Piraten-Jinx

March 4, 2010

Ich bin selten so beleidigt worden …

Filed under: Piraten, Vollpfosten — admin @ 2:25 pm

… denn man hat mir unterstellt, mich in der neuen Piratinnen-Mailingliste eingetragen zu haben, obwohl ich ein Mann sei, was nicht gewünscht ist.  Es ficht die betreffende Dame auch nicht an, dass ich meine beiden Blogs angegeben habe, beide mit Impressum, beide bei Denic registriert. Und auch nicht, dass ich im Wiki der Piratenpartei meinen vollen Realname verwende. Aber wir wollen uns da anscheinend mit so etwas Lästigem wie Fakten nicht belasten.

Abgesehen von der Marginalie, dass ich kein Mann bin und auch keiner sein möchte, was mich an sich nicht beleidigt, finde ich es unsäglich, dass mir unterstellt wird, mich mit einer falschen Identität nebst gefakter E-Mail-Adresse irgendwo einzuschreiben, um eine Mitleserschaft zu erschleichen. Das war nie meine Art, und das wird auch nie meine Art sein. Es verrät allerdings einiges über die, die eine solche Verdächtigung in einer Mailingliste, für alle lesbar, äußert. Da dort ja ein Schutzraum sein sollte, wie wäre es mit einem, der in ihrem LV namens- und gesichtsbekannte Piraten vor der Paranoia weiblicher Piraten mit Problemen schützt? Meine Meinung mag nicht populär sein, aber sie war ehrlich geäußert, und letztendlich kann ich nur mit dem argumentieren, was dort mitgeteilt wird.

Die Dame warf mir mehrere Ungeheuerlichkeiten vor, die aus dem, was ich schrieb, nicht zu entnehmen waren, für alle Mitglieder lesbar, und wies mich an, ihr privat zu antworten oder im Forum, da sie die Liste nicht weiter vergiften lassen will. Abgesehen davon, dass ihr eigenes Gift in Form einer veritablen Verleumdnung anscheinend nicht so das Problem zu sein scheint. Nun ist meine Antwort auf die Mail nicht erschienen, da ich (oder alle, so genau konnte man das nicht erkennen) auf moderiert gesetzt bin, das heißt, man nimmt mir sogar die Möglichkeit, mich zu verteidigen. So nicht, meine Damen. Wenn das die Vorstellung von Schutzraum sein soll …

Ich hatte mich in der Liste eingetragen, weil mich interessiert, was genau das Problem ist und auch, weil ich an sich dafür offen war, selbiges in meinem Landesverband zu vertreten, auch wenn es nicht meines ist. Doch bisher wurde dort nichts Vertretungswürdiges geäußert, weil alles viel zu vage war, reine Einzelmeinungen geäußert wurden und ein “wir” bemüht wurde, das nicht belegbar ist. Dafür ist es mit der Akzeptanz konträrer Meinungen nicht so weit her, stattdessen wären eher hellseherische Fähigkeiten gefragt, um die vernebelten Erfahrungsberichte der ganz vagen Art zu etwas zu machen, was auch nur ansatzweise verwendbar wäre.

Das Problem, dass Zurückhaltende nicht gehört werden, ist übrigens kein weibliches. So gibt es Piraten, die mir gesichtsbekannt sind, von denen ich aber keine Ahnung habe, welche Meinungen sie vertreten, da sie diese nicht äußern. Nur dass die keine irreführenden Pressemitteilungen herausgeben und dies auch noch für völlig o. k. halten. Aber hauptsache, wir durften mal mit der Presse sprechen, nicht wahr?

Wie auch immer, mein weiblicher Verstand sagt mir, dass ich lieber mal wieder was ordentliches Inhaltliches mache, als mit diesem Getue (Wortwahl nach eigener Anschauung) weiterhin meine Zeit zu verschwenden. Eine derart unpiratige Verhaltensweise verdient einfach keine Aufmerksamkeit.

Ergänzung: Der Gerechtigkeit halber muss ich mitteilen, dass mein Post inzwischen freigeschaltet wurde, ob als Reaktion auf diesen Beitrag vermag ich nicht zu sagen.

Ergänzung2: Besagte Dame hat sich mittlerweile via Mailingliste entschuldigt, was ich annehme.

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March 2, 2010

Tschüss, Vorratsdatenspeicherung

Filed under: Grund- und Bürgerrechte, Piraten — Tags: — admin @ 8:49 pm

Das Bundesverfassungsgericht hat die Vorratsdatenspeicherung in der bisherigen Form gekippt (siehe heise online). Auch wenn dies nur ein Etappensieg für AK Vorrat, den CCC, die Piratenpartei und die vielen Organisationen und Privatleuten, die sich gegen dieses Gesetz engagiert haben, ist, stellt es doch ein richtungsweisendes Urteil dar.

Praktisch bedeutet dies, dass ab sofort keine Daten auf Verdacht mehr erhoben werden dürfen und dass bisher auf diesem Wege gesammelte Daten vernichtet werden müssen und z. B. vor Gericht als Beweis nicht mehr zulässig sind. Das Urteil hat jedoch eine tiefere Dimension.

Es bedeutet nämlich, dass der Staat seine Bürger nicht mehr unter Generalverdacht stellen darf, während er ungeniert Vertrauen einfordert. Es stellt die Unantastbarkeit der Privatsphäre endlich wieder über blinden Aktionismus von Politik und Gesetzgebung, die glauben, sich im Namen der Terrorbekämpfung alles erlauben zu können, über die Köpfe besorgter Bürger hinweg.

