Piraten-Jinx

December 11, 2009

Aber sonst sind wir gesund: Staatshilfe für Zeitungen

Filed under: Bildung, Vollpfosten — admin @ 10:04 pm

Als ich auf Spiegel Online diesen Artikel las, fragte ich mich, ob Staatshilfen nun zur Standardoption für krisengeschüttelte Branchen werden sollen, sogar für die, die unabhängig von dem Ungemach der weltweiten Wirtschaftskrise in die Bredouille gerieten.

Die Krise der Zeitungen ist hausgemacht; ich bin sicher, dass in der Bevölkerung in dieser Zeit der gezielten massenmedialen Desinformation, in der jeder über Ehekrisen und Seitensprünge von Supersportlern (ehrlich, wen interessiert’s?) informiert ist, aber nur wenige das Swift-Abkommen überhaupt kennen, mehr denn je ein Bedarf an seriös und sorgfältig aufbereiteten Nachrichten besteht. Ich glaube also nicht, dass eine gesunkene Nachfrage nach echter Information Problem ist, sondern der Wunsch der Zeitungsverlage, alles haben zu wollen.

Man wünscht sich nach wie vor den Zeitungsleser, der morgens am Frühstückstisch die Ausgabe seines Leib- und Magenblattes durcharbeitet, will aber auch bei Google an erster Stelle stehen, wenn bestimmte Suchworte eingegeben werden. Daher gibt es auch die mehr oder weniger schlampig aufbereiteten Online-Auftritte der überregionalen (und vieler kleinerer) Zeitungen, wo man zumindest ausschnittweise das Tagesgeschehen frei Bildschirm geliefert bekommt. Bei vielen ist dieses Online-Angebot nicht unbedingt ein Aushängeschild, was seriösen Journalismus sowie handwerkliche Qualität angeht (schon mal was von Korrekturlesen gehört?). Bei der Online-Lektüre ergeben sich also zwei Probleme: Warum kaufen, was man eh umsonst haben kann (ah, das Google-Ranking!) und warum für etwas zahlen, das so schlecht gemacht ist.

Hinzu kommt, dass kaum jemand wirklich eine Zeitung von der ersten bis zur letzten Seite liest; fast jeder hat seine Schwerpunkte und Interessensgebiete. Da man sich – wenn man sich etwas Mühe gibt – im Internet auch in der Tagespresse kundig machen kann, wird man darauf verzichten, einzelne Zeitungen zu kaufen.

Auch auf diesem Gebiet wird wieder mal die aktuelle Entwicklung verschlafen, die sich nicht zurückdrehen lässt, auch wenn die Zeitungsverleger das doof finden mögen. Anstelle sich über Alternativen Gedanken zu machen, schreit man nach dem Papi-Staat, damit der ein Taschengeld auszahle, mal wieder mit den Arbeitnehmern als Geiseln. Hatten wir schon mal, funktioniert nicht auf nachhaltige Weise. Natürlich wird die Politik sich breitschlagen lassen und Geld in ein sterbendes Vertriebs- und Geschäftsmodell pumpen, denn sonst werden die Geiseln, äh, die Arbeitnehmer ja erschossen entlassen, doch dies wird den Niedergang nicht aufhalten können, denn aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Ich darf mich rühmen, durchaus über etwas Branchenkenntnise zu verfügen; und mir fallen auf Anhieb mehrer Möglichkeiten ein, wie man dem Leser zu seinem Qualitätsjournalismus und den Zeitungen zu ihren Lesern verhelfen kann. Ehrlich. Es ist ganz einfach, und es gibt mehr als eine Möglichkeit, und alles ist durch selbständiges Denken herauszufinden.

Die Lösung ist nämlich nicht die Boulevardisierung der seriöseren Blätter (den Scheiß hat man im Fernsehen schon bis zum Abwinken) oder das Nachtuten von dem, was Lobbyisten gerne lesen. Und Staatshilfen können es auch nicht sein, da möchte ich anregen ,das Geld doch eher zu verbrennen. Das bringt zwar auch nichts, ist aber irgendwie lustiger.

