Piraten-Jinx

June 12, 2011

Postgender

Filed under: Sonstiges — admin @ 2:28 pm

Die Piratenpartei bezeichnet sich als “postgender”, und ich habe zunehmend Gefallen an diesem Konzept gefunden. Es bedeutet nämlich unter anderem, dass jeder Mensch seine Persönlichkeit nach eigenen Vorstellungen definieren und ausleben kann, unabhängig von den Vorstellungen die Geschlechterrollen betreffend, die die Gesellschaft uns tagtäglich und in allen Bereichen aufzwingt. Das finde ich entspannt und angenehm. Natürlich heißt es nicht, dass auch alle Piraten automatisch dieses Ideal leben oder verinnerlicht haben; kurz gesagt: Die Piratenpartei mag “postgender” sein, aber nicht alle Piraten sind es auch.

Das ist eigentlich kein Problem; Niemand wird ernsthaft behaupten, dass alle CDU-Mitglieder in ihrer Politik wahrhaft christliche Werte transportieren und umsetzen (haha!), dass alle Sozialdemokraten wahrhaft sozial denken, dass alle Grünen jeden Käfer von der Straße tragen und kein Auto fahren und so weiter. Schließlich sind wir alle nur Menschen, und eine Partei sucht man nach der größtmöglichen Deckung mit den eigenen Idealen aus. Wenn man nur in eine Partei eintreten würde, die die eigenen Vorstellungen zu 100% postuliert, würden wir alle noch immer suchen.

Nun droht gerade Frauen, die sich dem Postgender-Ideal verschrieben haben, einiges Ungemach von außen, und zwar sowohl durch Männer als auch durch Frauen. Und das wird ab und an ein bisschen lästig. Das hat nicht immer, aber machmal auch mit der Piratenpartei zu tun.

Nehmen wir zunächst die Männer. Einige haben nicht so den Überblick, ob man nun postgender ist oder feministisch, es ist ihnen auch egal, hauptsache, sie können mit ihren Vorstellungen von ganz unten aufwarten: Es wird einem von völlig unbekannten männlichen Menschen fehlende Weiblichkeit attestiert (woher wollen die denn das wissen?), Frustration, mangelnder Erfolg im Leben, lesbisch-sein (wo wäre da denn das Problem?), zu lange keinen Sex mehr gehabt zu haben, ohne hin keinen abzukriegen, Misserfolge im Studium, was auch immer. Von Menschen, die man noch nie gesehen hat, wohlbemerkt, die nichts von den Frauen, die sie attackieren, wissen. Das kann man nicht wirklich ernst nehmen. Es dürfte sich um einen Ausbruch eigener Frustrationen über persönliche Defizite, Unzulänglichkeiten und Misserfolge handeln, die auf die betreffenden Frauen projiziert werden. Denn diese Frauen haben das, was den Herren, die sich zumeist anonym austoben, fehlt: ein gewisses Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit. Dieses Verhalten begleitet Frauen, seit sie am gesellschaftlichen Leben vollumfänglich teilnehmen und ist damit zwar lästig, aber weder neu noch originell. Wir sind es gewöhnt, dass manche Männer Weiblichkeit nicht in allen Facetten wahrnehmen können oder wollen und für ihre beschränkte und rückständige Sichtweise öffentlich werben.

Interessanter wird es bei Angriffen, die gerade Piratinnen (oder: weibliche Piraten) durch andere Frauen erfahren. Hier werden doch erstaunliche Behauptungen aufgestellt:

  • es wird unterstellt, dass man (“frau”) ein Mann ist, der eine weibliche Identität angenommen hat, um Frauen arglistig zu täuschen (so etwas gibt es sicherlich, aber mir wäre das zu kompliziert, ich habe mich noch nie als Mann ausgegeben und werde das auch nicht tun)
  • man sei ein Transvestit, transsexuell (was ist denn daran schlimm?) oder hätte sich gar bereits einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen (damit wäre man eine Frau, nicht wahr?)
  • man wäre zu blöd, zu verstehen, wie man von Männern für ihre Zwecke instrumentalisiert wird (das höre ich besonders gern), und daher verrät man die Ideale der Frauen. Aha.
  • eine gewisse Androgynität wird negativ bewertet; natürlich nicht bei Annie Lenox, Tilda Swinton oder Grace Jones, da ist das schick, aber bei der Frau von nebenan schon.
  • man wäre nicht weiblich genug.