Das Gericht formulierte zudem auf ziemlich gnadenlose Weise, dass das Gesetz in der bisherigen Form dem Missbrauch Tor und Tür öffnete, was die Politik selbstverständlich verneinte. Es erspart den Bürgern, sich die Hysterie und den planlosen Aktionismus der Politik gezwungenermaßen zu eigen machen zu müssen. Da muss das Bundesverfassungsgericht als letztes Bollwerk der Bürgerrechte und der Vernunft gelten. Und das macht Hoffnung.

Wie die Nachbesserung, die kaum lange auf sich warten lassen wird, aussieht, bleibt abzuwarten. Dennoch kann man sagen, dass wir gewonnen haben, nicht nur die, die sich gegen dieses unsägliche “Jeder-ist-verdächtig-und-wir-kriegen-sie-alle”-Gesetz stark gemacht haben, sondern auch die Bürger selbst.

Dem Urteil dürfte eine öffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden, von dem die Gegner des Gesetzes nur träumen konnten. Daher bleibt zu hoffen, dass die Problematik eines Staates mit Allwissenheitsphantasien nun stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung eindringt und die “Ich-habe-doch-nichts-zu-verbergen”-Mentalität ablöst.

Wir alle haben gewonnen, zumindest vorerst.

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February 27, 2010

Wo laufen sie denn?

Filed under: Inhaltliches, Internes, Piraten, Programmatisches — admin @ 12:37 am

Immer wieder gern gehört: Die Piratenpartei ist weder links noch rechts, sondern vorne. Dies ist momentan leider nicht ganz richtig, zumindest was die Mitglieder angeht: die sind weder noch noch, sondern da, wo es bunt ist.

Das nachlassende Interesse von Medien und Öffentlichkeit nach der Bundestagswahl wurde völlig richtig als Chance begriffen, sich der inhaltlichen Arbeit mit voller Kraft zu widmen, was dringend geboten ist. Leider stagniert die inhaltliche Arbeit jedoch, vor allem auf Bundes, aber zumindest teilweise auch auf Landesebene (ich fühle mich nicht kompetent, hier für alle Landesverbände zu sprechen, daher beziehe ich meine Aussagen auf den Hamburger Landesverband). Dabei mangelt es nicht an Ideen oder Anregungen, aber sehr wohl an dem Durchhaltevermögen, dies auch umzusetzen. Auf Bundesebene, wo alles noch schwieriger ist, da man nur aus der Ferne korrespondieren, sich aber nur selten mal ganz wirklich zusammensetzen kann, ist alles noch schwieriger: In den Listen, auf denen ich mitlese, verheddert man sich sinnlos in endlosen Diskussionen, die nirgendwohin führen, schweigt sich aus, weil Einzelpersonen alles totreden, was eine konträre Meinung vertritt etc. Und man eröffnet Piratenpads im Dutzend.

Das Piratenpad ist das neueste Lieblingskind all derer, die endlich mal was tun wollen, aber nicht genau wissen, was sie eigentlich tun sollen, um des inhaltlichen Vakuums Herr zu werden. In einer durchschnittlichen Piratenmailbox sammeln sich leicht gefühlte fünfzig verschiedene URLs für Piratenpads mit so intuitiv begreifbaren Bezeichnungen wie http://piratenpad.xx/aölksdfjadhgasödk.htm. Das Tool ist nicht schlecht, wenn mehrere Leute gleichzeitig an einem Text arbeiten wollen, vorausgesetzt der Text ist streng monothematisch, nicht zu sehr untergliedert und vor allem nicht zu lang, sowohl was die Dokumentlänge angeht als auch die Bearbeitungszeit. Denn Anker kann man nicht setzen (was selbst in dem Schwarzen Loch, das wir Wiki nennen, möglich ist) und eine Gewähr, dass das Pad mit dem mühsam erzielten Ergebnis nach ein paar Tagen noch online ist, gibt es nicht. Also sind individuelle Sicherungskopien angesagt, um die Textsubstanz zu sichern, was meist zu einer Buchstabenwüste ohne Umlaute und Sonderzeichen führt (je nach Format). Im Fall eines Datenverlusts ist viel Disziplin von allen Beteiligten notwendig, um die aktuellste Version wieder online zu bringen (und nicht einfach irgendeine).

Überhaupt sind Tools das neue Allheilmittel gegen die Übel der inhaltlichen Leere. Die Tools sollen richten, was die Hirne nicht bringen, und das nächste Tool, das oft niemand bisher gesehen hat, der davon berichtet, ist echt ganz toll und wird es reißen.

Dazu wird auf Bundes- wie auf Landesebene reorganisiert, modifiziert und effizienter gestaltet, sollen Synergieeffekte bei der Optimierung helfen und anscheinend beliebig viele Kräfte eingebunden werden, für den Fall, dass sich auch noch die in den Wohnungen der Piraten befindlichen Hausstaubmilben an der inhaltlichen Parteiarbeit beteiligen möchten. Einstweilen sind es meist im Optimalfall eine Handvoll Leute, die in einem Bereich arbeiten (im ungünstigen Fall ist es gar keiner), für den Organigramme gezeichnet, neue Organisationsformen ins Leben gerufen werden, wo ein Mail oder ein Anruf es dicke auch tut und außerdem den Bullshitfaktor gering hält. Völlig offen ist, ob sich in absehbarer Zeit überhaupt die Menge an Leuten beteiligt, um diese theoretischen Strukturen sinnvoll mit echtem Leben zu erfüllen.

