgermeister bringen, werden die PIRATEN ohnehin alle Hände voll zu tun haben.

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February 27, 2010

Wo laufen sie denn?

Filed under: Inhaltliches, Internes, Piraten, Programmatisches — admin @ 12:37 am

Immer wieder gern gehört: Die Piratenpartei ist weder links noch rechts, sondern vorne. Dies ist momentan leider nicht ganz richtig, zumindest was die Mitglieder angeht: die sind weder noch noch, sondern da, wo es bunt ist.

Das nachlassende Interesse von Medien und Öffentlichkeit nach der Bundestagswahl wurde völlig richtig als Chance begriffen, sich der inhaltlichen Arbeit mit voller Kraft zu widmen, was dringend geboten ist. Leider stagniert die inhaltliche Arbeit jedoch, vor allem auf Bundes, aber zumindest teilweise auch auf Landesebene (ich fühle mich nicht kompetent, hier für alle Landesverbände zu sprechen, daher beziehe ich meine Aussagen auf den Hamburger Landesverband). Dabei mangelt es nicht an Ideen oder Anregungen, aber sehr wohl an dem Durchhaltevermögen, dies auch umzusetzen. Auf Bundesebene, wo alles noch schwieriger ist, da man nur aus der Ferne korrespondieren, sich aber nur selten mal ganz wirklich zusammensetzen kann, ist alles noch schwieriger: In den Listen, auf denen ich mitlese, verheddert man sich sinnlos in endlosen Diskussionen, die nirgendwohin führen, schweigt sich aus, weil Einzelpersonen alles totreden, was eine konträre Meinung vertritt etc. Und man eröffnet Piratenpads im Dutzend.

Das Piratenpad ist das neueste Lieblingskind all derer, die endlich mal was tun wollen, aber nicht genau wissen, was sie eigentlich tun sollen, um des inhaltlichen Vakuums Herr zu werden. In einer durchschnittlichen Piratenmailbox sammeln sich leicht gefühlte fünfzig verschiedene URLs für Piratenpads mit so intuitiv begreifbaren Bezeichnungen wie http://piratenpad.xx/aölksdfjadhgasödk.htm. Das Tool ist nicht schlecht, wenn mehrere Leute gleichzeitig an einem Text arbeiten wollen, vorausgesetzt der Text ist streng monothematisch, nicht zu sehr untergliedert und vor allem nicht zu lang, sowohl was die Dokumentlänge angeht als auch die Bearbeitungszeit. Denn Anker kann man nicht setzen (was selbst in dem Schwarzen Loch, das wir Wiki nennen, möglich ist) und eine Gewähr, dass das Pad mit dem mühsam erzielten Ergebnis nach ein paar Tagen noch online ist, gibt es nicht. Also sind individuelle Sicherungskopien angesagt, um die Textsubstanz zu sichern, was meist zu einer Buchstabenwüste ohne Umlaute und Sonderzeichen führt (je nach Format). Im Fall eines Datenverlusts ist viel Disziplin von allen Beteiligten notwendig, um die aktuellste Version wieder online zu bringen (und nicht einfach irgendeine).

Überhaupt sind Tools das neue Allheilmittel gegen die Übel der inhaltlichen Leere. Die Tools sollen richten, was die Hirne nicht bringen, und das nächste Tool, das oft niemand bisher gesehen hat, der davon berichtet, ist echt ganz toll und wird es reißen.

Dazu wird auf Bundes- wie auf Landesebene reorganisiert, modifiziert und effizienter gestaltet, sollen Synergieeffekte bei der Optimierung helfen und anscheinend beliebig viele Kräfte eingebunden werden, für den Fall, dass sich auch noch die in den Wohnungen der Piraten befindlichen Hausstaubmilben an der inhaltlichen Parteiarbeit beteiligen möchten. Einstweilen sind es meist im Optimalfall eine Handvoll Leute, die in einem Bereich arbeiten (im ungünstigen Fall ist es gar keiner), für den Organigramme gezeichnet, neue Organisationsformen ins Leben gerufen werden, wo ein Mail oder ein Anruf es dicke auch tut und außerdem den Bullshitfaktor gering hält. Völlig offen ist, ob sich in absehbarer Zeit überhaupt die Menge an Leuten beteiligt, um diese theoretischen Strukturen sinnvoll mit echtem Leben zu erfüllen.