Liebe Zeitungsverleger, Ihr könnt nicht alles haben: Leute, die für Inhalte zahlen UND bei den Suchmaschinen weit oben landen, Qualität und Popul- bzw. Lobbyismus. Hört auf, uns die Ohren vollzuweinen und findet die Lösungen, die Eure Kernkompetenz (nein, nicht die Brustvergrößerung von X und auch nicht das Fremdgehen von Y), nämlich die seriöse Information der Bürger in ein neues Zeitalter überführt. Es ist noch nicht zu spät, Ihr müsst das Pferd nicht zu Tode reiten. Ihr habt die Wahl, wählt also mit Verstand.

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December 5, 2009

Zur Abwechslung mal was echt Inhaltliches: Die Hamburger Schulreform

Filed under: Bildung, Hamburg, Inhaltliches — admin @ 2:33 pm

Nach der Wahl fielen die Piraten quasi in ein großes Loch: Infostände nur noch sporadisch, die Zeit der bunten Aktionen ist erst mal vorbei, die Aufmerksamkeit der Medien wendet sich dringenderen Themen zu (zum Beispiel der angeblichen Ehekrise von Tiger Woods) und man steht irgendwie im Wald und fragt sich: Was nun?

Ich persönlich begrüße dies durchaus, kann man sich doch endlich mal dem zuwenden, was Parteipolitik ausmachen sollte: der inhaltlichen Arbeit, in die ich mich sehr gerne einbringe, da ich die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit Inhalten als eine meiner Stärken empfinde.

Nun winkt in Hamburg keine Wahl in näherer Zukunft, dafür aber eine Volksabstimmung, nämlich die zur Schulreform. Und das berührt unmittelbar eines der piratischen Kernthemen, nämlich die Bildung, und die ist in Deutschland Ländersache (auch wenn man sich das vielleicht anders wünschen würde).

Schon im Wahlkampf wurde ich öfter gefragt, wie die Piraten zur anstehenden Schulreform in Hamburg stehen, und ich war regelmäßig gezwungen, mit allgemeinem Blabla zu antworten, in dem irgendwo auch die Aussage enthalten war, dass wir keine Aussage zum Thema machen können, da wir keine Position entwickelt hätten. Das geht natürlich gar nicht, siehe Kernthemen, Kompetenzpartei und so.

Daher gibt es jetzt eine AG Schulreform Hamburg (noch nicht abgesegnet, sondern in der Entstehung begriffen), die sich rein dienstleistend versteht: Sie soll die unterschiedlichen Positionen zusammentragen, Gespräche mit Befürwortern und Gegnern führen und die Fakten so aufbereiten, dass die Hamburger Piraten VOR der Volksabstimmung zu einer Position gelangen und eine Wahlempfehlung abgeben können. Ist dies erreicht, ist die Aufgabe der AG beendet, an der Meinungsfindung nehmen die Mitglieder als einfache Piraten teil.

Auch, aber nicht nur aus diesem Grund sind pluralistische Meinungen bei den AG-Mitgliedern ausdrücklich erwünscht; wir wollen neutral und möglichst unvoreingenommen an die Sache herangehen. Daher sind Befürworter, Gegner, Leute, die noch keinen Plan von nichts haben und die, die etwas anderes wollen, ausdrücklich eingeladen, sich an der Arbeit der AG zu beteiligen.

Natürlich gibt es auch eine Wiki-Seite zum Thema, und da bin ich ganz stolz auf mich, denn es ist mir tatsächlich gelungen, eine Seite zu erstellen, die wie eine echte Wiki-Seite aussieht und nicht wie die, die ich bisher verhunzt habe (und die barmherzige Piraten-Samariter still und diskret dem gängigen Layout anpassten, herzlichen Dank hierfür!).

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In eigener Sache: Zurückgehaltene Kommentare

Filed under: Sonstiges — admin @ 2:13 pm

Mich erreichten mehrere Anfragen von Kommentatoren, deren Kommentare nicht unmittelbar nach dem Posten auf der Seite erschienen. Darauf habe ich keinen Einfluss, das ist meine Anti-Spam-Maßnahme, die angesichts der aktuellen Situation im Internet unabdingbar ist.

Dieses Blog wird nicht moderiert, das heißt, jeder Kommentar, der keine gesetzeswidrigen Inhalte hat oder reine Werbung ist, erscheint auch, zur Not nach der manuellen Freischaltung.