Dabei wird verkannt, dass weder eine neue Struktur noch ein neues Tool uns das Denken und die Arbeit abnehmen kann, denn solange die nicht geleistet wird, binden derartige Phantasien nur Zeit, Kraft und Energie, die dann da fehlen, wo sie eigentlich benötigt werden, nämlich bei der ganz konkreten und manchmal sehr mühsamen und langweiligen Sacharbeit. Ganz abgesehen davon, dass es sehr ermüdend ist, immer der aktuellen Sau nachzujagen, die gerade als “super-wichtig” durchs Dorf getrieben wird, aber ein paar Tage später wieder vergessen ist – zugunsten von etwas Neuem, das halt auch bunt oder  sogar noch bunter ist. Bei sinnvoller Themen- oder infrastruktureller Arbeit stört so ein blinder Aktionismus nur.

Denken und Ideen sinnvoll entwickeln kann man auch mit Stift und Papier.

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February 22, 2010

Entwurf für einen offenen Brief an den Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland

Filed under: Piraten, Vollpfosten — admin @ 2:36 am

Hier geht es zum Entwurf eines Offenen Briefes an den Bundesvorstand der Piraten Deutschland. Die Idee hierfür stammt von der Mailingliste der Piratenpartei Hamburg.

Falls irgendwer den Text löscht, hier zur Sicherheit die Urversion, ganz ohne nerviges Wiki-Versionen-Gefrickel:

Ahoi,

als Basispirat bringe ich hiermit meine Irritation gegenüber dem Vorstandsmitglied Stefan “Aaron” Koenig und den Reaktionen der übrigen Vorstandsmitglieder auf das durch dieses Mitglied verursachte Probleme zum Ausdruck

Das Vorstandsmitglied Stefan “Aaron” Koenig tat sich zunächst durch Äußerungen gegen den Islam hervor, die Angehörige dieser Weltreligion in einer pauschalisierenden Weise als homogene, potentiell unsere Gesellschaft bedrohende Gruppe diffamierte. Dies entspricht nicht nur nicht der modernen Lebenswirklichkeiten in einem Land Mitteleuropas, sondern auch den Grundsätzen der Piratenpartei Deutschlands, in denen die Gleichheit aller Menschen unabhängig u. a. ihres Bekenntnisses betont wird. Dies befremdete einen relevanten Teil der Basis und führte u. a. dazu, dass Stefan “Aaron” Koenig freiwillig anbot, Beiträge für sein Weblog vor Veröffentlichung gegenlesen zu lassen und zu einer wiederholten Modifikation des Textes “Über den Autor” in der Seitenleiste.

Nach meinem Kenntnisstand kam es niemals zu einer redaktionellen Überprüfung der folgenden Beiträge, stattdessen veröffentlichte Stefan “Aaron” Koenig wiederholt Texte, die aus piratiger Sicht zumindest zweifelhaften Inhalts waren. Als traurige Höhepunkt kann der Beitrag Zum Jahrestag der iranischen Diktatur angesehen werden, in dem ein militärischer Erstschlag gegen die Atomanlagen des Iran favorisiert wird. Dies widerspricht dem Wahlprogramm der Piratenpartei Deutschlands zur Europawahl 2009 eindeutig. Für den Fall, dass dem Vorstand diese Tatsache nicht bekannt ist, erlaube ich mir die Einfügung des entsprechenden Verweises.

Nachdem der Antrag des Landesverbandes Hamburg, das Vorstandsmitglied Stefan “Aaron” Koenig bis zur nächsten Vorstandswahl zu beurlauben, mit einer Gegenstimme abgelehnt worden war, erklärte sich Stefan “Aaron” Koenig bereit, sich nicht mehr im Namen der Partei zu äußern.

Hierbei wird die Tatsache, dass die Äußerungen des Privatmanns Stefan “Aaron” Koenig von der Öffentlichkeit wie auch teilweise von der Basis kaum von denen des Privatmanns unterschieden werden kann, ignoriert oder verkannt. Dabei sollte dem Vorstand dieses Phänomen aus der Tagespolitik sattsam bekannt sein.

Der Vorstatz des Vorstandmitglieds Stefan “Aaron” Koenig hielt jedenfalls nicht mal bis zur nächsten Vorstandssitzung an, denn noch in derselben Woche erschien ein Beitrag u. a. mit seiner Mitwirkung zum Thema Iran und atomare Bedrohung (Streit der Woche). Es ist offensichtlich, dass Stefan “Aaron” Koenig hierzu eingeladen wurde, da er Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Deutschland ist, denn an der Meinung eines höchstens in Fachkreisen bekannten Medienunternehmers dürfte kaum ein öffentliches Interesse bestehen, vor allem, wenn man Positionen und/oder Funktionen der übrigen Diskussionsteilnehmer berücksichtigt.

Stefan “Aaron” Koenig hat wiederholt bewiesen, dass er als Medienpirat nicht die notwendige Eignung besitzt und nicht über das ebenso notwendige politische Gespür für eine solche Aufgabe verfügt. Daher fordere ich den Vorstand unmissverständlich auf, den Willen eines relevanten Teils der Basis nicht länger zu ignorieren und ihm seine Befugnisse sowie seinen Posten bis zum nächsten Bundesparteitag durch Beurlaubung zu entziehen, um weiteren Schaden von der Partei abzuwenden.