Dabei wird verkannt, dass weder eine neue Struktur noch ein neues Tool uns das Denken und die Arbeit abnehmen kann, denn solange die nicht geleistet wird, binden derartige Phantasien nur Zeit, Kraft und Energie, die dann da fehlen, wo sie eigentlich benötigt werden, nämlich bei der ganz konkreten und manchmal sehr mühsamen und langweiligen Sacharbeit. Ganz abgesehen davon, dass es sehr ermüdend ist, immer der aktuellen Sau nachzujagen, die gerade als “super-wichtig” durchs Dorf getrieben wird, aber ein paar Tage später wieder vergessen ist – zugunsten von etwas Neuem, das halt auch bunt oder  sogar noch bunter ist. Bei sinnvoller Themen- oder infrastruktureller Arbeit stört so ein blinder Aktionismus nur.

Denken und Ideen sinnvoll entwickeln kann man auch mit Stift und Papier.

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February 20, 2010

Where is our PAV, Bundesvorstand?

Filed under: Internes, Piraten, Skandale, Vollpfosten — admin @ 5:45 am

Der Landesvorstand der Hamburger Piraten hat den Bundesvorstand der Piratenpartei mittels eines Antrags ersucht, Stefan/Aaron Koenig wegen wiederholt bewiesener Nichteignung für seinen Posten im Sektor Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von selbigem zu beurlauben, ihn quasi in die Untätigkeit zu entsorgen und damit Schaden von der Partei abzuwenden. Wer unseren Vorstand kennt, der ahnte vielleicht, dass er in solchen Fällen das tut, was er immer zu tun pflegt: nämlich nichts. Der Mann soll – so sprach der Vorstand  mit Ausnahme eines wackeren Aufrechten, nämlich Andi Popp – bitte zukünftig vermeiden, für die Partei zu sprechen und seine Privatmeinung in seinem privaten Blog bitte noch deutlicher kennzeichnen als bisher. Derartige kosmetische Reparaturen sind nicht zielführend, denn nur der Status als einfaches Mitglied würde das bewirken, was sich viele von uns wünschen, nämlich dass der Name Koenig aus den aktuellen Veröffentlichungen von und über die Piratenpartei und ihren Vorstand getilgt werde und zu dem wird, was er verdient: zu einer peinlichen Fußnote in den Annalen der noch jungen Partei. Als einfaches Parteimitglied könnte er dann erzählen, was er will, denn vor peinlichen Typen und Spinnern ist keine Partei gefeit, auch die PIRATEN nicht. Es hätte so schön sein können, aber nein: Aaron/Stefan bleibt uns erhalten, wenn auch ohne erkennbare Funktion. Somit ist unklar, was er – außer der Teilnahme an den Telefonkonferenzen des Vorstands – eigentlich tun soll. Nett wäre gewesen ihn mit “sonstigen Aufgaben” zu beschäftigen. Das kennen wir alle aus der Teamarbeit, das “Mädchen für alles”, das für nichts richtig geeignet ist und daher mit einfachen Tätigkeiten beschäftigt wird, in der stillen Hoffnung, dass es in dieser Funktion am wenigsten stört. Aber nein, das “Stefan, das Klopapier ist alle!” wird ein Traum bleiben und nie durch die Räume der Geschäftsstelle schallen.