Ich begrüße ausdrücklich eine Meinungsvielfalt in den Kommentaren, denn recht geben könnte ich mir auch ganz allein. Auch oder gerade abweichende Meinungen sind hier willkommen und werden veröffentlicht. Eine Moderation findet also nur in Bezug auf gesetzeswidrige Inhalte (rassistischer Müll, Aufruf zu Straftaten, Beleidigungen und Rufmord, das Übliche halt) statt.

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December 3, 2009

Bundespiratenproblembär

Filed under: Piraten, Vollpfosten — admin @ 2:28 pm

Lieber Aaron, Stefan, oder wie auch immer Du heißen magst,

ich muss sagen, Du verursachst einiges Ungemach, vor allem unter denen, die einer differenziertere Sichtweise huldigen, und die Piratenpartei nimmt ja für sich in Anspruch, eine Partei der intelligenten Menschen zu sein.

Momentan erinnerst Du mich an Westerwelle, wie er so jämmerlich in einer Pressekonferenz gegenüber einem britischen Journalisten versagte, obwohl die Situation mit einem eleganten, höflichen Satz hätte erledigt werden können. Das ist ihm vielleicht nicht gegeben, was eher ungünstig für einen Außenminister ist, aber er musste live, in Farbe und unter den Augen der Weltöffentlichkeit bestehen, während Du in Deinem stillen Kämmerlein vor Dich hinschreibst und über das Verfasste reflektieren könntest. Gemeinsam haben Westerwelle und Du, dass Ihr irgendwie alle doch noch glücklich machen wollt, indem Ihr immer noch einen nachlegt, es aber gerade deswegen immer schlimmer wird.

Dass Du den zweifelhaften Link aus Deinem ersten Post entfernt hast, und das kommentarlos, ist unter allem Niveau und ein Zeichen mangelnder Diskussionskultur. Sei ein Mann und steh zu dem, was Du getan hast, andere tun es auch. Wenn Du erkannt hast, dass die Quelle nicht so das Wahre war, dann kannst Du das sagen, ohne das Gesicht zu verlieren. Ein Tipp am Rande: Gründliches Lesen vorher erspart einiges Ungemach.

Ich denke, dass kaum jemand dir in dem Punkt widerspricht, dass die Bürger der Schweiz abstimmen können, wie sie es für richtig halten. Wir müssen das Ergebnis nicht lieben, und mit der Rechtmäßigkeit der Abstimmung im europäischen und globalen Kontext beschäftigen sich ohnehin andere. Ebenso wird Dir niemand widersprechen, dass es islamischen Fundamentalismus gibt. Beim Lesen Deines … äh … wie immer man das nun nennen mag, drängt sich allerdings auf, dass Du Islam mit Fundamentalismus gleichsetzt, und das ist – wenn man die Situation weltweit, europaweit und deutschlandweit betrachtet, nicht nur haarsträubender Blödsinn, sondern auch Populismus aus der alleruntersten Schublade. Du redest somit denen das Wort, die überall reitende Djihadisten sehen, was mit der Lebenswirklichkeit hierzulande und anderswo überhaupt nichts zu tun hat. Ich erlaube mir, hier mal zu zitieren, bevor Du das vielleicht auch löschst. Du sagst über den Islam (wage nicht, zu sagen, dass Du den Islam nicht meinst, denn von etwas anderem ist bei Dir nicht die Rede):

Eine politisch-totalitäre Bewegung, die sich anderen Glaubens- und Denkrichtungen überlegen fühlt und den Anspruch hat, Andersdenkende zu bekehren und gegebenenfalls zu töten, steht hingegen nicht unter dem Schutz der Religionsfreiheit – denn Freiheit geht immer nur so weit, wie sie die Freiheit eines anderes nicht verletzt.

Autor: Aaron/Stefan König, Politicool, Respekt für die Schweiz

Als ich das las, dachte ich glatt, Du sprichst über das Christentum. Doch das – wie auch andere Religionen mit zweifelhaften Aussagen in ihren heiligen Schriften – lässt Du außer Acht, wie auch die zahlreichen Koransuren, die von Toleranz, Achtung und Menschenliebe sprechen. Vielleicht solltest Du Dir das Buch mal zulegen, gibt’s in jeder gutsortierten Buchhandlung, zumindest in einer Großstadt, und Lesen bildet ja bekanntlich.