Den letzten Punkt finde ich besonders komisch. Ich meine, da befreit man sich mühsam und jahrzehntelang von dem Diktat männlicher Vorstellungen, die man als eingeschränkt, rückständig und verquast empfindet, nur um sich erneut mit Vorstellungen konfrontiert zu sehen, die ebenso eingeschränkt, rückständig und verquast sind, nur ein bisschen anders? Das soll wohl ein Witz sein.

Als moderne Frau, die dem Postgender-Ideal anhängt, ist es unter meiner Würde, mich mit so etwas zu beschäftigen. Ich brauche keine Ideologien, die mir vorschreiben, wie man sich als Frau zu verhalten, zu geben oder zu denken hat. Ich lehne es ab, mit derart beschränkten Sichtweisen konfrontiert zu werden, deren Hintergrund doch nur ein zutiefst inferiores Gedankengut ist, und ich werde mich damit nie wieder beschäftigen. Liebe Damen, ich kann nichts dafür, dass Ihr nicht imstande seid, Weiblichkeit in allen Facetten zu begreifen, das ist Euer Problem, und ich werde es nicht zu meinem machen. Letztendlich regt Ihr Euch nur darüber auf, dass ich mich Eurer Sichtweise nicht anschließen möchte. Diese Vorwürfe offenbaren einen Einblick in eine geistige Provinz, in der ich nicht mal tot über dem Zaun hängen möchte, salopp gesagt.

Etwas Persönliches am Rande: Zu meinen liebsten Hobbys gehören das Stricken, das Verspinnen von Wolle und das Kochen. Wenn eine der Damen mit ähnlich weiblich konnotierten Beschäftigungen in entsprechender Zahl aufwarten kann, bitte ich um Meldung. Außerdem diskutiere ich auf intellektueller Ebene über teilweise sehr komplexe Themen, kann mich klar und strukturiert ausdrücken, Lampen anschließen, einparken und noch einiges mehr, aber das macht niemanden zum Mann, und es macht einen auch nicht zu jemandem, der gern ein Mann sein möchte. Eher im Gegenteil.

Ich würde mir da also einen gelassenderen Umgang wünschen, gerade von feministischer Seite, und einen etwas erweiterten Horizont.

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May 25, 2011

Austeilen, aber nicht einstecken

Filed under: Sonstiges — admin @ 1:51 am

Auch ich las das Wettangebot im Blog von Julia Seeliger, und ich habe daraufhin einen Kommentar geschrieben, der lautete wie folgt (sinngemäß): “Ich fände, dass Julia Seeliger in fünf Jahren nicht mehr bei der taz ist, lustiger”. Dieser nicht ganz ernst gemeinte Beitrag enthielt weder einen Wetteinsatz noch irgendeine weitere Bemerkung (im Gegensatz zum Twitter-Post ähnlichen Inhalts).

Nun bekam ich von der Dame eine private Mail, in der sie mir mitteilte, dass sie meine E-Mail-Adresse an hatr gemeldet hätte und in der sie mich als “doofe Trollin” bezeichnete.

Edit: Gemeldet wurde der Kommentar, nicht die E-Mail, aber die hängt doch oft mit dran …

Allerwerteste Frau Seeliger, nur zu. Ich habe prinzipiell kein Problem damit, dass Leute sich zum Klappstuhl machen (immerhin sagte ich im Kommentar nichts, was nicht in der Wette auch enthalten war, nur eben anders herum); und angesichts dieser außerordentlich reifen Reaktion erlaube ich mir, diese Voraussage durchaus ernst zu nehmen. Der taz, die ich eigentlich sehr schätze, gratuliere ich zu dieser Mitarbeiterin.

Ach ja, löschen o. ä. nützt nichts; ich habe eine Screenshot des Blogbeitrags und auch Ihre Mail.

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May 18, 2011

Die gefühlte Provinz

Filed under: Piraten — admin @ 1:24 pm

Zurück aus Heidenheim an der Brenz und mit einem für Hamburger und die meisten Nordpiraten ungeliebtem Vorsitzenden. Das gab auf beiden Seiten viel Unmut, sowohl wegen der Wahl als auch wegen einer spürbar mangelnden Begeisterung für das Ergebnis.