Dies bringt mich zu der Frage, was denn nun mit der beschlossenen Einleitung des Parteiausschlussverfahrens gegen Bodo Thiesen ist? Da war doch noch was? Richtig! Dafür haben einige von uns gekämpft, viele Piraten unterstützten dies, der Vorstand schloss sich den Forderungen an, und seitdem herrscht das Schweigen im Walde. Das heißt, es gab eine Wiedervorlage und einen Antrag, das Verfahren endlich einzuleiten. In der jüngsten Telefonkonferenz des Bundesvorstands wurde schließlich verkündet, dass man dabei ist, das aber Zeit braucht. Beschlossen wurde es im Juli, jetzt ist Februar, fast März, und der nächste Bundesparteitag ist nicht mehr weit. Jeder versteht, dass Sorgfalt wichtig ist in einer solchen Angelegenheit, dass ein solcher Antrag sauber formuliert werden muss, aber solange man ihn nicht in Altgriechisch schreiben muss, dürfte das schon ein kleines bisschen schneller gehen, trotz Bundestagwahl, den Weihnachtsfeiertagen und was sonst noch so anstand. Es wird sicherlich versierte Kräfte in der Partei geben, die da behilflich sein können, z. B. ehemalige Schiedsgerichtsmitglieder.

Es drängt sich nicht nur mir der Eindruck auf, dass man im Bundesvorstand gesinnt ist, die Sache schlicht auszusitzen und die “Causa Thiesen” irgendwann mal verhandelt wird, oder auch nicht, aber bitte auf keinen Fall während der eigenen Amtszeit. Mögen sich andere damit beschäftigen.

Werden wir auch. Nicht nur mit Thiesen, sondern auch mit Aaron/Stefan Koenig und dem Bundesvorstand insgesamt (vielleicht mit Ausnahme von Andi Popp und natürlich unseres allseits geschätzten und außerordentlich fähigen Schatzmeisters, Bernd Schlömer). Der nächste Bundesparteitag kommt bestimmt. Und wir kommen auch.

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February 17, 2010

Was soll Schule leisten?

Filed under: Hamburg, Inhaltliches, Schulreform — admin @ 6:21 am

In Hamburg kommt eine Schulreform auf uns zu, und vor dieser Reform kommt – falls kein Wunder geschieht – ein Volksentscheid über dieselbe. Die PIRATEN des Hamburger Landesverbandes haben entschieden, eine Abstimmungsempfehlung zu geben. Diese soll fundiert und überlegt geschehen, und zu diesem Zweck wurde die AG Schulreform gegründet, die ich koordinierte. Wir recherchieren ergebnisoffen und werden unsere Erkenntnisse so neutral wie es menschlichen Wesen möglich ist, auf einem Themenkongress präsentieren. Ich möchte auf unsere Recherchen an dieser Stelle noch nicht eingehen, da diese noch nicht abgeschlossen sind.

Beim heutigen Treffen der Hamburger PIRATEN wurden erste Zwischenergebnisse vorgestellt, und es entstand eine interessante Diskussion, in deren Verlauf die Frage gestellt wurde, was die Schule leisten soll. Eine Antwort war, dass sie Kinder nach vorne bringen soll.

Hört sich gut an, nur ist unklar, was “vorne” bedeutet. Ist man vorne, wenn man einen Luxusklasse-Wagen vor dem schmucken Eigenheim hat, selbst, wenn man abseits seiner beruflichen Qualifikation die geistige Dimension eines Stücks Toasts hat und ethisch so beschlagen ist, dass die Mitmenschheit einem lieber aus dem Weg geht, außer sie werden dafür bezahlt, sich in der Nähe aufzuhalten? Ist es eine umfassende Bildung? Soziale Kompatibilität, Denken und Handeln innerhalb der ethischen Werte unserer Gesellschaft? Wie wichtig ist Kreativität?