Noch problematischer ist, dass Du es nicht gut sein lassen kannst, sondern in Post 2 und 3 versuchst zu relativieren, erklären etc., was Deine ursprünglichen Aussagen jedoch nicht zurücknimmt. In Beitrag Nummer 2 versteckst Du Dich hinter Schweizer Feministinnen, als wäre es irgendein Maßstab oder per se gut, wahr und richtig, wie die Damen entschieden haben. Die von Dir genannten Quellen sind einseitig, was unter den obwaltenden Umständen verständlich ist, aber EMMA-Beiträge zu dem Thema als “gut recherchiert” zu bezeichnen, ist doch ein wenig arg.

Beitrag Nummer 3 ergeht sich in allgemeinem Gewaber “dass ja jeder glauben kann, was er will”, “Religionsfreiheit ein hohes Gut ist” und so weiter und so fort. Und Du entdeckst tatsächlich den friedlichen Gläubigen, was ja gegenüber Post 1 schon ein Fortschritt ist, wo Du nicht mit einem Wort erwähnst, dass es im Islam so etwas überhaupt gibt.

Wie hoch der Anteil von totalitären Fanatikern in den verschiedenen Religionen ist, kann und will ich nicht beurteilen. Mit den friedliebenden, toleranten Anhängern einer Religion gibt es ja auch keine Probleme – aber jeder Fundamentalist ist meiner Ansicht nach einer zuviel.

Aaron/Stefan König, Politicool,  Von Türmen und Tempeln

So richtig lustig wird es dann mit Deinen Hintergrundinformationen, also mit dem vierten Post zum Thema. Generell begrüßenswert ist natürlich, dass Du da sebst mal nichts sagst, aber ich frage mich schon, ob Du uns verarschen willst. Falls Du dies nicht als Scherz meinst, empfehle ich Dir eine Meditation zum Thema “Hintergrundinformation” und was das überhaupt ist. Und natürlich den Blick über den Tellerrand – also auf fundamentalistische Strömungen anderer Religionen und natürlich politische Fundamentalisten.

Außerdem empfehle ich Dir die Satzung der Piraten und einen Blick auf unsere Fans bei Facebook. Da sind ganz viele türkische Namen bei, und ich glaube nicht, dass die zum Sturm aufs christliche Europa blasen oder versuchen, die Piraten zu unterwandern. Vielleicht versuchst Du einfach mal, mit denen ins Gespräch zu kommen und das selbst herauszufinden.

Besonders schön ist auch, dass die Leute, die nicht nur öffentlichkeitsgeil irgendeinen Kram absondern, sondern Basisarbeit leisten, also mit normalen Menschen auf der Straße sprechen, in der nächsten Zeit diesen Bullshit rechtfertigen dürfen. Falls Du Dich also gedrängt fühlst, noch irgendwas in Deinem Blog zum Thema zu schreiben, wäre eine Argumentationshilfe für befremdete Piraten hilfreich, die sich mit befremdeten Bürgern über dieses Thema austauschen dürfen. Noch schöner wäre allerdings, wenn Du Dich anderen, für uns alle weniger anstrengenden Inhalten zuwenden könntest. Falls es Dir da an Ideen mangelt, kündige doch einfach ein Ministerium an, von dem nur fünf Leute wissen oder beschäftige die Verwaltung diverser offizieller Stellen und diverse Piraten damit, dass Du Dir noch einen nicht eingetragenen Namen zulegst und unter diesem auftrittst. Ich bin sicher, Du wirst schon was finden.

In diesem Sinne,

Anne, Pirat, zutiefst befremdet

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Attac – Ich habe es getan

Filed under: attac — Tags: — admin @ 12:57 pm

Ich bin heute Mitglied von attac geworden. Das ist eine Organisation, die mir länger nahesteht, als es die Piratenpartei tut (was keine Kunst ist, da es attac schon länger gibt).

Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich wirken, die Piraten als Bewohner des gobalen Dorfes und die sogenannten Globalisierungsgegner zu unterstützen. Ich bin nicht per se gegen Globalisierung, nur denke ich, dass die nicht so aussehen sollte, wie sie es momentan tut. Zudem engagiert attac sich in Bereichen, die die Piratenpartei nicht abdeckt. Wieso also nicht beides?