Gezeichnet: –Anne Alter 01:30, 22. Feb. 2010 (CET), nur ein einfacher Pirat aus Hamburg

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February 20, 2010

Where is our PAV, Bundesvorstand?

Filed under: Internes, Piraten, Skandale, Vollpfosten — admin @ 5:45 am

Der Landesvorstand der Hamburger Piraten hat den Bundesvorstand der Piratenpartei mittels eines Antrags ersucht, Stefan/Aaron Koenig wegen wiederholt bewiesener Nichteignung für seinen Posten im Sektor Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von selbigem zu beurlauben, ihn quasi in die Untätigkeit zu entsorgen und damit Schaden von der Partei abzuwenden. Wer unseren Vorstand kennt, der ahnte vielleicht, dass er in solchen Fällen das tut, was er immer zu tun pflegt: nämlich nichts. Der Mann soll – so sprach der Vorstand  mit Ausnahme eines wackeren Aufrechten, nämlich Andi Popp – bitte zukünftig vermeiden, für die Partei zu sprechen und seine Privatmeinung in seinem privaten Blog bitte noch deutlicher kennzeichnen als bisher. Derartige kosmetische Reparaturen sind nicht zielführend, denn nur der Status als einfaches Mitglied würde das bewirken, was sich viele von uns wünschen, nämlich dass der Name Koenig aus den aktuellen Veröffentlichungen von und über die Piratenpartei und ihren Vorstand getilgt werde und zu dem wird, was er verdient: zu einer peinlichen Fußnote in den Annalen der noch jungen Partei. Als einfaches Parteimitglied könnte er dann erzählen, was er will, denn vor peinlichen Typen und Spinnern ist keine Partei gefeit, auch die PIRATEN nicht. Es hätte so schön sein können, aber nein: Aaron/Stefan bleibt uns erhalten, wenn auch ohne erkennbare Funktion. Somit ist unklar, was er – außer der Teilnahme an den Telefonkonferenzen des Vorstands – eigentlich tun soll. Nett wäre gewesen ihn mit “sonstigen Aufgaben” zu beschäftigen. Das kennen wir alle aus der Teamarbeit, das “Mädchen für alles”, das für nichts richtig geeignet ist und daher mit einfachen Tätigkeiten beschäftigt wird, in der stillen Hoffnung, dass es in dieser Funktion am wenigsten stört. Aber nein, das “Stefan, das Klopapier ist alle!” wird ein Traum bleiben und nie durch die Räume der Geschäftsstelle schallen.

Dies bringt mich zu der Frage, was denn nun mit der beschlossenen Einleitung des Parteiausschlussverfahrens gegen Bodo Thiesen ist? Da war doch noch was? Richtig! Dafür haben einige von uns gekämpft, viele Piraten unterstützten dies, der Vorstand schloss sich den Forderungen an, und seitdem herrscht das Schweigen im Walde. Das heißt, es gab eine Wiedervorlage und einen Antrag, das Verfahren endlich einzuleiten. In der jüngsten Telefonkonferenz des Bundesvorstands wurde schließlich verkündet, dass man dabei ist, das aber Zeit braucht. Beschlossen wurde es im Juli, jetzt ist Februar, fast März, und der nächste Bundesparteitag ist nicht mehr weit. Jeder versteht, dass Sorgfalt wichtig ist in einer solchen Angelegenheit, dass ein solcher Antrag sauber formuliert werden muss, aber solange man ihn nicht in Altgriechisch schreiben muss, dürfte das schon ein kleines bisschen schneller gehen, trotz Bundestagwahl, den Weihnachtsfeiertagen und was sonst noch so anstand. Es wird sicherlich versierte Kräfte in der Partei geben, die da behilflich sein können, z. B. ehemalige Schiedsgerichtsmitglieder.

Es drängt sich nicht nur mir der Eindruck auf, dass man im Bundesvorstand gesinnt ist, die Sache schlicht auszusitzen und die “Causa Thiesen” irgendwann mal verhandelt wird, oder auch nicht, aber bitte auf keinen Fall während der eigenen Amtszeit. Mögen sich andere damit beschäftigen.

Werden wir auch. Nicht nur mit Thiesen, sondern auch mit Aaron/Stefan Koenig und dem Bundesvorstand insgesamt (vielleicht mit Ausnahme von Andi Popp und natürlich unseres allseits geschätzten und außerordentlich fähigen Schatzmeisters, Bernd Schlömer). Der nächste Bundesparteitag kommt bestimmt. Und wir kommen auch.

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February 17, 2010

Was soll Schule leisten?

Filed under: Hamburg, Inhaltliches, Schulreform — admin @ 6:21 am

In Hamburg kommt eine Schulreform auf uns zu, und vor dieser Reform kommt – falls kein Wunder geschieht – ein Volksentscheid über dieselbe. Die PIRATEN des Hamburger Landesverbandes haben entschieden, eine Abstimmungsempfehlung zu geben. Diese soll fundiert und überlegt geschehen, und zu diesem Zweck wurde die AG Schulreform gegründet, die ich koordinierte. Wir recherchieren ergebnisoffen und werden unsere Erkenntnisse so neutral wie es menschlichen Wesen möglich ist, auf einem Themenkongress präsentieren. Ich möchte auf unsere Recherchen an dieser Stelle noch nicht eingehen, da diese noch nicht abgeschlossen sind.