Eltern beantworten diese Fragen sehr unterschiedlich und Jugendliche werden meist überhaupt nicht gefragt, wie sie darüber denken. Eltern sind, was ihren eigenen Nachwuchs angeht, erstaunlich beratungsresistent. Das gilt nicht nur für die, die der Meinung sind, eine muntere Schar Hochbegabter und/oder Indigo-Kinder (je nach Anschauung) in die Welt gesetzt zu haben, und sich strikt weigern, auf die Hinweise der Lehrer einzugehen, die zu erklären versuchen, dass das Wunderkind in der dritten Klasse ein A nicht von einem X unterscheiden kann und außerdem seine Mitschüler prügelt. Es gilt auch, wenn das eigene Kind eigene Wünsche in Bezug auf Schultyp, Fächerauswahl, weitere Ausbildung zu Gehör bringt. Dies ist oft im Teenageralter der Fall, wird auf die wenigstens jetzt sehr praktische Pubertät geschoben und negiert, denn das renitente Gör hat ohnehin keine Ahnung. Das weiß ich aus eigener, leidvoller Erfahrung, obwohl ich intelligente, gebildete und verständnisvolle Eltern hatte bzw. habe, und nicht jedes Kind hat die Kraft, den Bürgerkrieg in der eigenen Wohnung anzuzetteln (den Krieg habe ich übrigens gewonnen – er dauerte etwa vier Jahre lang, und es hat nicht immer Spaß gemacht).

Eltern meinen es im günstigen Fall wirklich gut, nur ist gut gemeint nicht immer auch gut gemacht. Hinzu kommen gesellschaftliche Umbrüche, die eine Delegierung von Aufgaben an die Schule erzwangen, die früher eigentlich Aufgabe des Elternhauses war.

Die Politik neigt dazu, Eltern wieder in die Pflicht zu nehmen und negieren eben diese Umbrüche, die – wie immer man zu ihnen stehen mag – nicht umkehrbar sind. Das Bildungswesen darf die Augen nicht davor verschließen, dass es Eltern gibt, denen es egal ist, ob ihre Kinder in die Schule gehen und einen Abschluss erwerben, dass es Alleinerziehende gibt, die inklusive Arbeitsweg 12 Stunden aushäusig beschäftigt sind oder dass es Elternhäuser gibt, in denen Erziehungsberechtigte unserer Sprache so wenig mächtig sind, dass sie nicht verstehen, was von ihnen erwartet wird und dies  – bei allem guten Willen – nicht imstande sind zu leisten.

Die Frage, was die Schule leisten soll, wird meist mit der klangvollen Aussage beantwortet, dass sie “für das Leben fit machen soll”. Hört sich gut an, sagt gar nichts, und vor allem braucht ein Künstler eine andere Fitness als jemand, der in einem sozialen Beruf arbeitet, und die Fitness eines Bankdirektors oder Anwalts sieht anders aus als die eines zukünftigen Arbeitnehmers, für die der Arbeitsmarkt schlicht keine Arbeit mehr hat (jetzt nicht mit “wer arbeiten will, der kann auch arbeiten kommen, ich verweise auf das Verhältnis offener Stellen zu verfügbaren Arbeitskräften, und da berücksichte ich unsere exorbitante versteckte Arbeitslosigkeit großzügigerweise noch gar nicht).

Wenn ich nach genauem Nachdenken die Antwort auf obige Frage auf einen Satz herunterbrechen soll, dann bin ich nur zu einem Schluss gekommen, der mir sinnvoll erscheint: Schule soll ihre Schüler befähigen, die eigenen Möglichkeiten, Neigungen und Begabungen zu erkennen, diese fördern und die Wege aufzeigen, wie man zu einem Leben findet, das dem gemäß ist. Damit das funktioniert, braucht der Schüler eine Art gesunder Halbbildung, mehr ist angesichts des sich ständig mulitplizierenden Wissens ohnehin nicht mehr möglich. Wichtig ist, dass man lernt, wie man lernt, was man im Leben braucht, und das ist sehr unterschiedlich.