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December 2, 2009

Kein Swift-Mob in Hamburg

Filed under: Guerilla-Aktionen — Tags: , — admin @ 1:25 pm

Überall zu lesen, und nun auch hier:

Es wird KEINEN Swift-Mob in Hamburg geben. Er wird NICHT am Freitag, den 4. Dezember um 17.00 Uhr an der HASPA am Jungfernstieg stattfinden, und NIEMAND wird dort € 0,01 an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Barack Obama, überweisen. Nein, nein.

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Emma und die Piraten

Filed under: Nervköppe — Tags: — admin @ 11:45 am

Ein weiblicher Pirat, genauer gesagt, Mela Eckenfels, schrieb einen Leserbrief (teilweise hier veröffentlicht, mit Antwort der Redaktion) an die Zeitschrift EMMA, die die Piratenpartei zum “Pascha des Monats” kürte. Den Brief hätte ich unterschreiben können, bei der Antwort rollen sich mir die Fußnägel hoch.

Liebe Emma-RedakteurInnen, die Ihr in Eurer Redaktionin auf Euren Stuhlinnen an Euren Tischinnen sitzt, es wäre schön, wenn Ihr Euch ein wenig besser informieren würdet, bevor Ihr Eure Tastaturinnen quält und die Intelligenz Eurer LeserInnen beleidigt. Die Piratenpartei fordert kein “unbegrenztes Internet”, das ein rechtsfreier Raum ist. Es ist schon ermüdend, diesen Quatsch immer wieder lesen zu müssen, so ermüdend, dass ich Eure Einladung, im EMMA-Forum darüber zu diskutieren, dankend ablehne, denn, mit Verlaub, Euer Geschriebe ist mir zu unreflektiert. Ihr werft uns weiblichen Piraten vor, dass wir uns von der männlichen Übermacht u. a. die Bezeichnung “Pirat” aufoktroyieren lassen, wahrscheinlich ohne es zu merken. Dem ist nicht so. Wir merken durchaus, wenn man uns irgendeinen Quark aufs Auge drücken will, so wie Ihr es versucht, zum Beispiel. Und ich für meinen Teil lehne dankend ab.

Mein Lebensgefährte hatte Euch übrigens mal abonniert. Ich bin froh, dass er das Heft wieder abbestellt hat, denn es wirkte in Teilen doch ein wenig verstaubt und rückständig und vor allem – eben unreflektiert. Das ist schade, denn Ihr greift durchaus wichtige und aktuelle Themen auf. Aber die Qualität gerade bei der Recherche ist nicht so das Gelbe vom Ei.

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November 30, 2009

Religiöse zweiter Klasse?

Filed under: Grund- und Bürgerrechte — Tags: — admin @ 2:57 pm

Natürlich können die Schweizer abstimmen, wie immer sie lustig sind, das müssen wir als Ausdruck des Volkswillens respektieren (ebenso wie das Ausland damit zurechtkommen muss, das wir nun einen Außenminister auf die Menschheit loslassen, der sich so staunend über das politische Parkett bewegt wie ein Sechsjähriger auf dem Weihnachtsmarkt). Und die Schweizer wollen eben keine neuen Minarette mehr. Aber wir leben nicht in der Schweiz.

Betrachten wir die Situation in Deutschland: Moslems sind hier eine große Minderheit, und nicht wenige sind deutsche Staatsbürger bzw. werden in wenigen Jahren welche sein. Und bevor wir über die Schweiz herfallen, sollten wir vor unserer eigenen Tür kehren, ich sage nur “Pro Köln” und die unsäglichen Kundgebungen in Berlin, wo besorgte Bürger einträchtig neben irgendwelchen NPD-Gestalten ihren Willen kundtaten, eben keine Moschee in ihrer Nachbarschaft haben zu wollen.

Als Pirat bin ich der Meinung, dass Religion Privatsache ist, weswegen mir die Stellung der Kirchen auch ein Dorn im Auge ist (allein dieses Gehühner beim Austritt …). Ich bin aber auch der Meinung, dass es jedem zugebilligt werden muss, seine Religion auszuüben, sofern es Andersdenkende nicht behelligt.