Beim heutigen Treffen der Hamburger PIRATEN wurden erste Zwischenergebnisse vorgestellt, und es entstand eine interessante Diskussion, in deren Verlauf die Frage gestellt wurde, was die Schule leisten soll. Eine Antwort war, dass sie Kinder nach vorne bringen soll.

Hört sich gut an, nur ist unklar, was “vorne” bedeutet. Ist man vorne, wenn man einen Luxusklasse-Wagen vor dem schmucken Eigenheim hat, selbst, wenn man abseits seiner beruflichen Qualifikation die geistige Dimension eines Stücks Toasts hat und ethisch so beschlagen ist, dass die Mitmenschheit einem lieber aus dem Weg geht, außer sie werden dafür bezahlt, sich in der Nähe aufzuhalten? Ist es eine umfassende Bildung? Soziale Kompatibilität, Denken und Handeln innerhalb der ethischen Werte unserer Gesellschaft? Wie wichtig ist Kreativität?

Eltern beantworten diese Fragen sehr unterschiedlich und Jugendliche werden meist überhaupt nicht gefragt, wie sie darüber denken. Eltern sind, was ihren eigenen Nachwuchs angeht, erstaunlich beratungsresistent. Das gilt nicht nur für die, die der Meinung sind, eine muntere Schar Hochbegabter und/oder Indigo-Kinder (je nach Anschauung) in die Welt gesetzt zu haben, und sich strikt weigern, auf die Hinweise der Lehrer einzugehen, die zu erklären versuchen, dass das Wunderkind in der dritten Klasse ein A nicht von einem X unterscheiden kann und außerdem seine Mitschüler prügelt. Es gilt auch, wenn das eigene Kind eigene Wünsche in Bezug auf Schultyp, Fächerauswahl, weitere Ausbildung zu Gehör bringt. Dies ist oft im Teenageralter der Fall, wird auf die wenigstens jetzt sehr praktische Pubertät geschoben und negiert, denn das renitente Gör hat ohnehin keine Ahnung. Das weiß ich aus eigener, leidvoller Erfahrung, obwohl ich intelligente, gebildete und verständnisvolle Eltern hatte bzw. habe, und nicht jedes Kind hat die Kraft, den Bürgerkrieg in der eigenen Wohnung anzuzetteln (den Krieg habe ich übrigens gewonnen – er dauerte etwa vier Jahre lang, und es hat nicht immer Spaß gemacht).

Eltern meinen es im günstigen Fall wirklich gut, nur ist gut gemeint nicht immer auch gut gemacht. Hinzu kommen gesellschaftliche Umbrüche, die eine Delegierung von Aufgaben an die Schule erzwangen, die früher eigentlich Aufgabe des Elternhauses war.

Die Politik neigt dazu, Eltern wieder in die Pflicht zu nehmen und negieren eben diese Umbrüche, die – wie immer man zu ihnen stehen mag – nicht umkehrbar sind. Das Bildungswesen darf die Augen nicht davor verschließen, dass es Eltern gibt, denen es egal ist, ob ihre Kinder in die Schule gehen und einen Abschluss erwerben, dass es Alleinerziehende gibt, die inklusive Arbeitsweg 12 Stunden aushäusig beschäftigt sind oder dass es Elternhäuser gibt, in denen Erziehungsberechtigte unserer Sprache so wenig mächtig sind, dass sie nicht verstehen, was von ihnen erwartet wird und dies  – bei allem guten Willen – nicht imstande sind zu leisten.

Die Frage, was die Schule leisten soll, wird meist mit der klangvollen Aussage beantwortet, dass sie “für das Leben fit machen soll”. Hört sich gut an, sagt gar nichts, und vor allem braucht ein Künstler eine andere Fitness als jemand, der in einem sozialen Beruf arbeitet, und die Fitness eines Bankdirektors oder Anwalts sieht anders aus als die eines zukünftigen Arbeitnehmers, für die der Arbeitsmarkt schlicht keine Arbeit mehr hat (jetzt nicht mit “wer arbeiten will, der kann auch arbeiten kommen, ich verweise auf das Verhältnis offener Stellen zu verfügbaren Arbeitskräften, und da berücksichte ich unsere exorbitante versteckte Arbeitslosigkeit großzügigerweise noch gar nicht).

Wenn ich nach genauem Nachdenken die Antwort auf obige Frage auf einen Satz herunterbrechen soll, dann bin ich nur zu einem Schluss gekommen, der mir sinnvoll erscheint: Schule soll ihre Schüler befähigen, die eigenen Möglichkeiten, Neigungen und Begabungen zu erkennen, diese fördern und die Wege aufzeigen, wie man zu einem Leben findet, das dem gemäß ist. Damit das funktioniert, braucht der Schüler eine Art gesunder Halbbildung, mehr ist angesichts des sich ständig mulitplizierenden Wissens ohnehin nicht mehr möglich. Wichtig ist, dass man lernt, wie man lernt, was man im Leben braucht, und das ist sehr unterschiedlich.

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February 14, 2010

Zielführende Diskussionskultur, wo bist Du?