Ich halte das für ein generelles Problem, und da stellt das Nord-Süd-Gefälle nur einen Aspekt dar. Der andere, meines Erachtens nach bedeutendere, ist der zwischen Provinz und Metropole. Der Norden gilt als weltoffener und liberaler, das gilt besonders für die größeren Städte, aber auch generell. Und es gibt immer Konflikte, wenn man Städtern jemanden aus der Provinz vor die Nase setzt. Münchner Protestanten können ein Lied davon singen, wenn sie, die großbürgerlich-gebildet-liberalen Bewohner einer Großstadt mal wieder einen Pastor aus dem Waldecker Land zugeteilt bekommen, der die Bibel am liebsten möglichst wörtlich auslegt. Im übertragenden Sinne gilt das auch für uns. Umgekehrt ist es auch schwierig, z. B. wenn jemand aus Hamburg oder Berlin zur Bürgermeisterwahl in … sagen wir: Heidenheim an der Brenz antreten würde, ohne mindestens achtzig Jahre dort gelebt zu haben.

Als Mensch mit norddeutscher Verwurzelung habe ich persönlich Erfahrungen in Baden-Württemberg sammeln dürfen, nämlich während meines Studiums in Heidelberg. An der Uni war es erträglich, da international und sehr gemischt, außerhalb war es so, dass ich nach einem Jahr Leben ohne Uni Job und Wohnung kündigte, um Richtung Norden zu fliehen, ohne Netz und doppelten Boden, und ich habe nie zurückgeschaut und es gewiss niemals bereut. Wie mir geht es vielen: Man hat eben vor der Provinz (vor allem vor der geistigen) auch ein bisschen Angst.

Dennoch ist alles auf lange Sicht halb so wild. Die peinlichen Fotos (ich sage nur: Hut und Jesus-Pose) werden auch irgendwann unaktuell, und ein Vorsitzender ist wenigstens bei uns nichts ohne die Basis. So wurde auch die Programmerweiterung gegen den Willen des ehemaligen Vorsitzenden Jens Seipenbusch beschlossen und begonnen. Im günstigsten Fall gelingt diesem Vorstand, die Landesverbände aneinander anzunähern (ich möchte nicht so optimistisch sein und von “einigen” sprechen, das gelänge wohl keinem Vorstand innerhalb eines Jahres), im ungünstigsten werden die nördlichen Landesverbände noch ein weiteres Jahr so tun, als wäre der Bundesvorstand nicht da. Aber zunächst werden wir der Dinge harren, die da kommen, in der Hoffnung, dass da etwas kommt,was die Partei voranbringt.

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February 16, 2011

Einladung zur Wahlparty – Extended

Filed under: Uncategorized,Wahlkampf — admin @ 11:56 am
Sobald wir selbst den Gang zur Urne vollzogen haben, treffen wir uns ab 16.00 Uhr im KIR, Barnerstraße 16, Hamburg-Altona, um es nach einem kurzen aber sehr anstrengenden Wahlkampf endlich mal richtig krachen zu lassen.
Auf dem Programm stehen:
- eine Twitterwall (ja, es wird hoffentlich W-Lan geben, denn ohne das sind wir nicht überlebensfähig)
- Verpflegung: kalt und warm, für Ominvoren, Vegetarier und Veganer (am Wahlsonntag bekochen Vorstandsmitglieder die Basis und unsere lieben Gäste.)
- Live-Musik: Planetarc – 4/5 Piraten, 5/5 NewRockWaveCover
- Konserve: Herr Grundmann
Da wir davon ausgehen, dass uns der Souverän mit mehr als nur ausreichend Stimmen bedenken wird, gibt es auch ausgelassene und angeheiterte Kandidaten und Vorstandsmitglieder, vermutlich beim Absingen schmutziger Lieder zu beobachten, aber wir wollen nicht zu viel versprechen.
Die Ü-Technik kann vor der Fabrik (in Laufweite) abgeparkt werden, wo eine ehemalige Volkspartei  ihren absehbaren und vielleicht letzten Wahlsieg begießen wird.
Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen und grüßen auf diesem Wege schon mal unsere Mitglieder, unsere Wähler, alle, die uns potentiell wählen wollen und alle, die überhaupt wählen gehen.
Nein, wir sind keine Spaßpartei.
Ihre/Eure
Piratenpartei Hamburg

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February 15, 2011

Einladung zur Wahlparty!

Filed under: Wahlkampf — admin @ 4:04 pm

Wir wählen nicht nur, wir feiern auch. Hier sind unsere Flyer zur Wahlparty. Gäste sind natürlich willkommen!