Behelligt wurde ich in meinem Leben von Christen, die unbedingt wollten, dass ich dasselbe glaube wie sie. Moslems taten das nie. Auch das Argument des Heiligen Krieges ist nicht plausibel, denn was dieser Heilige Krieg genau ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Die meisten Gelehrten scheinen der Meinung zu sein, dass es sich um einen geistigen Krieg handeln, und die, die das anders sehen, kommen meist aus Gegenden, die so unterentwickelt und arm sind, dass man keine Heiligkeit braucht, damit es zum Krieg kommt.

Mich erstaunt es schon, dass man vom Islam pauschal als einer aggressiven Religion spricht, hier in Europa, wo wir einen schwelenden, völlig Islam-freien Religionskonflikt haben (nämlich in Nordirland. Ach, der ist gar nicht so wahnsinnig religiös motiviert? Nein, wirklich!) und auch der Krieg in Ex-Jugoslawien eine religiöse Komponente hatte, die immerhin so stark war, dass serbische Priester im Fernsehen von der Schlacht am Amselfeld faselten.

Nein, mich überzeugt auch nicht, dass immer wieder Koransuren hervorgekramt werden, in denen von Feuer und Schwert gegen die Ungläubigen die Rede ist. Gebt mir eine Bibel, und als studierte Judaistin suche ich Massen von Zitaten heraus, von denen man hier nicht so wahnsinnig viel wissen will, weil das Ganze dann doch sehr schnell unzivilisiert wird, und ja, so etwas gibt es durchaus auch im sogenannten Neuen Testament. Kaum ein gläubiger Christ hierzulande möchte mit diesen Textstellen in Verbindung gebracht werden, stattdessen verweist man gebetsmühlenartig auf “Liebe Deinen Nächsten”. Den Moslems verwehrt man diese Art der religiösen selektiven Wahrnehmung jedoch.

Ich persönlich ziehe Minarette einem aktiven Kirchturm vor, denn erstere sind hierzulande reine Dekoration (nein, es droht kein Chor der Muezzine, denn dies muss beantragt werden, wobei dem keine große Zukunft beschieden ist), dafür nervt mich das Gebimmel doch zuweilen etwas.

Es ist schon richtig, dass die Gesetzgebung in vielen islamischen Ländern nicht unseren Vorstellungen entspricht, dass wir das Problem der nicht integrierten Moslems haben und dass es durchaus gewaltbereite Moslems gibt. Nur muss man erkennen, dass ein Moslem, der hier aufgewachsen ist, eine andere Sozialisierung erlebte als einer, der aus einem islamischen Land stammt, und auch dessen Sozialisierung unterscheidet sich ganz erheblich von der eines Moslems, der einem radikalisierten Umfeld ausgesetzt ist, vielleicht schon seit seiner Kindheit.

Mangelnde Integration ist ein Problem, doch da wäre der Staat gefordert, der, seit ich zurückdenken kann, gebetsmühlenartig wiederholte, dass “die ja alle irgendwann zurückkehren werden”. Nun, über 30 Jahre später sind sie immer noch hier, und das wird auch so bleiben. Es wäre Sache des Staates, einzusehen, dass es nicht reicht, Kinder einfach in der Schule neben solche zu setzen, die Deutsch können und zu hoffen, dass die das ihren ausländischen Freunden schon beibiegen werden. Das tun sie, aber nicht in der Form, in der man in der Schule auch nur einen Blumentopf gewinnen kann. Integration beginnt mit Sprache, und die zu vermitteln ist nun mal Sache der Schule, wenn das Elternhaus dazu (aus nachvollziehbaren Gründen) nicht in der Lage ist. Würde man als Schüler aus der Türkei, dem Maghreb oder einem arabischen Land nicht fast schon automatisch auf der Hauptschule landen, gäbe es viele Probleme hier nicht.

Was schließlich die Gewaltbereitschaft angeht, so verweise ich auf radikale Christen, die in den USA Leute erschießen, die Abtreibungen vornehmen (bzw., denn das Schlechte liegt so nah, auf die Bekloppten in Nordirland) oder auf prügelnde orthodoxe Juden in Israel, die auf ihre säkular denkenden Glaubensbrüder losgehen, weil diese am Schabbat nicht nur in den Heiligen Schriften lesen wollen. Da drängt sich mir durchaus die Frage auf, ob das Problem nicht die Religion an sich ist und weniger Glaube A, B oder C. Für Religionsrandale jedenfalls braucht man keine Moslems, das gibt es zuhauf auch anderswo.