Filed under: Inhaltliches, Piraten — Tags: , — admin @ 8:26 pm

In der Piratenpartei – wie auch anderswo, wo es basisdemokratisch zugeht – steht man bei der Beiteiligung an allgemeinen Diskussionsmedien immer wieder vor dem Problem, dass eine zielführende Diskussion nicht zustande kommt oder im Keim erstickt wird.

Zielführend zu diskutieren heißt nun nicht, dass alle einer Meinung sein müssen, ganz im Gegenteil. Es bedeutet, dass man bei der Beleuchtung eines Themas fakten- und themenorientiert diskutiert, auf Argumente mit Gegenargumenten reagiert (und nicht mit erleuchteten Weisheiten à la “Du bist doof”) und dass man sich um einen Konsens bemüht.

Leider werden Diskussionswillige immer wieder vertrieben von Leuten, die permanent schwafeln, faseln, einen mit einer Wall of Text zubomben, vom Thema abschweifen, ihre Argumente so oft wiederholen, bis niemand mehr etwas schreiben mag etc. Zielführend geht anders, und für thematisch arbeitende Gruppen ist dies der GAU.

Dies ist ein Dilemma der Piratenpartei: Sie will und muss basisdemokratisch sein, denn deswegen sind die meisten von uns eingetreten. Das bedeutet auch, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zu äußern und seinen Standpunkt zu erläutern. Dazu stehen wir, aber wir müssen eben einen Weg finden, wie wir trotzdem irgendwie zum Ziel kommen.

Das kann und darf nicht heißen, Leute von der Diskussion abzuhalten, indem man sie ausschließt, oder gar nichts mehr zu schreiben.

Stattdessen sollten sich die, die an einer echten, zielführenden Diskussion interessiert und imstande sind, eine solche auch zu führen, innerhalb der Mailingliste zusammenschließen und die, die das nicht wollen oder können, einfach mal ignorieren. Und zwar, wenn nötig, dauerhaft – nachdem man abgecheckt hat, was die wollen und ob die nicht doch etwas beitragen können. Hilfreich ist immer, Leute aufzufordern, etwas auszuarbeiten, die eigenen Thesen genau zu erläutern oder zu belegen. Das hat den Vorteil, dass es Schwafler sinnvoll beschäftigt und zudem sinnvolle Inhalte erkennbar macht. Im Idealfall kommt irgendwann tatsächlich so etwas wie ein Konsens heraus.

Das klappt jedoch nicht immer. Oft stehen sich Vertreter konträrer Meinung gegenüber. Die meisten Menschen haben das Ziel, so lange weiterzudiskutieren, bis alle glücklich sind., die Gegenseite eingesehen hat, dass man doch recht hatte und man sie freudig an die eigene, natürlich viel breitere, stärkere und bessere Meinunsbrust drücken kann. Doch manche lassen sich hartnäckig nirgendwohin drücken, und oft genug haben sie ihre Gründe dafür.

Über Inhalte entscheidet ein Landesparteitag (auf Landesebene) oder eben der Bundesparteitag (auf Bundesebene). Es spricht nichts dagegen, gegensätzliche, gut ausgearbeitete Thesen vorzutragen und die Versammlung darüber abstimmen zu lassen, welchen Pfad man als piratig erkennt und weiterverfolgen möchte.

Es gilt eben, dass nie alle glücklich sein werden und dass es eine Illusion ist, eine Partei zu finden, mit der man zu 100% überreinstimmt – es sei denn, man gründet selbst eine und läd maximal Leute ein, die ohnehin zu allem Ja sagen. Realistisch sind 70 – 75% Übereinstimmung (das ist eine ganze Menge und würde ich für mich als Untergrenze definieren), Normal sollten 80+% sein, und 90% sind toll. Die sind in einer kleinen Partei mit begrenztem Themenspektrum natürlich leichter zu erzielen als in einer großen, die alle Themenbereiche irgendwie abdeckt. Aber das darf keine Entschuldigung sein, um sich davor zu drücken, konkrete Positionen zu entwickeln, Themenbereiche zu erschließen und auszuarbeiten und dafür bitte auch die Verantwortung zu übernehmen.

Das ist nämlich, was im Wahlkampf immer wieder an uns herangetragen wurde: Die Frage nach konkreten Positionen und konkreten Antworten, nicht nur neue Bereiche betreffend, sondern auch unsere Kernthemen.

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February 12, 2010

Kompetenz

Filed under: Internes, Nervköppe, Piraten, Vollpfosten — admin @ 7:41 pm

Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir die Kompetenzpartei seien, wir sagen gern, dass wir weder rechts noch links, sondern vorne sind, und das ist schön. Noch schöner wäre, wenn es auch wahr wäre.

Bei den Piraten lässt sich ein überdurchschnittliches Bildungsniveau feststellen, der Wille, sich politisch einzubringen, eine Menge Kompetenz auf vielen Gebieten bei den Mitgliedern sowie der Wunsch, auf eine andere Art Politik zu machen, als die etablierten Parteien das tun. Dies macht die Piraten für viele attraktiv, die vorher nicht politisch aktiv waren, und das gilt auch für mich.