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February 13, 2011

Die PIRATEN und der Spaß

Filed under: Hamburg,Inhaltliches,Pressearbeit,Wahlkampf — admin @ 12:26 pm

Lange habe ich nichts mehr geschrieben; da ich im Vorstand des Landesverbandes Hamburg gelandet bin und nun auch noch im Wahlkampf stecke, waren meine Prioritäten einfach andere, aber nun ist es mal wieder an der Zeit.

Ich stehe momentan sehr viel an Infoständen, um als Kandidatin mit den Wählern zu sprechen, und ich bin froh, dass der Begriff “Spaßpartei” immer seltener fällt. Dies ist sicherlich unserer programmatischen Arbeit geschuldet; die Hamburger Piraten haben ein Landeswahlprogramm auf die Beine gestellt, das sich wichtigen und hamburgrelevanten Themen wie Stadtentwicklung, Bildung, Sicherheit, Umwelt/Energie und Verkehr widmet, und es ist mir eine Freude, es am Wahlstand zu verbreiten und zu vertreten. Belohnt werden wir durch das steigende Interesse, das vor allem eines deutlich macht: Wir werden ernst genommen, und unsere Ideen kommen gut an.

Leider ist das bei Presse und Medien nicht so. Generell ist das Medieninteresse an dieser Bürgerschaftswahl gering; den CDU-Hardliner aus Heidelberg wollen nur noch die ganz Unbeirrten wählen, Olaf Scholz, der sich unter anderem durch die umstrittene und mitunter tödliche Verabreichung von Brechmittel an Verhaftete hervortat, und seine SPD werden gewinnen, was nicht daran liegt, dass sie besonders gut sind, sondern eher daran, dass die anderen besonders schlecht agierten. Das ist nicht zu ändern.

Die wenigen Anfragen von Presse und Medien, die an uns herangetragen wurden, beschäftigen sich vor allem mit Spaß und anarchistischen Aktionen. Wir werden gezielt gefragt, ob wir nicht wieder was “Lustiges” machen würden, unser Spitzenkandidat Claudius Holler soll mitten auf einer Haupteinkaufsstraße eine “Brandrede” halten (was in Hamburg keine gute Idee ist) und alle wollen, dass wir möglichst nackt durch den Flughafen rennen, um gegen die sogenannten Nacktscanner zu protestieren, gegen die wir uns ja eindeutig positioniert haben.

Ich bin froh, auch als Mitglied des Presseteams der Hamburger Piraten, dass wir diesen Forderungen nach Action, Spiel und Spaß eine klare Absage zu erteilten: Wir wollen mit unserem Programm den Wähler überzeugen, und dafür arbeiten wir uns auf der Straße unter widrigen Bedingungen ab. Wir haben eine Menge kompetenter Menschen in unseren Reihen, u. a. einen Stadtentwicklungsprofi, und wir werden uns gewiss nicht verheizen, indem wir medienwirksame Bilder produzieren (lassen), die uns zwar ins Gespräch bringen, aber nicht in der Weise, in der wir es uns wünschen. Wir sprechen lieber mit den Bürgern auf der Straße, werben dort für unser Programm und gehen den unbequemen aber richtigen Weg. Uns macht das Spaß, Medien und Presse nicht so, aber das ist nicht zu ändern. Dann eben ohne medialen Aufriss. Die Presse ist ohnehin damit ausgelastet, von Herrn Ahlhaus’ Umbauten seiner Privatvilla auf Kosten des Steuerzahlers zu berichten oder über eine FDP-Spitzenkandidatin, deren Wahlwerbung zwischen Einrichtungshaus und Bekleidungsdiscounter angesiedelt ist.

Kurz gesagt: Nicht mit uns, liebe Medien.

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November 17, 2010

Antrag an den Bundesvorstand

Filed under: Uncategorized — admin @ 3:12 am

Wer ebenfalls der Meinung ist, dass die seit bisher SECHZEHN Monaten ausstehende Entscheidung des Landesschiedsgerichts RLP in der causa Bodo Thiesen untragbar und einer Partei, die sich der Transparenz verschrieben hat und eine neue politische Kultur etablieren möchte, nicht würdig ist, kann dies an dieser Stelle kundtun.