Ich halte es für unbedingt geboten, unsere Mitbürger islamischen Bekenntnisses endlich aus ihren Besenkammern zu befreien, die sich gerne in Industrievierteln, in Bürohäusern oder Lagerhallen befinden und ihnen zu ermöglichen, ihre Religion in einem ebenso würdigen Rahmen auszuüben, wie Christen das auch tun. Von mir aus auch mit Minarett. Ich fühle mich weder durch ein paar Türmchen nicht überfremdet noch durch von Vierteln, die überwiegend von Moslems bewohnt sind (und ja, ich habe da Erfahrung, war lustig, damals in Kreuzberg, wo ich übergangsweise wohnte).

Ich würde denen, die so gegen “die Moslems” (die es ebensowenig gibt wie “die Christen” oder “die Juden” zu Felde ziehen, mal ein paar Erfahrungen mit einem modernen, moderaten Islam wünschen. Das ist auch ungefährlicher als der Besuch einer konservativen christlichen Gemeinde, da garantiert bekehrungsfrei.

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November 17, 2009

Nachdenken über das bedingungslose Grundeinkommen

Filed under: Inhaltliches — admin @ 11:49 pm

Immer mehr Personen und Gruppierungen fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, und auch in der Piratenpartei gibt es Arbeitsgemeinschaften, die sich mit diesem Thema beschäftigen, ergebnisoffen und bisher ohne belastbares Resultat (man arbeitet daran). Also habe auch ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht.

Natürlich gilt für dieses Thema, dass alle Theorie einstweilen grau ist. Es fehlen belastbare Studien oder groß angelegte Modellfälle, die auf dieses Land übertragbar sind. Und es bleibt natürlich die Frage der Finanzierung.

Doch das bedingungslose Grundeinkommen, wenn es in einer Höhe ausgezahlt wird, die ein Auskommen ermöglicht, ohne seine Zeit mit der Jagd nach den allergünstigten Sonderangeboten zu verplempern oder nicht zu wissen, wie man seine Miete zahlen soll, enthält ein gewaltiges, innovatives Potential. Natürlich würde es kein Leben im Luxus ermöglichen, sondern eben die Grundbedürfnisse decken, ohne Demütigung und ohne dauernde Bittstellerei bei den Ämtern.

Für das bedingungslose Grundeinkommen sprechen folgende Punkte:

  • Die Vollbeschäftigung ist eine Illusion, und dass sie von Politikern immer wieder beschworen wird, macht sie nicht realistischer. Allein durch den technischen Fortschritt gingen und gehen Arbeitsplätze verloren. Diese wurden vor allem von Menschen ohne oder mit geringer Qualifikation besetzt, die meist keine vergleichbare Stelle mehr finden.
  • Wer aus Altersgründen oder wegen fehlender Qualifikationen keine Arbeit findet, wird per Hartz IV nicht mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt, weil praktisch alle Freizeitbeschäftigungen und Bildungsangebote das Geld kosten, das ein Hartz-IV-Empfänger nicht hat.
  • Dumpinglöhne und demütigende Ein-Euro-Jobs, die zur Ausbeutung und zur Demoralisierung arbeitender Menschen führen, gehören der Vergangenheit an, ebenso der Gang zu den Sozialbehörden für die Arbeitnehmer, die trotz Vollzeitbeschäftigung ihren Lebensunterhalt nur zum Teil bestreiten können.
  • Menschen mit Kindern werden freier in ihrer Entscheidung, wie lang sie bei ihren Kindern zu Hause bleiben wollen oder sich – bei Rückkehr ins Arbeitsleben – für eine qualitätvolle Kinderbetreuung entscheiden. Damit fällt bei vielen Familien und Alleinerziehenden eine beträchtliche Belastung weg, was der gesunden Entwicklung der Kinder zugute kommt.
  • Menschen können sich freier für eine Tätigkeit oder eine Arbeitsstelle entscheiden, wodurch ein beträchtliches kreatives Potential frei wird, das sich in einer erhöhten Produktivität äußert.
  • Die verfügbaren Stellen können mit mehr Menschen besetzt werden, die diese in Teilzeit ausfüllen. Dies führt zu einer erhöhten Flexibilität, sowohl des Arbeitsmarktes als auch der Arbeitnehmer
  • Die längst überfällige Modernisierung des Arbeitsmarktes würde durch das bedingungslose Grundeinkommen beschleunigt und alternative Beschäftigungsmodelle können entwickelt werden.
  • Aus abhängigen Angestellten werden mündige Arbeitnehmer – dies fördert Selbstverantwortung und Kreativität, was wiederum zu einer erhöhten Produktivität führt.
  • Das bedingungslose Grundeinkommen würde über den Konsum in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden und so die Binnenwirtschaft stärken.
  • Die Bürokratie könnte wirkungsvoll und im großen Stil abgebaut werden, die Gängelung der von staatlichen Leistungen Abhängigen hätte ein Ende.