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February 12, 2010

Kompetenz

Filed under: Internes, Nervköppe, Piraten, Vollpfosten — admin @ 7:41 pm

Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir die Kompetenzpartei seien, wir sagen gern, dass wir weder rechts noch links, sondern vorne sind, und das ist schön. Noch schöner wäre, wenn es auch wahr wäre.

Bei den Piraten lässt sich ein überdurchschnittliches Bildungsniveau feststellen, der Wille, sich politisch einzubringen, eine Menge Kompetenz auf vielen Gebieten bei den Mitgliedern sowie der Wunsch, auf eine andere Art Politik zu machen, als die etablierten Parteien das tun. Dies macht die Piraten für viele attraktiv, die vorher nicht politisch aktiv waren, und das gilt auch für mich.

Leider lässt sich diese Kompetenz in den Führungsetagen der Partei nicht immer erkennen, teilweise darf man sie gar mit dem Staubkamm suchen. Unser oberster Medienpirat, der ob angeblicher Medienkompetenz in sein Amt gewählt wurde und nun deutlich zeigt, dass er entweder nicht weiß, was Medienkompetenz ist, oder dass es ihm scheißegal ist (was beides ungefähr auf dasselbe hinausläuft), ist hierfür ein gutes Beispiel. Wir, die Kompetenten und Intelligenten, haben ihn auf dem letzten Bundesparteitag in Hamburg auch gewählt, weil er sich geschickt dargestellt hat, und das ist, was wir für diesen Posten brauchen. Das war nicht schlau, vielleicht sollte man niemanden wählen, der erst seit 14 Tagen in der Partei ist, wie Aaron/Stefan Koenig damals, aber wir haben gelernt (auch ich habe gesündigt, ich war politisch jung und wusste es nicht besser). Wir werden uns hoffentlich auf dem nächsten Bundesparteitag weniger inkompetent und unintelligent gebärden.

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass es nicht immer die Besten und/oder Geeignetsten sind, die sich zur Wahl stellen, und man muss eben auch das wählen, was da ist, und das ist eben nicht immer das, was man gern wählen würde. Oft ist es auch ein Zeitproblem, das Piraten von einer Kandidatur abhält – und es ist natürlich zu begrüßen, wenn ein Kandidat sich bewusst ist, dass er wegen Zeitmangels ein Amt nicht so wird ausfüllen können, wie er gern möchte. Dies führte jedoch zu einem beklagenswerten Zustand, der nicht alle Vorstandsmitglieder der Piraten betrifft, aber doch zu viele.

So haben wir neben unserem Obersten Unfähigen/Unwilligen/Unbelehrbaren auch Leute, die gern vorn stehen wollen, auch wenn sich nicht erschließt, warum (an den entsprechenden Fähigkeiten kann’s nämlich nicht liegen, denn die sind nicht vorhanden), Leute, die einfacheren gesellschaftlichen Situationen nicht gewachsen sind, Intriganten, Leute, die Chaos verbreiten und strukturierte Arbeit nicht mal erkennen würden, wenn sie sie in den Hintern beißt. Und es gibt viele Namen, die man kennt.

Die Namen, die man kennt, sind auch problematisch. Sie zeichnen sich oft durch eine langjährige Parteimitgliedschaft aus (also ab 2006 oder 2007) und haben während ihren Amtszeiten nicht allzuviel Mist gebaut. Letzteres ist natürlich erfreulich, ersteres erinnert fatal ans Politbüro oder an den Bundespräsidenten. Sie sind die Wahl im Zweifelsfall, die Wahl, mit der man am wenigsten falsch machen kann. Sie sind die, die eben immer da waren. Und – zum Teil – leider auch immer noch da sind, wo sie von Anfang an waren, und das ist im  Vorstand. Es ist beileibe nicht jeder Altgediente ungeeignet, aber sie sind nicht per se geeignet, nur weil sie da sind. Und eben altgedient.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns von diesem “der ist nett und der ist blöd” befreien, ebenso von “den kenn ich schon lange”, dass wir uns mit unseren Kandidaten im Vorfeld eingehend beschäftigen, und nicht erst am Wahltag. Dass wir keine Frauen wählen, nur weil sie niedlich oder einfach nur vorhanden sind. Dass wir lernen, dass Kompentenzbefreitheit ein Ausschlussgrund für ein Parteiamt sein muss.