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November 15, 2010

Das hässliche Gesicht des Populismus

Filed under: Bildung,Grund- und Bürgerrechte,Vollpfosten — admin @ 2:30 pm
Es ist Herbst, der Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP laufen die Wähler in Scharen davon, und da kommt der Parteitag der CDU gerade recht, um sich populär zu positionieren, wenn es schon mit den Regierungsentscheidungen nicht so klappt.*
Ziel sind mal wieder die Schwachen unserer Gesellschaft, die mit wenig Lobby und in diesem Fall sogar ohne Wahlrecht: Die Migrantinnen und Migranten, die als “integrationsunwillig” erkannt wurden.
Niemand wird behaupten, dass es sie nicht gibt, die Einwanderer, die sich nicht integrieren können oder wollen; jedoch wird diese Gruppe, zu der es noch nicht mal wirklich belastbare Zahlen gibt, gern herangezogen, um die in ihrer Gesamtheit zu diffamieren, deren Arbeitskraft von unserem Staat so dringend benötigt wird: die Migranten, bevorzugt die moslemischen Bekenntnisses, ob sie hier am religiösen Leben überhaupt teilnehmen oder nicht.
Nun möchte die Union das Bleiberecht reformieren, wobei der niedersächsische Innenminister Schünemann vorschlägt, die Schulnoten von Kindern mit Migrationshintergrund als Kriterium für das elterliche Wohlverhalten im Sinne der christlich-jüdisch geprägten Leitkultur heranzuziehen: Gute schulische Leistung soll die Abschiebung der Familie verhindern.
Abgesehen davon, dass die meisten Unionspolitiker in Verlegenheit geräten, würde man sie konkret nach dem jüdischen Anteil der angeblichen Leitkultur fragen (wobei es diesen durchaus gibt, nur dass die meisten ihn nicht benennen könnten), übt dieser Maßstab einen unzumutbaren Druck auf Schüler mit Migrationshintergrund aus und verkennt, dass schlechte schulische Leistungen viele Ursachen haben, die nur zu einem Teil in der ungenügenden Beherrschung der deutschen Sprache liegen.
Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland haben über Jahrzehnte versäumt, eine Schulkultur zu etablieren, die den Schwächeren gerecht wird – oder gar denen, die aus dem Ausland zuzogen. Möglichkeiten zum gezielten Erwerb der deutschen Sprache außerhalb des regulären Unterrichts wurden nicht geschaffen; kein Lehrplan nahm auf die Rücksicht, deren Muttersprache nicht die deutsche ist. Dieses Problem ist ebenfalls seit Jahrzehnten bekannt, zu 100% hausgemacht, und nun soll es auf dem Rücken derer ausgetragen werden, die das Opfer einer kurzsichtigen und verfehlten Bildungspolitik sind.
Und weil Herr Schünemann anscheinend gerade so schön dabei ist, fordert er wahrscheinlich nicht minder publikumswirksam eine “Nationale Terror-Strategie”, eine strenge Überwachung von als radikal eingestuften Islamisten. Nun ist es ja nicht so, dass diese Leute nicht bereits überwacht würden; aber der Innenminister Niedersachsens geht mutig noch einen Schritt weiter: Besagte Verdächtige sollen mittels einer elektronischen Fußfessel  unter ständige Kontrolle gebracht werden. Ich würde doch von einem Innenminister erwarten, dass er weiß, was das Wort “Unschuldsvermutung” bedeutet, immerhin eine Säule des Rechtssystems. Interessieren würde mich hierzu die Haltung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Die Unionsparteien sind momentan bedauerlicherweise ganz am Puls der Zeit zu verorten; sie nehmen die Thesen eines Thilo Sarrazin und anderer islamophober Kräfte auf, die sie zunächst empört und medienwirksam von sich wiesen. Es wäre zu wünschen, dass der Bürger diese Rückkehr des islamfeindlichen und diffamierenden Populismus durch die Hintertür als das erkennt, was er ist: als ein Manöver, das von den eigenen Unzulänglichkeiten und Fehlschlägen ablenken soll – und von der Tatsache, dass das Volk  seinen wachsenden Unwillen über weltfremde politische Entscheidungen lautstark auf der Straße kundtut.