Leider lässt sich diese Kompetenz in den Führungsetagen der Partei nicht immer erkennen, teilweise darf man sie gar mit dem Staubkamm suchen. Unser oberster Medienpirat, der ob angeblicher Medienkompetenz in sein Amt gewählt wurde und nun deutlich zeigt, dass er entweder nicht weiß, was Medienkompetenz ist, oder dass es ihm scheißegal ist (was beides ungefähr auf dasselbe hinausläuft), ist hierfür ein gutes Beispiel. Wir, die Kompetenten und Intelligenten, haben ihn auf dem letzten Bundesparteitag in Hamburg auch gewählt, weil er sich geschickt dargestellt hat, und das ist, was wir für diesen Posten brauchen. Das war nicht schlau, vielleicht sollte man niemanden wählen, der erst seit 14 Tagen in der Partei ist, wie Aaron/Stefan Koenig damals, aber wir haben gelernt (auch ich habe gesündigt, ich war politisch jung und wusste es nicht besser). Wir werden uns hoffentlich auf dem nächsten Bundesparteitag weniger inkompetent und unintelligent gebärden.

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass es nicht immer die Besten und/oder Geeignetsten sind, die sich zur Wahl stellen, und man muss eben auch das wählen, was da ist, und das ist eben nicht immer das, was man gern wählen würde. Oft ist es auch ein Zeitproblem, das Piraten von einer Kandidatur abhält – und es ist natürlich zu begrüßen, wenn ein Kandidat sich bewusst ist, dass er wegen Zeitmangels ein Amt nicht so wird ausfüllen können, wie er gern möchte. Dies führte jedoch zu einem beklagenswerten Zustand, der nicht alle Vorstandsmitglieder der Piraten betrifft, aber doch zu viele.

So haben wir neben unserem Obersten Unfähigen/Unwilligen/Unbelehrbaren auch Leute, die gern vorn stehen wollen, auch wenn sich nicht erschließt, warum (an den entsprechenden Fähigkeiten kann’s nämlich nicht liegen, denn die sind nicht vorhanden), Leute, die einfacheren gesellschaftlichen Situationen nicht gewachsen sind, Intriganten, Leute, die Chaos verbreiten und strukturierte Arbeit nicht mal erkennen würden, wenn sie sie in den Hintern beißt. Und es gibt viele Namen, die man kennt.

Die Namen, die man kennt, sind auch problematisch. Sie zeichnen sich oft durch eine langjährige Parteimitgliedschaft aus (also ab 2006 oder 2007) und haben während ihren Amtszeiten nicht allzuviel Mist gebaut. Letzteres ist natürlich erfreulich, ersteres erinnert fatal ans Politbüro oder an den Bundespräsidenten. Sie sind die Wahl im Zweifelsfall, die Wahl, mit der man am wenigsten falsch machen kann. Sie sind die, die eben immer da waren. Und – zum Teil – leider auch immer noch da sind, wo sie von Anfang an waren, und das ist im  Vorstand. Es ist beileibe nicht jeder Altgediente ungeeignet, aber sie sind nicht per se geeignet, nur weil sie da sind. Und eben altgedient.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns von diesem “der ist nett und der ist blöd” befreien, ebenso von “den kenn ich schon lange”, dass wir uns mit unseren Kandidaten im Vorfeld eingehend beschäftigen, und nicht erst am Wahltag. Dass wir keine Frauen wählen, nur weil sie niedlich oder einfach nur vorhanden sind. Dass wir lernen, dass Kompentenzbefreitheit ein Ausschlussgrund für ein Parteiamt sein muss.

Die Piraten sind keine Politprofis, und das gilt eigentlich für die Mitglieder aller kleinen Parteien, und sogar für die Großen, abseits der Führungsriegen. Aber das ist keine Entschuldigung, denn ein gewisses Maß an Professionalität sollte man von Berufs wegen schon haben (egal, welcher Beruf das ist). Wer das im Beruf nicht braucht und nie gelernt hat, wird es auch in einem Parteiamt nicht tun. Professionalität hat viele Gesichter und Aspekte, nicht jeder eignet sich für jede Aufgabe gleich gut, aber etwas mehr Eignung wäre bei manchen schon ganz schön.

Ich fordere daher keine Frauenquote für unsere Kandidaten, wie es so oft an uns herangetragen wird, sondern eine Kompetenzquote.

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Nachtrag: Politiblöd (leider)

Filed under: Piraten, Vollpfosten — Tags: — admin @ 5:53 pm

In meinem gestrigen Blogpost habe ich zwei Aussagen getroffen, die ich ergänzen muss:

1. Ich habe geschrieben, dass Aaron/Stefan Koenig im Sidebar seines Blogs vermerkt hat, dass er zwar seine persönliche Meinung äußert, diese aber im Einklang mit den Grundsätzen der Piratenpartei steht. Den Einklang hat der gute Mann leider still und leise entfernt, jedoch liefert NicsBlogHaus den Beleg, der nun nicht mehr uns Opponenten blamiert, die sich auf die ursprüngliche Version beriefen, sondern Herrn Koenig selbst. Und das ist doch ganz schön, finde ich.

2. Des Koenigs Bereitschaft, seine Blogposts von der Presseabteilung der Bundespiraten gegenlesen zu lassen, habe ich texlich belegt; im Interview mit Piratenradio in der gestrigen Sondersendung zum Fall des Koenigs hat ein Mitglied des dortigen Presseteams jedoch erwähnt, dass die Abteilung nie ein Post zur Kontrolllesung erhalten hätte. Die Interviews werden demnächst zum Download bereitgestellt, sind jedoch leider noch nicht online.