Natürlich werden auch Punkte gegen das bedingungslose Grundeinkommen vorgebracht, im Wesentlichen sind es folgende:

  • Wer nicht arbeiten muss, wird auch nicht arbeiten. Das ist eine populäre, wenn auch durch die Praxis widerlegte Auffassung: Sehr viele Menschen arbeiten mehr, als sie müssten, und das aus unterschiedlichen Gründen: Weil sie das Bedürfnis haben, sich viel leisten zu können, weil sie Freude und Befriedigung durch ihre Arbeit empfinden. Es gibt viele sehr begüterte Menschen, die einer Tätigkeit nachgehen, obwohl sie es vom finanziellen Standpunkt her nicht müssten (so gibt es einen Biologen, der wissenschaftliche Texte über Meeresgründlinge in Fachpublikationen veröffentlicht, obwohl er als Kaiser von Japan eigentlich nicht nötig hätte).
    Zudem gibt es in jeder Gesellschaft, wie restriktiv oder liberal sie auch sein mag, einen geringen Prozentsatz an Menschen, die nicht arbeiten möchten. Das ist nicht zu ändern, auch wenn wir das nicht schön finden mögen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Menschen nur durch Zwangsmaßnahmen (vom Arbeitslager bis zur zwangsweisen, sinnentleerten Einfachsttätigkeit. Hatten wir leider schon mal, hat sich nicht bewährt) zur Arbeit zu bringen sind. Für die allermeisten Menschen trifft das jedoch nicht zu. Für den Rest gibt es kein Patentrezept, wie man sie zu “funktionierenden” Mitgliedern der Gesellschaft machen könnte, auch wenn gerade wir Deutschen beständig danach suchen.
  • Die Finanzierbarkeit wird angezweifelt. Nun, ich persönlich zweifele z. B. die Finanzierbarkeit von Kriegsführung oder der Bankenrettung (Finanzkrise) an, und trotzdem waren in diesem Land Milliarden verfügbar, um sie in marode Unternehmen zu pumpen – und es werden weitere Milliaren investiert werden, um die Unternehmen zu retten, die durch diese Krise geschädigt werden. Milliarden, die fehlten, als dringende Investitionen auf den Gebieten der Umwelt-, Sozial- und Bildungspolitik angemahnt wurden.
  • Viele Menschen werden nicht verantwortungsvoll mit dem Grundeinkommen umgehen, d. h. sie werden einen großen Teil in Alkohol, Drogen, Unterhaltungselektronik etc. umsetzen. Nun, es wird sicherlich Menschen geben, die dies tun, aber die wird man kaum davor bewahren können, denn das tun sie jetzt schon, mit ihrem Gehalt, so sie eines haben, oder auch mit den Geldern aus staatlicher Unterstützung. Als Pirat bin ich der Meinung, dass die Verantwortung für das eigene Leben nicht vom Staat übernommen werden sollte.

Letztendlich wäre es ein Experiment – aber wenigstens ein visionäres, das eine wirkliche gesellschaftliche Veränderung in Gang setzen könnte, die wir uns heute kaum vorstellen können.

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October 3, 2009

Zum Tag der Deutschen Einheit

Filed under: Sonstiges — Tags: — admin @ 8:57 am

Da das Nationale ja so gar nicht meins ist nie war und auch niemals sein wird, fällt mein Beitrag entsprechend aus. ;)

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