Die Piratenpartei wendet sich ausdrücklich gegen Diffamierung von Menschen jedweder Herkunft und plädiert für ein gerechtes Schulsystem, das allen Kindern, unabhängig von Herkunft, Bildungsstand der Eltern oder religiösem Bekenntnis gleiche Chancen einräumt und jedem Kind Zugang zu einer guten, zeitgemäßen Bildung garantiert.
*Quelle: faz.net

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November 2, 2010

Warum ich nicht mehr bei Facebook bin

Filed under: Uncategorized — admin @ 12:25 pm

Ich habe mein Profil bei Facebook löschen lassen, und ich fühle mich großartig damit. Ich hatte es nämlich satt, dauernd in meinem Profil auf versteckte, fiese neue Häkchen zu achten, die dringend entfernt werden mussten, um der Welt nicht meine privaten Daten kundzutun. Ich hatte auch keine Lust, mich dauernd mit mir völlig fremnden Menschen “befreunden” zu sollen, mit denen ich wahrscheinlich nicht eine einzige Gemeinsamkeit habe.

Wenn Herr Zuckerberg der Meinung ist, dass Privatsphäre in der heutigen Zeit obsolet ist, so ist es ihm unbenommen, alles, was man noch nie so genau wissen wollte, im Internet zu verbreiten oder meinetwegen von der Spitze des Empire State Buildings mittels Megaphon herunterzutröten, aber er möchte doch bitte nicht von sich auf andere schließen. Facebook ist eine krude Mischung aus Intransparenz (von Betreiberseite aus) und der totalen Transparenz (die User betreffend), dauerverklagt und nicht imstande, die Lecks befriedigend zu schließen. Jede Firma, die so agiert, wäre längst pleite, und das zu recht.

Ich war nicht mehr gewillt, dieses bizarre Gebaren über mich ergehen zu lassen, nur weil da “alle” sind und es kostenlos ist. Nun sind da eben alle außer mir, denn ich bin der Meinung, dass eine Migliedschaft bei Facebook mit meinem Selbstverständnis als Pirat nicht vereinbar ist.

Zuckerberg, ich bin nicht deine Putze, die hinter deinem Software-Müll hintererräumt und Löcher stopft, die Deine Software an allen Ecken und Enden aufreist. Klar?

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November 1, 2010

Der Tag nach der Wahl

Filed under: Hamburg,Internes — admin @ 11:50 am

Gestern war Landesparteitag in Hamburg, und es wurde endlich ein neuer Vorstand gewählt, nach einer Zeit des Chaos und dann der Stagnation (letzteres ist dem Umstand geschuldet, dass es monatelang einen kommissarischen Vorstand gab, nicht den Mitgliedern dieses Vorstandes selbst). Ich hatte diesmal die Gelegenheit, die Wahl nicht nur aus dem Zuschauerraum zu beobachten, sondern als Kandidatin.

Bei der Vorstellung der hoffnungsvollen Aspiranten wird fast immer eine Frage gestellt, die ich bisher nie sinnvoll beantworten konnte, nämlich die, was man im Vorstand tun kann, was als Basispirat nicht möglich ist (und diese Unfähigkeit, eine vernünftige Antwort zu finden, hielt mich neben anderem von der Kandidatur ab). Ich halte diese Frage für essentiell, und sie ist nicht so leicht zu beantworten wie in anderen Parteien. Ich habe niemals jemanden gewählt, der darauf mit Blabla geantwortet hat, und ich habe dem Auditorium da auch kein Blabla zumuten wollen. Denn wenn ich mich selbst nicht mit meiner Antwort überzeugen kann, bin ich im Vorstand fehl am Platz.

Diesmal ist es jedoch anders; ich habe Eigenschaften, die der LV Hamburg im Moment gut brauchen kann (so bin ich nicht leicht beleidigt und kann auch mit Leuten arbeiten, mit denen ich mich zoffe). Daher darf ich mich jetzt Beisitzer nennen, für – wenn diesmal alles gutgeht – ein Jahr.Vom leidenschaftlichen Basispiraten zu Vorstandsmitglied -so schnell kann es gehen.

Zu der vordringlichsten Aufgabe des neuen Vorstands wird gehören, den Landesverband wieder zu einen und zu motivieren, die dringend notwendige programmatische Arbeit voranzutreiben und überhaupt wieder das Vertrauen der Basis zu gewinnen – auch dadurch, dass wir nicht zu viel Chaos veranstalten. Ich bin optimistisch, dass dies mit dem neuen Vorstand gelingen kann.

Sobald ich die Frage, was ich als Vorstand tun kann, das als Basispirat nicht möglich ist, nicht mehr beantworten kann, werde ich nicht mehr kandidieren. Versprochen.

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