Die Piraten sind keine Politprofis, und das gilt eigentlich für die Mitglieder aller kleinen Parteien, und sogar für die Großen, abseits der Führungsriegen. Aber das ist keine Entschuldigung, denn ein gewisses Maß an Professionalität sollte man von Berufs wegen schon haben (egal, welcher Beruf das ist). Wer das im Beruf nicht braucht und nie gelernt hat, wird es auch in einem Parteiamt nicht tun. Professionalität hat viele Gesichter und Aspekte, nicht jeder eignet sich für jede Aufgabe gleich gut, aber etwas mehr Eignung wäre bei manchen schon ganz schön.

Ich fordere daher keine Frauenquote für unsere Kandidaten, wie es so oft an uns herangetragen wird, sondern eine Kompetenzquote.

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December 5, 2009

Zur Abwechslung mal was echt Inhaltliches: Die Hamburger Schulreform

Filed under: Bildung, Hamburg, Inhaltliches — admin @ 2:33 pm

Nach der Wahl fielen die Piraten quasi in ein großes Loch: Infostände nur noch sporadisch, die Zeit der bunten Aktionen ist erst mal vorbei, die Aufmerksamkeit der Medien wendet sich dringenderen Themen zu (zum Beispiel der angeblichen Ehekrise von Tiger Woods) und man steht irgendwie im Wald und fragt sich: Was nun?

Ich persönlich begrüße dies durchaus, kann man sich doch endlich mal dem zuwenden, was Parteipolitik ausmachen sollte: der inhaltlichen Arbeit, in die ich mich sehr gerne einbringe, da ich die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit Inhalten als eine meiner Stärken empfinde.

Nun winkt in Hamburg keine Wahl in näherer Zukunft, dafür aber eine Volksabstimmung, nämlich die zur Schulreform. Und das berührt unmittelbar eines der piratischen Kernthemen, nämlich die Bildung, und die ist in Deutschland Ländersache (auch wenn man sich das vielleicht anders wünschen würde).

Schon im Wahlkampf wurde ich öfter gefragt, wie die Piraten zur anstehenden Schulreform in Hamburg stehen, und ich war regelmäßig gezwungen, mit allgemeinem Blabla zu antworten, in dem irgendwo auch die Aussage enthalten war, dass wir keine Aussage zum Thema machen können, da wir keine Position entwickelt hätten. Das geht natürlich gar nicht, siehe Kernthemen, Kompetenzpartei und so.

Daher gibt es jetzt eine AG Schulreform Hamburg (noch nicht abgesegnet, sondern in der Entstehung begriffen), die sich rein dienstleistend versteht: Sie soll die unterschiedlichen Positionen zusammentragen, Gespräche mit Befürwortern und Gegnern führen und die Fakten so aufbereiten, dass die Hamburger Piraten VOR der Volksabstimmung zu einer Position gelangen und eine Wahlempfehlung abgeben können. Ist dies erreicht, ist die Aufgabe der AG beendet, an der Meinungsfindung nehmen die Mitglieder als einfache Piraten teil.

Auch, aber nicht nur aus diesem Grund sind pluralistische Meinungen bei den AG-Mitgliedern ausdrücklich erwünscht; wir wollen neutral und möglichst unvoreingenommen an die Sache herangehen. Daher sind Befürworter, Gegner, Leute, die noch keinen Plan von nichts haben und die, die etwas anderes wollen, ausdrücklich eingeladen, sich an der Arbeit der AG zu beteiligen.