Ansonsten fordere ich Herrn Koenig auf, sein Geschriebe mal einzustellen, denn es gibt eine Menge Piraten, die sich um inhaltliche Arbeit bemühen und versuchen, Mitpiraten dafür zu interessieren. Diese sind not amused, dass auf den Mailinglisten  und in anderen Kommunikationsmedien nun Bullshit eines Fehlgeleiteten diskutiert wird anstelle von Sachthemen.

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February 11, 2010

Politiblöd

Filed under: Skandale, Vollpfosten — Tags: — admin @ 3:51 pm

Er hat es wieder getan: Stefan, Aaron, wie auch immer, hat ein Blogpost abgesetzt. Diesmal sind es wieder die Moslems (haben wir da ein kleines persönliches Problem, Herr Koenig?), genauer gesagt: Die Wucht der Koenig’schen Missbilligung trifft diesmal den Iran.

Die Beurteilung des Iran in politischer, soziologischer und historischer Hinsicht ist ein sehr komplexes Thema, das ganze Bibliotheken füllen kann, und es ist müßig, dies in einem begrenzten Kontext wie einem Blogpost auch nur zu versuchen. Fahrlässig ist es, eine derart beschränkte Sichtweise anzuwenden, wie Stefan/Aaron Koenig dies tut. Kaum jemand wird den Iran als Hort der Menschenrechte und der parlamentarischen Demokratie westlichen Zuschnitts bezeichnen, aber wie immer man das Regime einschätzen mag: Das Geschriebene ist mit den Grundsätzen der Piratenpartei, die sich ausdrücklich für die Favorisierung friedlicher, politischer Lösungen ausgesprochen hat, nicht vereinbar, und da wird es dann auch richtig problematisch, denn Herr König bezeichnet seine Posts ja als genau das.

Es möge dieses Zitat, das ein vollständiger Absatz ist, als Beleg dienen:

Ich fürchte, dass die Zeit für Verhandlungen und Kompromisse vorbei ist. Durch gezielte Schläge gegen die iranischen Atomanlagen muss der Westen jetzt den Machthabern in Teheran zeigen, dass wir uns von ihnen nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen. Dies könnte im besten Fall das Regime so schwächen, dass die iranische Freiheitsbewegung es stürzt, so wie im Februar 1979 der Schah gestürzt würde. Dies wäre dem iranischen Volk und dem ganzen Nahen Osten zu wünschen. Hoffentlich besitzt Präsident Obama – der im Gegensatz zu seinem Vorgänger weder Kriegstreiber noch “Kreuzritter” ist – die Stärke, diesen unangenehmen aber notwendigen Schritt durchzusetzen.

(Stefan/Aaron Koenig, Politicool, Zum Jahrestag der Iranischen Diktatur)

Menschlich ist dieses Blogpost verständlich, wenn auch nicht verzeihlich: Es ist ein bisschen wenig los auf Bundesebene wie auch in den meisten Ländern. Wir beschäftigen uns mit dem drögen Bohren dicker Bretter, will sagen: mit inhaltlicher Arbeit. Damit scheint Herr Koenig es nicht so zu haben, und so wirkt es, als wolle er das Defizit der medialen Aufmerksamkeit dadurch ausgleichen, dass er befremdliche Blogposts unters Piraten- und sonstige Volk bringt.

Das ist nichts ungewöhnliches – viele Piraten tun dies. Nur eben auf eine weniger verhaltensauffällige Weise. Für die überwältigende Masse der politisch bloggenden Piraten scheint es kein Problem darzustellen, eine eigene, in der Satzung (noch) nicht verankerte Meinung zu äußern, ohne dass das zu großen Kontroversen führt oder parteischädigend wirkt. Bedenklich ist, dass der oberste Medienkompetenzpirat dazu augenscheinlich nicht willens und/oder imstande ist.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass er ja ob seiner Unfähigkeit, inhaltlich saubere Postings zu verfassen, hoch und heilig zugesichert hat, jedes Blogpost gegenlesen zu lassen (zu finden hier) Ich zitiere:

Als Zeichen meines guten Willens biete ich an, meine Blog-Artikel in Zukunft von der Pressestelle der Piratenpartei gegenlesen zu lassen

Über Twitter laufen gerade Meldungen auf, in denen Mitglieder der Pressestelle verkünden, das neueste Machwerk aus dem Hause König nie gesehen zu haben. Ist der gute Wille etwa schon aufgebraucht?

Was sollte die Partei daraus lernen? Persönlich wäre es mir am liebsten, Herr Politicool würde sich eine andere Spielwiese für seine politische Coolness suchen oder mindestens seinen Posten räumen. Da dies jedoch eine Utopie ist, wünsche ich mir, er würde geräumt werden, und zwar schnell. Und sich, da er als politischer Autor im Sinne der Piratenpartei nicht taugt, ein schönes Hobby suchen, über das er schreiben kann.

Zudem sollte die inhaltliche Arbeit im Vordergrund stehen: Auch wenn es zu früh ist, ausformulierte Positionen zum gesamten Themenspektrum zu erarbeiten, wären ein paar grundsätzliche Aussagen zur Außenpolitik sicherlich hilfreich, um die Löcher zu stopfen, durch die dieser Ideologie-Aal sich leider zu winden versteht.

Aber wahrscheinlich wird es der nächste Bundesparteitag richten müssen, nur dass der innerparteiliche Schaden mit jedem zweifelhaften Post immer größer wird. Aber er wird es richten, da bin ich sicher.

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