Natürlich gibt es auch eine Wiki-Seite zum Thema, und da bin ich ganz stolz auf mich, denn es ist mir tatsächlich gelungen, eine Seite zu erstellen, die wie eine echte Wiki-Seite aussieht und nicht wie die, die ich bisher verhunzt habe (und die barmherzige Piraten-Samariter still und diskret dem gängigen Layout anpassten, herzlichen Dank hierfür!).

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September 25, 2009

Wahlkampf-Endspurt, oder: Die letzten Mohikaner

Filed under: Hamburg, Piraten, Wahlkampf — Tags: , — admin @ 1:24 am

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Morgen ist der letzte Wahlkampftag, und, offen gesagt, ich bin froh darüber. Obwohl ich nicht so oft am Stand bin wie andere, treibt mich das Pflichtgefühl, und langsam denke ich, dass meine Füße dabei sind, eine runde, zehenlose Form anzunehmen, sobald ich meine Schuhe ausziehe. Aber das macht nichts, denn “Leuchtturmaktionen” sind zwar gut und schön, aber es ist die Straße und die Gespräche mit den Wählern dort, die die Leute überzeugen, nicht das Schwenken von Fahnen oder symbolische Aktionen, auch wenn diese attraktiver sind, sowohl für die Presse als auch für die, die sie ausführen.

Gestern waren wir in Hamburg Altona, und wir haben Verstärkung bekommen: Jens Seipenbusch war am Stand, und das war immerhin so interessant, dass ein Team der Mopo (Hamburger Morgenpost) seinen Weg zu uns an den Stand fand. Es waren viele Piraten da, und die Resonanz war sehr gut, was auch dem außerordentlich günstigen Standort geschuldet ist, denn in Ottensen sitzen unsere Wähler.

Jens Seipenbusch wurde natürlich interviewt, führte jedoch auch Gespräche mit Wählern (und das äußerst professionell) sowie mit den Piraten vor Ort. Man würde ihn gerne öfter ausleihen … auch wenn wir einen Themen- und keinen Personenwahlkampf führen. Herzlichen Dank jedenfalls für’s Kommen!

Straßenwahlkampf ist anstrengend, manchmal nervig, aber lohnend: Man erkennt am ehesten, wie die Wähler ticken, die nicht im Internet unterwegs ist und ihre Fragen dort stellen. So kommt immer wieder die Frage nach Jörg Tauss auf (Unschuldsvermutung, Unschuldsvermutung, Unschuldsvermutung), aber auch nach Bildung (freier Bildungszugang und gleiche Chancen für alle) oder Überwachung (ehrlich, der Halbsatz “ich habe nichts zu verbergen” löst bei mir langsam Aggressionen aus …) sind immer wiederkehrende Themen. So kräftezehrend der Straßenwahlkampf ist, so lohnend und wichtig ist er auch.

Trotzdem freue ich mich auf die Zeit nach der Wahl, wenn das Medieninteresse abebbt, das Telefon nicht mehr dauernd klingelt und man sich die Beine nicht mehr in den Bauch steht. Fast sehne ich die manchmal dröge, organisatorische Arbeit herbei, die zwangsläufig auf den Wahlkampf folgen wird.

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September 16, 2009

Surveillance-Aktion in Hamburg

Filed under: Guerilla-Aktionen, Hamburg, Piraten — admin @ 2:49 pm

Einige Hamburger Piraten finden sich heute zu einer Guerilla-Aktion zusammen. Ziel ist, auf die staatliche Überwachungspolitik aufmerksam zu machen und gegen den Verlust der Privatsphäre und die pauschale Kriminalisierung zu protestieren.

Die Aktion dauert ca. 45-60 Minuten. Treffpunkt ist um 19.00 Uhr am Hauptbahnhof, Ausgang Spittaler Straße, der Beginn der Aktion ist etwa um 19.10. Die Ausrüstung besteht aus Kameras, Anzügen und Masken. Man darf gespannt sein …

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